Meinung

Kippa, Knüppel und Besserwisser

Ayala Goldmann Foto: Marco Limberg

Musste das sein? Die Frage drängt sich auf angesichts mancher Wortmeldung zur Kippa-Frage. Der israelische Oppositionspolitiker Yair Lapid gefällt sich in der Rolle des zionistischen »Muskeljuden« und empfiehlt seinen deutschen Glaubensgenossen, bewusst Kippa zu tragen und sich mit einem großen Knüppel zu bewaffnen. (Es darf angenommen werden, dass Lapid bei seinen Auftritten nicht auf Security-Leute verzichtet – auch im Wahlkampf.)

Reisewarnungen Israels aschkenasischer Oberrabbiner David Lau hat laut Medienberichten nicht nur Israelis, die hier leben, sondern auch Touristen angewiesen, bei Reisen nach Deutschland stolz die Kippa zu tragen. Vielleicht sollte der rabbinische Spruch um »Auslands-Reisewarnungen« ergänzt werden, zum Beispiel für den Hermannplatz in Berlin-Neukölln? Dort wurden am Mittwoch vergangener Woche Menschen mit Kippa bedrängt, die Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft zeigen wollten.

Fehlte noch Rabbiner Teitelbaum aus Bremen. Der fühlt sich, so schreibt er in einem Gastbeitrag für die »taz«, an die »tragischen Zeiten des Zweiten Tempels« erinnert und fragt: »Wenn es gefährlich ist, sich als Jude zu zeigen, soll ich dann mein Judentum ablegen?«

Selbstgerechte Woran es diesem Chor der Selbstgerechten leider mangelt, ist der gesunde Menschenverstand. Ist eine Mutter, die ihrem Sohn nach dem Synagogenbesuch in der S-Bahn die Kippa abnimmt, damit er nicht zur Zielscheibe von Attacken wird, feige? Und ist ein Rabbi, der Baseballkappe statt Kippa trägt, ein jämmerlicher Diasporajude?

Wohl nur für jüdische Besserwisser. Die Kippa ist ein Symbol: Man setzt sie im Gottesdienst auf, nicht einmal ein Prozent der Juden in Deutschland trägt sie im Alltag. Wer sich und seine Kinder schützt, indem er in bestimmten Gegenden auf sie verzichtet, ist kein Jude ohne Stolz und Selbstbewusstsein, sondern einfach nur vernünftig. Schön war es, vergangene Woche die Solidarität vieler nichtjüdischer Demonstranten und Politiker mitzuerleben. Noch schöner wäre es, zeigten Juden sich genauso solidarisch.

Washington D.C.

Für Trump ist die Straße von Hormus wieder offen

Der US-Präsident sagt, die Meerenge sei von Minen geräumt und werde »zu 100 Prozent« von den USA kontrolliert. Der Iran dürfte das kaum so sehen

 11.08.2026

Iran

Ist Modschtaba Chamenei noch am Leben?

Äußerungen aus dem Umfeld der Regierung von Präsident Masoud Peseschkian lassen aufhorchen

 10.08.2026

Medien

Wo steckt die palästinensische Opposition?

Zwei taz-Essays erzählen eindringlich von palästinensischer und muslimischer Entfremdung in Deutschland. Sie lassen zugleich einen entscheidenden blinden Fleck im Nahostkonflikts unerwähnt

von Leeor Engländer  10.08.2026

Bayern

Erneut Ermittlungen gegen Aiwangers Ex-Lehrer

Vor drei Jahren rüttelte die Flugblattaffäre um Hubert Aiwanger die bayerische Landespolitik heftig durcheinander. Viele haben das schon wieder vergessen. Nicht so die Staatsanwaltschaft Regensburg

 10.08.2026

Meinung

Renten: Her mit der aufrichtigen Debatte!

Eine Reform, die lediglich das Bestehende in noch teurer absichert, löst das Problem nicht

von Günter Jek  10.08.2026

Magdeburg

Sachsen-Anhalt: AfD und BSW legen zu

Die Rechtsaußenpartei baut ihren Vorsprung in Sachsen-Anhalt einer neuen Umfrage zufolge weiter aus. Die Wagenknecht-Partei wiederum könnte zum entscheidenden Machtfaktor werden

 10.08.2026

Berlin

Ron Prosor unterstützt deutsche Olympia-Bewerbung

»Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland wären ein starkes Zeichen. Nicht trotz seiner Geschichte, sondern gerade wegen seiner Geschichte«, sagt der israelische Botschafter

 10.08.2026

Interview

»Aufklärung im Hier und Jetzt«

Marina Müller über antisemitismuskritische Bildungsarbeit, die Rolle von Lehrern und das neue Projekt von »Zeugen der Zeitzeugen«

von Leon Stork  10.08.2026

Berlin

Bund gibt mehr Geld für Gedenkstätten

Die deutschen Gedenkstätten erhalten von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer mehr Fördermittel - für Projekte, aber auch für den Schutz der Orte und Mitarbeiter.

 10.08.2026