Recherche

Keine besten Freunde

Seit diesem Jahr für die AfD im Bundestag: Maximilian Krah Foto: IMAGO/Bernd Elmenthaler

Das Foto datiert wahrscheinlich auf das Jahr 2011. Es zeigt den Mitte 30-jährigen Maximilian Krah auf einer israelischen Militärbasis. Zusammen mit zwei weiteren Männern steht er auf einem dunkelgrünen Panzer der Merkava-Serie. Neun Jahre später veröffentlicht Krah, mittlerweile ein bekannter AfD-Politiker, das Foto auf seinem Twitter-Account, heute X. Sein damaliger Besuch in Israel habe ihm »einen Shitstorm echter Neonazis« und die Diffamierung als »Mossad-Spion« eingebracht, schreibt er.

Mit seinem Post wollte Krah niemand Geringeren als Yair Netanjahu, den Sohn des israelischen Premierministers, beeindrucken. Der öffentliche Twitter-Austausch zwischen dem völkischen Deutschen und dem Israeli, der für seine Nähe zur europäischen Rechten bekannt ist, war kurz und blieb wohl ohne reale Folgen.

Doch er gibt einen Einblick in das Selbstverständnis eines Politikers, dessen Verhältnis zum jüdischen Staat widersprüchlich ist: Einerseits fiel Krah wiederholt mit relativierenden Aussagen über den Nationalsozialismus auf, die auch in Israel scharf kritisiert wurden. Andererseits hegt er Sympathien, teilweise auch Bewunderung, für das Land und bemüht sich um einen besseren Draht in dessen rechtes Lager.

Womöglich hat der aus Sachsen stammende Jurist daher auch seine Mitgliedschaft in der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) nie infrage gestellt. Die versteht sich schließlich als eine Organisation, »in der sich Freunde Israels in überparteilicher Zusammenarbeit zusammenfinden«.

Doch der seit 1966 bestehende Verein will Krah nun loswerden.

Unvereinbarkeit mit extremistischen Organisationen

Die DIG hat auf ihrer Hauptversammlung im Juni vergangenen Jahres die Unvereinbarkeit mit extremistischen Organisationen beschlossen, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden oder das Existenzrecht Israels infrage stellen. Als Beispiele werden etwa die Muslimbrüder, die linksterroristische PFLP, die Neonazipartei »Der III. Weg« und die AfD genannt. Die ist auf Bundesebene laut Verfassungsschutz ein Verdachtsfall, Krahs sächsischer Landesverband gar gesichert rechtsextrem.

Seit Ende März ist der Beschluss rechtskräftig. Wer Mitglied in der AfD ist, kann nun nicht mehr gleichzeitig Mitglied in der DIG werden. Der Erste, für den dieser Beschluss wohl Konsequenzen haben wird, ist Maximilian Krah.

»Krahs NS-Verharmlosungen machen ihn untragbar für die DIG.«

dig-präsident volker beck

DIG-Präsident Volker Beck bestätigte der Jüdischen Allgemeinen, dass im Präsidium des Vereins beschlossen wurde, einen Antrag auf Ausschluss Krahs zu stellen. Über diesen entscheide dann ein Schiedsgericht, das sich derzeit konstituiere, so Beck. Wann mit einer Entscheidung des Gerichts zu rechnen ist, sei derzeit unklar. Der Fall Krah sei der erste, mit dem sich das neue Vereinsorgan befassen soll.  »Seine NS-Verharmlosungen machen ihn untragbar für die DIG«, so Beck.

Krah hatte in einem Interview behauptet, nicht alle SS-Männer seien kriminell gewesen. Zudem sorgte er mit einem Tiktok-Video für eine Kontroverse, in dem er sagte: »Unsere Vorfahren waren keine Verbrecher.«

Wann genau Krah der DIG beitrat, ist nicht öffentlich bekannt. Die DIG kann darüber aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Auskunft erteilen. Aus dem Umfeld des Vereins heißt es aber, Krah sei noch als CDU-Mitglied beigetreten. Den Christdemokraten gehörte er 20 Jahre lang an, bevor er 2016 zur AfD wechselte, wo er heute als Vertreter des äußersten rechten Randes der Partei gilt.

Für die AfD saß Krah zunächst im Europaparlament. Wegen zahlreicher Skandale geriet er zeitweise in der eigenen Partei ins Abseits. Doch spätestens mit seinem Einzug in den Bundestag und der Aufnahme in die AfD-Fraktion im Februar dieses Jahres scheint er weitgehend rehabilitiert zu sein.

Beck: AfD-Mitglieder in der DIG sind »Altlasten«

Volker Beck glaubt, dass es nur eine Handvoll AfDler in der DIG gibt. Schon zuvor sei bei Mitgliedsanträgen sichergegangen worden, dass Neumitglieder auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen. »Niemand hat die sehenden Auges bei uns reingelassen«, sagt der ehemalige Grünen-Bundestagsabgeordnete. »Bei den wenigen Fällen handelt es sich um Altlasten.« Wie Maximilian Krah seien diese vor ihrer AfD-Zeit zur DIG gekommen.

Die AfD sprach sich nach dem 7. Oktober 2023 gegen deutschen Waffenlieferungen an Israel aus.

Für den DIG-Präsidenten sprechen neben der Einschätzung des Verfassungsschutzes weitere Gründe für eine Unvereinbarkeit mit der AfD. »Die AfD will die jüdische Religionspraxis einschränken und behindern.« Die zum Teil demonstrative Israelunterstützung von manchen AfDlern ändere für die DIG zudem nichts an der Einschätzung der Partei.

»Denn das war nur Camouflage«, sagt Beck. Das sei spätestens klargeworden, nachdem sich die AfD nach dem Hamas-Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 gegen deutsche Waffenlieferungen an den jüdischen Staat ausgesprochen hatte. Beck: »Da zeigte sie ihr wahres Gesicht als falscher Freund des jüdischen Staates. Wer Israel nicht mit Waffen bei der Selbstverteidigung hilft, kann sich alles Weitere sparen.«

Krah: »Keine besondere Verantwortung« gegenüber Israel

Gern hätte diese Zeitung erfahren, wie Krah selbst zu dem bevorstehenden Ausschlussverfahren gegen ihn steht und wie sich sein Blick auf Israel in den vergangenen Jahren womöglich verändert hat. Eine entsprechende Anfrage ließ der Politiker jedoch unbeantwortet.

Krah hat sich aber mehrfach öffentlich zu Israel sowie dem Krieg in Gaza geäußert. So hielt er Ende November 2023 einen Vortrag bei einer Veranstaltung des rechtsextremen Verlegers Götz Kubitschek in Schnellroda, in dem er wenige Wochen nach dem 7. Oktober betont, dass Deutschland »keine besondere Verantwortung« gegenüber dem jüdischen Staat habe. Es gelte stets, »deutsche Interessen über israelische Interessen« zu stellen.

Lesen Sie auch

Im Diskurs über den Gaza-Krieg mit seinen vielen toten Zivilisten sieht Krah jedoch die Chance, das angebliche Tabu über deutsche Opfer im Zweiten Weltkrieg aufzubrechen. In Anspielung auf alliierte Luftangriffe auf deutsche Städte sagt Krah: »Wenn also unsere Gegner meinen, Dresden war zulässig und deshalb ist Gaza zulässig, dann antworte ich: Dresden war unzulässig, und Gaza ist auch unzulässig.«

Und doch: Auch in diesem Vortrag bezeichnet sich Krah noch als einen »Freund von Israel«. Helfen wird ihm das aber wahrscheinlich nicht, wenn demnächst das Ausschlussverfahren der DIG gegen ihn beginnt.

Women’s Asian Cup

Trump fordert von Australien Asyl für iranische Fußballerinnen

Die Spielerinnen hatten sich vor dem Anstoß im Robina Stadium geweigert, die iranische Nationalhymne zu singen

 09.03.2026

Hildburghausen

Zahlreiche Rechtsrock-Konzerte im thüringischen Brattendorf

Ein Gasthaus im südthüringischen Brattendorf ist zu einem Treffpunkt der Neonazi-Szene geworden

 09.03.2026

Moskau

Putin sichert Mojtaba Chamenei Russlands Unterstützung zu

Russland sieht sich traditionell als enger Partner des Iran. Der Kremlchef wünscht dem neuen Obersten Führer Mut, Gesundheit und Kraft

 09.03.2026

Beirut

Israel setzt Angriffe im Libanon fort

Immer wieder erschüttern Explosionen die Vororte der libanesischen Hauptstadt. Ein Ende der durch neue Angriffe der Hisbollah verursachten Eskalation ist nicht in Sicht

 09.03.2026

Gaziantep

Türkei: NATO fängt Geschoss im türkischen Luftraum ab

Trümmer des Geschosses fallen auf türkischen Boden. Es ist nicht das erste Mal

 09.03.2026

Berlin

Zweifel an Angriff auf Neuköllner Schulleiter – Ermittlungen richten sich nun gegen ihn selbst

Ein Überwachungsvideo vom U-Bahnhof Rathaus Neukölln wirft Fragen auf. Angaben von Hudhaifa Al-Mashhadani hatte angegeben, angegriffen worden zu sein

 09.03.2026

Magdeburg

Auftakt für jüdische Kultur in Sachsen-Anhalt

Ministerpräsident Sven Schulze betonte als Schirmherr die Bedeutung der Kulturtage als klares Signal der Solidarität mit Jüdinnen und Juden in Sachsen-Anhalt

 09.03.2026

Nahost

Teheran erneut von Explosionen erschüttert

Bewohner berichten von einer neuen Angriffswelle: Kampfjets nähern sich, laute Detonationen sind zu hören

 09.03.2026

Kommentar

Der Iran-Krieg könnte das Ende der amerikanisch-israelischen Allianz bedeuten

Noch folgt im Kampf gegen das Mullah-Regime eine gute Nachricht auf die andere. Doch sobald der Krieg in die schwierige Phase übergeht, werden auch die Beziehungen zwischen Jerusalem und Washington auf die Probe gestellt werden

von Hannes Stein  09.03.2026