Die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) hat am Donnerstag einen verdächtigen Brief erhalten. Dieser hatte der örtlichen Polizei zufolge einen »bedrohlichen Inhalt sowie eine Patrone für Kurzwaffen«.
Die Sendung ging an eine »jüdische Einrichtung in der Altstadt«. Dort befinden sich das Gemeindehaus der IKG und die Ohel-Jakob-Synagoge. Das Schreiben wurde den Angaben nach zunächst durch den gemeindeeigenen Sicherheitsdienst überprüft und dann herbeigerufenen Polizeibeamten übergeben. Das für den Staatsschutz zuständige Kriminalfachdezernat 4 der bayerischen Polizei ermittelt.
IKG-Vizepräsident Yehoshua Chmiel erklärte gegenüber der Jüdischen Allgemeinen, der Drohbrief sei mit der normalen Post in einem wattierten Umschlag gekommen. »Bei uns wird jede Sendung kontrolliert. In diesem Fall fiel gleich auf, dass der Brief einen problematischen Inhalt hatte.« Es sei die normale Prozedur, entsprechende Sendungen sofort der Polizei zu melden.
»Die Eskalation geht immer weiter«, so Chmiel. »Wir erhalten sehr viele Drohungen. Ein Brief mit einer echten Patrone ist aber neu.« Der unbekannte Absender schrieb ihm zufolge, »dass alle Juden erschossen gehörten«. Schreiben dieser Art erhalte die Gemeinde oft.
Chmiel fügte hinzu: »Wir fühlen uns im Stich gelassen.« Er kritisierte, dass Drohungen, Schmähungen und alle Arten antisemitischer Aussagen von der Gesellschaft toleriert würden. »Es gibt keine Handlungen gegen Antisemitismus. Es gibt Reden, aber diese helfen uns nicht.«
Auch sprach der Vizepräsident der IKG von einer »Gefährdungslage knapp unterhalb einer Eskalation«. Der Absender des Drohbriefes habe offensichtlich Zugang zu Munition »und vermutlich auch Waffen«. Die Kooperation mit der Polizei bezeichnete Chmiel als »hervorragend«. Ihm zufolge tut die Behörde »immer ihr möglichstes«.