Köln

Jüdischer Karnevalsverein antisemitisch angefeindet

Aaron Knappstein, Präsident des jüdischen Karnevalsvereins »Kölsche Kippa Köpp« Foto: picture alliance/dpa

Es gibt ihn seit 2017, seine erste öffentliche Karnevalssitzung hatte er drei Jahre später - der nach eigenen Angaben weltweit einzige jüdische Karnevalsverein »Kölsche Kippa Köpp« aus Köln. In der laufenden Session sei der Verein jetzt antisemitisch angefeindet worden: Er habe eine anonyme E-Mail erhalten, sagte Vereinspräsident Aaron Knappstein am Montag.

Demnach wollte die Person dem Präsidenten verbieten, das diesjährige Sessionsmotto »Mer dun et för Kölle« (»Wir tun es für Köln«) zu benutzen. Köln sei nicht seine Heimat. »Menschen wie du, müssten sagen, ‚Mer dun et för Israel‘ «, habe in der Nachricht gestanden. Er solle das sagen, wenn er nach Israel verschwinde.

»Ich habe keine Ahnung, von wem das kommt«, sagte Knappstein der KNA. »Wir hatten bisher keine großen antisemitischen Anfeindungen, weder wir als Verein noch ich als Person.« Der Präsident betonte: »Es ist das bisher Heftigste, was uns passiert ist.«

Knappstein bestätigte einen Bericht des Kölner »Express«, wonach er am Sonntag auf der traditionellen Karnevalssitzung »Falafel & Kölsch« in Köln die E-Mail öffentlich machte. Er sagte, dass nach diesem Schreiben das Motto »Mer dun et för Kölle« für ihn eine neue Bedeutung bekommen habe.

Für Toleranz und Demokratie

Das Motto müsse jetzt auch beinhalten, dass man immer wieder deutlich für eine offene und tolerante Stadt, die Demokratie und »unser Lebensgefühl« kämpfen müsse, so Knappstein laut Bericht. Der KNA sagte er, dass er seit Sonntag diverse Reaktionen bekommen habe, die sehr unterstützend gewesen seien.

Der Verein lasse sich nach der E-Mail den Mut für den Karneval nicht nehmen, betonte der Präsident: Bis zum Sessionsende am Aschermittwoch planten die »Kölschen Kippa Köpp« zahlreiche weitere Veranstaltungen. Auf noch stärkere Sicherheitsvorkehrungen als ohnehin schon setze der Verein allerdings nicht. »Viele Maßnahmen sind für uns Juden leider schon Alltag geworden«, sagte Knappstein mit Verweis auf bewachte Veranstaltungen und Sicherheitsschleusen in Synagogen.

Unterwegs in einer Blase

»Viele Menschen reagieren auf unseren Verein positiv«, erklärte der Präsident. Innerhalb der Karnevalsszene komme Antisemitismus nicht gut an. So mache zum Beispiel das Festkomitee Kölner Karneval klar, dass Judenhass nicht akzeptiert werde. »Wir sind in einer kleinen Blase unterwegs«: Viele Menschen, die antisemitisches Gedankengut hätten, hätten den Karneval einfach nicht so auf dem Schirm.

An einem der Umzüge auf dem Höhepunkt des Straßenkarnevals rund um Rosenmontag mache der Verein dennoch aus Sicherheitsgründen nicht mit. 2025 seien die »Kippa Köpp« eingeladen worden, im großen Kölner Rosenmontagszug mitzulaufen. Dazu sei es nicht gekommen, bedauert Knappstein: »Ich kann das im Moment nicht gutheißen und würde meines Lebens nicht mehr froh, wenn doch etwas passieren würde.«

Berlin

Brandenburger Tor leuchtet als Zeichen der Solidarität mit Iran-Protesten

»Die gewaltsame Niederschlagung der Proteste ändert nichts daran, dass der Drang nach Freiheit bleibt«, sagt Kai Wegner (CD), der Regierende Bürgermeister

 13.02.2026

Augsburg

Gericht kippt Redeverbot für Höcke im Allgäu

Am Wochenende sollte Thüringens AfD-Landtagsfraktionschef in zwei Hallen in Bayern als Gastredner auftreten. Die Gemeinden wehren sich – aber vorerst nur in einem Fall mit Erfolg

 13.02.2026

Meinung

Danke, Herr Minister!

Johann Wadephul hat sich von Francesca Albanese distanziert und ihren Rücktritt gefordert. Doch jetzt müssen Deutschland und andere Staaten den Druck weiter erhöhen

von Michael Thaidigsmann  13.02.2026

Meinung

Jeffrey Epstein: Ein schlechter Mensch

Der verurteilte amerikanische Sexualstraftäter ist und bleibt ein beliebig formbares Vehikel für jedweden Verschwörungsmythos

von Sophie Albers Ben Chamo  13.02.2026

Diplomatie

Berichte: USA schicken weiteren Flugzeugträger nach Nahost

Der Schritt ist eine Drohung an das Regime im Iran, mit dem US-Präsident Donald Trump gerne ein Atom-Abkommen abschließen möchte

 13.02.2026

Berlin

Internationales Auschwitz Komitee fordert AfD-Verbotsverfahren

Eva Umlauf, die Präsidentin des Komitees sagt, die Partei müsse »endlich vor die Schranken des Bundesverfassungsgerichts« gebracht werden

 13.02.2026

Analyse

Historiker: Dirigent von Karajan kein Hitler-Sympathisant

Opportunist oder Gesinnungsnazi? Das historische Bild des Dirigenten Herbert von Karajan leidet seit Längerem unter seiner NSDAP-Mitgliedschaft. Der Historiker Michael Wolffsohn will ihn nun von mehreren Vorwürfen freisprechen

von Johannes Peter Senk  13.02.2026

Ramallah

Scharia und Unterstützung für »Märtyrer«: PA veröffentlicht Verfassungsentwurf

In dem Entwurf, den Palästinenserpräsident Mahmud Abbas publizieren ließ, wird Jerusalem als »Hauptstadt des Staates Palästina« bezeichnet. Jüdische Bezüge werden im gesamten Text nicht erwähnt

 13.02.2026

München

Lauder fordert Abberufung von Francesca Albanese

Die UNO-Sonderberichterstatterin stehe für eine ideologische Agenda, die Verschwörungstheorien und spaltende, antisemitische Botschaften transportiere, sagt der Präsident des Jüdischen Weltkongresses

von Imanuel Marcus  13.02.2026