Judenhass

Jüdische Sozialdemokraten kritisieren Berliner Senatorin Czyborra

Ina Czyborra (SPD), Berliner Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege Foto: picture alliance/dpa

Der folgende offene Brief an die Berliner Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra (SPD) wurde von Renée Röske, der Vorsitzenden des Berliner Arbeitskreises jüdischer Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, verfasst.

Sehr geehrte Frau Senatorin,
liebe Ina,

am 7. Oktober hat sich die Welt für uns Jüdinnen und Juden schlagartig verändert. Das eben nicht ausschließlich in Israel, sondern für uns Jüdinnen und Juden überall auf der Welt. Es tut gut, zu sehen, wie viele Menschen gegen Rassismus auf die Straße gehen. Aber als Jüdinnen und Juden müssen wir hier in Deutschland bereits seit Monaten in Angst leben. Vor allem Studierende an der Freien Universität können nicht mehr sorgenfrei lernen.  

Du sprichst in Interviews davon, dass es Konflikte auf dem Campus gebe, die eingedämmt werden müssten. Es gibt keine Konflikte auf dem Campus. Ein Konflikt setzt zwei Konfliktparteien voraus. Jüdische Studierende werden daran gehindert, an dem Lehrbetrieb teilzunehmen. Sie werden zudem noch beleidigt, bedroht und fotografiert. Diese Fotografien werden dann in Telegram und WhatsApp-Gruppen geteilt, damit sie allen pro-palästinensischen Studierenden bekannt sind. So erging es auch Lahav Shapira.  

Als Vorsitzende des Berliner Arbeitskreises jüdischer Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten habe ich mich bereits im Dezember 2023 an dich gewandt. Ich habe dir ein Video zugesendet, bei dem die Rednerin bei der Hörsaalbesetzung von »Scheißzionisten« spricht. Ich wollte von dir wissen, welche Konsequenzen nun gezogen werden. Bevor noch schlimmeres passiert. Nach dem Bürgerinformationsfreiheitsgesetz und nach GGOI, §33 (1) müssen Anfragen möglichst binnen eines Monats beantwortet werden. Es irritiert daher sehr, dass die Anfrage einer jüdischen Parteiorganisation dieser Tage gar nicht beantwortet wird.  

Als das Berliner Hochschulgesetz durch Rot-Grün-Rot 2021 geändert wurde, ist man sicherlich nicht davon ausgegangen, dass jüdische Studierende verfolgt und krankenhausreif geschlagen werden könnten. Die strafrechtlichen Konsequenzen müssen die Justizbehörden ziehen. Neue Zeiten erfordern neue Gesetze! Eine Gesetzesänderung sollte schleunigst auf den Weg gebracht werden.

In Interviews äußerst du, dass politische Gründe deiner Meinung nach kein Grund für eine Exmatrikulation seien? Warum sollten sie dies nicht sein? Ein Argument könnte sein, dass dem beschuldigten Studenten Chancen im Leben genommen werden.

Es gibt aber noch eine andere Sicht: Soll Lahav Shapira weiter mit diesem Mann an derselben Universität studieren? Wie sollen sich jüdische Studierende fühlen, wenn sie weiterhin denselben Hörsaal mit jemandem teilen sollen, der einen jüdischen Kommilitonen brutal zusammengeschlagen hat? Nur, weil er Jude ist und sich für die Freilassung von Geiseln stark gemacht hat. Ein Foto von ihm wurde geschossen und dann in verschiedenen Gruppen verteilt, um ihn zu brandmarken. Wir haben nun gelernt, was daraufhin folgen kann.

Schon jetzt ist die FU kein safe space mehr für jüdische Studierende. Sollen sich alle jüdischen Studierenden exmatrikulieren, damit sie sich sicherer fühlen und wieder Ruhe am Campus herrscht? Sieht so für dich #niewiederistjetzt aus?

Renée Röske,
Vorsitzende des Berliner Arbeitskreises jüdischer Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten

Antibes

Frankreich und Italien streben neue Libanon-Mission an

Wie könnte die internationale Unterstützung für den Libanon nach dem Abzug der UN-Blauhelme aussehen? Frankreich und Italien wollen eine neue Koalition anführen

 26.06.2026

Pädagogik

Neues Onlinespiel soll gegen Antisemitismus im Netz helfen

In sozialen Medien wird Judenhass verbreitet und auch der Holocaust falsch dargestellt. Damit junge Menschen solche Inhalte besser erkennen, können Lehrkräfte ein neues Onlinespiel nutzen

von Alexander Riedel  26.06.2026

Hamburg

Spionageprozess: Juden für Iran ausgespäht?

Laut Anklage soll der Mann hochrangige Vertreter jüdischer Organisationen in Deutschland für mögliche Anschläge ausgekundschaftet haben

 26.06.2026

Magdeburg

Höchststrafe für Anschlag auf Magdeburger Weihnachtsmarkt

Bei dem Anschlag 2024 kamen sechs Personen ums Leben; Hunderte wurden verletzt. Jetzt steht das Urteil fest

 26.06.2026 Aktualisiert

Berlin

Thüringens Innenminister fordert AfD-Verbotsverfahren

In einem Gutachten begründen Juristen ihre Einschätzung besonders mit Verstößen gegen das Demokratieprinzip und die Menschenwürdegarantie

 26.06.2026

Meinung

Wie Israel zum Juden unter den Staaten gemacht wird

Antisemitismus zeichnet sich dadurch aus, dass er keine empirischen Grundlagen braucht, um zu existieren - weder in der UN noch anderswo

von Jacques Abramowicz  25.06.2026

Hamburg

Wie ein iranischer Jude auf Israel und den Iran blickt

Armin Levy ist Jude, Perser und Hamburger. Bei den aktuellen Gesprächen zwischen den USA und dem Iran glaubt er nicht an echten Frieden. Warum er jedes Abkommen mit dem Mullah-Regime ablehnt

von Christiane Tauer  25.06.2026

Berlin-Neukölln

Martin Hikel rügt Bildungsstadträtin

Janine Wolter hatte auf Instagram die Story eines israelfeindlichen Aktivisten gepostet

 25.06.2026

Essay

Das Kopftuch, der Zwang und die Freiheit

Die radikalen Kräfte in der muslimischen Community bestimmen zunehmend den Kurs. Wenn dies ohne Gegenwehr von den moderaten Kräften hingenommen wird, ist irgendwann der Kipppunkt erreicht

von Daniel Neumann  25.06.2026