Meinung

Köln: Konsequenzen aus dem Attentat

Micha Guttmann Foto: Marco Limberg

Meinung

Köln: Konsequenzen aus dem Attentat

Ein Signal des Aufbruchs wäre nötig gewesen. Es kam leider nicht

von Micha Guttmann  19.10.2015 23:15 Uhr

Es war die richtige Entscheidung, die Oberbürgermeisterwahl in Köln stattfinden zu lassen, obwohl die Kandidatin Henriette Reker am Tag zuvor bei einem Attentat schwer verletzt wurde. Wer allerdings gedacht hatte, dass die Kölner die Wahl nutzten, um ein einfaches, aber machtvolles Zeichen gegen Hass, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt zu setzen, hatte sich geirrt. Die Beteiligung von rund 40 Prozent lag im üblich geringen Bereich bei Kommunalwahlen.

Sie war leider nicht das erhoffte Aufbruchsignal. Eine vertane Chance, den rechtsextremen Hetzern und ihren nicht unschuldigen Mitläufern deutlich vor Augen zu führen, dass sie eben nicht »das Volk« sind, sondern lediglich unanständige und gefährliche Randerscheinungen unserer Gesellschaft. Sprach man mit Kölnerinnen und Kölnern, war die Fassungslosigkeit über das Verbrechen groß, aber die Bereitschaft, sich aktiv und persönlich der demokratischen Rechte zur Verteidigung unserer Rechts- und Gesellschaftsordnung zu bedienen, bleibt auch weiterhin gering. Damit soll der Einsatz der Bürger für die Flüchtlinge nicht geringgeschätzt werden; der ist großartig.

Doch jetzt geht es um nichts Geringeres als um die Frage, wie wir in den nächsten Jahren leben wollen. Werden Rechtsextremisten, sogenannte Wutbürger und ihre heimlichen Sympathisanten das gesellschaftliche Klima bestimmen? Werden Ideologen jedweder Art auf Demonstrationen weiterhin ungestört zur Gewalt gegen Juden und Israelis aufrufen können? Und werden diese Organisationen so starken Einfluss erhalten, dass gewaltbereite Einzelne oder Gruppierungen bereit sind, die verbale Hetze in Gewalttaten umzusetzen?

Dies müssen sich natürlich jüdische Gemeinden ebenfalls fragen. Denn auch antisemitische Hetze und Gewaltbereitschaft gegen Juden haben in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen. Körperliche Attacken auf Juden, Übergriffe und Beleidigungen sind so zahlreich geworden, dass viele Angst haben, ihre Kinder in bestimmten Stadtvierteln alleine in Bahnen und Bussen fahren zu lassen.

Die Öffentlichkeit drückt zwar stets Betroffenheit aus, aber, wie auch jetzt zu befürchten, im Alltag verbessert sich nichts. Dies wird sich erst dann ändern, wenn wieder eine Mehrheit bewusst am demokratischen Willensprozess teilnehmen will und die Verteidigung der Bürgerrechte wertschätzt. Ohne diesen Gesinnungswandel machen wir es Rechtsextremisten sehr einfach, mit ihren Hetzparolen Gewalt zu säen.

Der Autor ist Rechtsanwalt und Kommunikationsberater.

München

20 Jahre Ohel-Jakob-Synagoge: Merz, Aigner und Söder beim Festakt

Am 9. November 2006 wurde die Synagoge Ohel Jakob eröffnet - als Zeichen für die Rückkehr jüdischen Lebens ins Herz Münchens. Den 20. Jahrestag feiert die Kultusgemeinde mit einem Festakt. Erwartet werden prominente Gäste, etwa Bundeskanzler Merz

 02.11.2026

Berlin

SPD nominiert Michel Friedman für Bundesversammlung

Der Publizist darf damit über die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier abstimmen

 02.11.2026

Frankfurt am Main

»Zeit ist’s!«

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach zur Eröffnung der Jüdischen Akademie in der Mainmetropole. Wir dokumentieren seine Rede

von Frank-Walter Steinmeier  02.11.2026

Berlin

Koalitionsverhandlungen für Rot-Grün-Rot beginnen

Sechs Wochen nach der Wahl starten Linke, Grüne und SPD in Berlin ihre Koalitionsverhandlungen. Viele Fragen sind noch offen – und Scheitern ist jederzeit möglich.

 02.11.2026

Jugendproteste

Prien: Bei Krawallen nach »Gen Z«-Protesten die Realität betrachten

Die Jugendministerin Prien spricht von »weitestgehend friedlichen Demonstrationen« am Samstag. Was danach geschah, nennt sie »Gewaltexzesse von linksradikalen Gruppen«. Es seien wohl auch Menschen »aus migrantischen Milieus« beteiligt gewesen

 02.11.2026

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  02.11.2026

Endlich nimmt ein Verwaltungsgericht die Einschüchterung jüdischer Studierender ernst

Ein Kommentar

von Annabelle Ganapol  02.11.2026

Baustelle der Jüdischen Akademie an einer Straße in Frankfurt am Main

Ort jüdischen Denkens

Jüdische Akademie öffnet in Frankfurt

Es soll ein Ort des Diskurses und der Begegnung sein: In Frankfurt wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet

 02.11.2026

Robert F. Kennedy Jr. spricht an einem Rednerpult vor einer Wand mit dem Schriftzug MAHA

USA

Kennedy verteidigt Rede über Araber und lobt Juden

Der US-Gesundheitsminister weist Rassismusvorwürfe zurück und fragt, warum die Welt Juden hasse und Islamisten umarme

 01.11.2026