Antisemitismus

»Jüdische Lügnerin«

Antisemitisch beleidigt: Eti Doron Foto: dpa

Antisemitismus

»Jüdische Lügnerin«

Fränkische Firma beleidigt Tel Aviver Geschäftsfrau

von Sabine Brandes  08.05.2012 11:49 Uhr

Eti Doron denkt an Klage. Die Israelin, die in Tel Aviv einen Spielwarenladen betreibt, ist von der deutschen Firma »Hoff Interieur« beleidigt worden: »Sind Sie eine Geschäftsfrau oder eine jüdische Lügnerin?« steht in schlechtem Englisch in einer E-Mail, und dass schon der Schriftsteller Günter Grass wisse, dass Israel den »world piece«, was »Weltfrieden« bedeuten soll, bedrohe und die Juden die »Pest der Menschheit« seien.

Lars Adler, Inhaber von »Hoff Interieur« aus Nürnberg, sagt der Jüdischen Allgemeinen, es tue dem Unternehmen »unendlich leid«. Die E-Mails stammten von seinem Vater, Walter Adler, dem 75-jährigen Seniorchef, der keine Funktion mehr in der Firma habe. Er sei »leicht dement« und liege im Krankenhaus. Seine von dort verschickte Entschuldigung kommt für Doron »zu spät«, sagt sie. Inzwischen ermittelt die Nürnberger Polizei.

Begegnung Arno Hamburger, Vorsitzender der Is-raelitischen Kultusgemeinde Nürnberg, nennt den Vorfall »abscheulich«. Auch mit ihm hat Lars Adler mittlerweile das Gespräch gesucht. »Er wollte das am Telefon machen«, sagt Hamburger, aber das habe er nicht mitgemacht. Nun wird die Begegnung in der Gemeinde stattfinden. »Wenn es möglich ist«, sagt Lars Adler, »auch mit meinem Vater«. In einer der Hassmails hatte Walter Adler auch geschrieben, Hamburger sei sein »Freund«. Der IKG-Vorsitzende erwidert: »Ich habe den Mann nie gesehen.«

Schon vor den antisemitischen Hassmails hatte »Hoff Interieur« Eti Doron mit der Polizei gedroht. Sie hatte auf einer Spielzeugmesse Waren im Wert von 600 Euro bestellen wollen, doch das Geschäft kam nicht zustande: Die Ware wurde nicht geliefert, das Geld nicht bezahlt.

Ob »Hoff Interieur« Dorons Kreditkarte nicht belasten konnte oder Doron das Geld nicht überwies, lässt sich nicht klären. »Das ganze Gebaren der Firma war höchst unprofessionell und sogar feindselig«, sagt Doron. Und sie hat das »Gefühl, dass die Firma die Angelegenheit auf den kranken Vater abschieben will«. Davon, dass Walter Adler wirklich an Demenz leidet, ist auch Arno Hamburger keinesfalls überzeugt.

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