Meinung

Lehren aus einer gescheiterten Reise

Reinhold Robbe Foto: dpa

Wenn es so etwas gibt wie einen kulturellen Friedensstifter, dann trifft dieses Attribut auf Daniel Barenboim zu. Er ist ein wunderbarer und genialer Pianist, Konzertmeister, Musiklehrer und Weltbürger mit mehreren Pässen, der Zeit seines Lebens sein großartiges künstlerisches Schaffen verbunden hat mit seinem immerwährenden Bemühen, Menschen – besonders junge Menschen – unterschiedlicher Herkunft und Hautfarbe und über alle Religionsgrenzen hinweg zusammenzubringen.

Für sein beispielhaftes musikalisches, aber ebenso für sein friedenspolitisches Wirken erhielt Barenboim zahlreiche internationale Auszeichnungen und Würdigungen. Niemand wäre überrascht, wenn Barenboim bei einer der nächsten Nobelpreisvergaben mit auf der Shortlist stehen würde. Und so wundert es zunächst auch niemanden, wenn der Friedensaktivist Barenboim sich sofort bereit erklärte, mit der Staatskapelle Berlin unter der Schirmherrschaft des deutschen Außenministers in Teheran aufzutreten.

iran-versteher Umso skandalöser ist die Nachricht über die Weigerung der Mullahs, Barenboim gemeinsam mit der Staatskapelle im Iran auftreten zu lassen. Der Iran, so lautet die Begründung, erkenne »das zionistische Regime nicht an und wird auch nicht mit Künstlern dieses Regimes zusammenarbeiten«.

Die Nachricht über die Brüskierung des Kosmopoliten Barenboim schockierte offensichtlich gerade jene »Iran-Versteher« in Berlin, die glaubten, mit dem ausgehandelten Atomkompromiss würde sich die theokratische Diktatur öffnen und bereit sein, über mehr Freiheiten und Menschenrechte für die unterdrückten und verfolgten Minderheiten im Iran zu reden. Die Ausladung von Barenboim macht auf erschreckende Weise deutlich, was die Führer der Islamischen Republik vom Westen und seinen Werten halten, nämlich gar nichts. Und Israel ist ihnen nach wie vor Erzfeind Nummer eins, den es zu vernichten gilt.

Andererseits müssen sich die Unterstützer der Konzertinitiative den Vorwurf gefallen lassen, mit einer unglaublichen Blauäugigkeit in diesem Fall agiert zu haben. Fest steht nach diesem Skandal: Das Mullah-Regime honoriert kein Entgegenkommen, sondern versteht offensichtlich nur eine Politik des deutlichen Wortes und der harten Hand.

Der Autor ist Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft.

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Lionel Messis Herkunft und Sympathien rumoren, erzählt der Sohn eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  10.07.2026

Bundesrat

Länder: Aufrufe zur Vernichtung Israels sollen strafbar werden

Der Bundesrat hat am Freitag einen Vorschlag Hessens gebilligt, wonach die öffentliche Leugnung des Existenzrechts Israels bestraft werden soll. Ob ihn die Bundesregierung aufgreift, ist noch unklar

von Michael Thaidigsmann  10.07.2026

Warschau

Vor 85 Jahren wurden die Juden von Jedwabne ermordet

Ein Massaker 1941 belastet das Verhältnis von Juden und Polen: Anstifter waren Deutsche, doch die Täter waren Polen. Ein Ex-Präsident hat zu dem Gedenktag eine klare Botschaft

 10.07.2026

Ramallah

Abbas kündigt Wahlen an

Der Chef der Palästinensischen Autonomiebehörde legt den 28. November als Termin für die Neuwahl des Parlaments fest, 2027 soll auch über die Präsidentschaft neu abgestimmt werden.

 10.07.2026

Großbritannien

»Wir haben das nicht richtig gemacht«

Andy Burnham, designierter Nachfolger von Keir Starmer als Labour-Chef und Premierminister, kündigt eine Kurskorrektur in der britischen Nahostpolitik an

von Michael Thaidigsmann  10.07.2026

Hamburg/Haifa

Netanjahu bremst Milliarden-Fusion von Hapag Lloyd und Zim

Hapag-Lloyd würde die israelische Reederei gerne übernehmen. Doch der israelische Ministerpräsident hat Sicherheitsbedenken

 10.07.2026

Hamburg

Ein Jahr nach Beginn des Block-Prozesses kein Ende in Sicht

Am 11. Juli 2025 startete am Landgericht der spektakuläre Prozess um die Entführung der Block-Kinder. 63 Verhandlungstage gab es seither. Was ist noch offen?

 10.07.2026

Tirana

Albaniens Premier gibt Millionen für Kanye-Konzert aus

Ein geplanter staatlich geförderter Auftritt spaltet das Land – und verstärkt die ohnehin seit langem wachsende Kritik an Ministerpräsident Rama. Die jüdische Gemeinde will eine Absage

 10.07.2026

New York

Bericht: Israel warnte Trump vor neuem iranischem Anschlagsplan gegen ihn

Seit der Tötung des iranischen Generals Qassem Soleimani Anfang 2020 droht der Iran Trump mit Vergeltung

 10.07.2026