Staatsangehörigkeit

»Klares und starkes Signal«

Mit einem Gesetz will die Bundesregierung die Einbürgerung und den Zugang zum deutschen Pass erleichtern. Foto: imago/CHROMORANGE

Bisher benachteiligte frühere NS-Verfolgte und deren Nachkommen sollen künftig einen gesetzlichen Anspruch auf Einbürgerung erhalten und so einfacher einen deutschen Pass bekommen können. Der Bundestag beriet in der Nacht zu Freitag in erster Lesung einen entsprechenden Gesetzentwurf.

RESTRIKTIONEN Seit 2019 regeln zwei Erlasse des Innenministeriums, dass NS-Verfolgte und ihre Nachfahren leichter einen deutschen Pass bekommen. Vertreter von Betroffeneninitiativen fordern aber, dass eine echte Lösung des Problems nur eine Gesetzesänderung sein könne.

Laut Entwurf sollen diejenigen künftig einen gesetzlichen Anspruch auf Einbürgerung erhalten, die zuvor nach Artikel 116 des Grundgesetzes benachteiligt worden waren. Der Grundgesetz-Artikel sieht zwar eine Einbürgerung in Deutschland vor, wenn die Staatsangehörigkeit zwischen 1933 und 1945 aus »politischen, rassischen oder religiösen Gründen« entzogen wurde. Jedoch wurden in vielen Fällen Betroffene nicht formal ausgebürgert, sondern sie verloren die deutsche Staatsangehörigkeit durch die Annahme eines anderen Passes.

In der Debatte sagte der SPD-Politiker Helge Lindh, es habe viel zu lange gedauert, bis es zu diesem Gesetzentwurf gekommen sei. »Konsequent wäre es gewesen, direkt nach dem Dritten Reich im Staatsangehörigkeitsrecht dafür zu sorgen, dass all diese Verletzungen zumindest annähernd geheilt werden.« Die Nachkommen vieler NS-Opfer hätten erleben müssen, so Lindh, »wie sie in den Behörden wieder denjenigen begegneten, die ihre Eltern oder Großeltern misshandelt, gequält oder verfolgt hatten«. Deutschland strenge sich »oft allzu sehr an, restriktiv zu sein und zu beschränken«, kritisierte er zudem.

SIGNAL Der AfD-Abgeordnete Gottfried Curio kritisierte, dass die Kriterien für die Einbürgerung aufgeweicht würden, vor allem beim obligatorischen Sprachtest für künftige Neubürger. »In eine gut gemeinte Wiedergutmachungsregelung wurden nebenbei einige Kuckuckseier allgemeinster Gesetzesaufweichung eingelegt«, monierte Curio. Er sprach von einem »Black-Friday-Schlussverkauf beim Einbürgerungsamt«. Einbürgerung sei kein Menschenrecht, und Bedingungen dafür stellten keine Diskriminierung oder gar einen Angriff auf die Menschenwürde dar.

Lob kam dagegen von einer anderen Oppositionspartei. Die Kehrtwende der Bundesregierung zum Ende der Legislaturperiode sei dringend notwendig und überfällig gewesen, sagte die Grünen-Abgeordnete Filiz Polat. Die Erfahrungen aus der bisherigen Einbürgerungspraxis nach Ermessen hätten gezeigt, dass sich durch Verwaltungsvorschriften allein die bestehende Gesetzeslücke nicht schließen lassen. »Die Nachkommen der im Nationalsozialismus Zwangsausgebürgerten sollen ein klares und starkes Signal zur Wiedergutmachung erhalten«, forderte sie. dpa/mth

Berlin

Söder warnt SPD und Grüne vor Koalition mit Linkspartei

Nach der Wahl in Berlin mit dem Sieg der Linkspartei ist noch immer unklar, wer künftig regieren wird. Der CSU-Chef hat eine klare Erwartung für den Umgang mit dem Wahlsieger

 25.09.2026

Kassel/Heidenau

Stadt stoppt Stolpersteine – Künstler: War zu erwarten

Der Stadtrat von Heidenau bei Dresden lässt keine neuen Stolpersteine im Straßenraum zu. Der Initiator der Gedenksteine, Gunter Demnig, warnt vor Unsichtbarkeit der NS-Opfer und will weitermachen

 25.09.2026

Berlin

Schuster: Seit Hamas-Angriff kaum Kontakte zu muslimischen Verbänden

Er hat muslimische Freunde. Doch offizielle Beziehungen zwischen der jüdischen Gemeinde und muslimischen Verbänden gibt es kaum noch. Der Zentralratspräsident kritisiert dies und hofft auf Besserung

 25.09.2026

USA

Rennpferd muss wegen Hitler-Bezug umbenannt werden

Der Jockey Club erhält eine formale Beschwerde, woraufhin der Name des Tieres verboten wird. Wie hieß das Pferd? Und wie heißt es jetzt?

 25.09.2026

New York

Susan Sarandon bei Demo gegen Israel festgenommen

Zwei Proteste gegen Israel fanden während der Rede von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor der UNO statt. Bei einer davon wurde zum Mord an ihm aufgerufen

 25.09.2026

New York

Netanjahu vor der UNO: »Israel hat keinen anderen Weg als zu gewinnen«

Der israelische Ministerpräsident spricht über Iran, Katar, die Türkei. Er konfrontiert Kritiker seines Landes, inklusive Bürgermeister Zohran Mamdani

 25.09.2026

Berlin

Berliner Linken-Chefin: »sehr überrascht« über Kritik

Seit der Berlin-Wahl am Sonntag wird bundesweit heftig über Antisemitismus bei der Linkspartei diskutiert. Sieht die Landesvorsitzende Kerstin Wolter ein strukturelles Problem in ihrer Partei?

 25.09.2026

Nach der Wahl

Berliner SPD will mit Linken und CDU sondieren

Die Sozialdemokraten wollen mit dem Wahlsieger Linke und der CDU über eine mögliche Regierungsbildung sprechen. Parteichef Krach nennt eine »rote Linie«

 25.09.2026

New York

Berichte: Iran legt Sieben-Tage-Plan zur Beendigung des Kriegs vor

Die USA und der Iran verhandeln mit Hilfe von Vermittlern über die Zukunft der Straße von Hormus. Nun will die iranische Seite einen Vorschlag ins Spiel gebracht haben

 25.09.2026