Düsseldorf

Jüdische Gemeinde distanziert sich von Hamed Abdel-Samad

Hamed Abdel-Samad (M.) wurde 2015 gemeinsam mit Ahmad Mansour (3.v.r.) von der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf mit der Josef-Neuberger-Medaille ausgezeichnet. Foto: picture alliance / Sven Simon

Vor rund zehn Jahren hat die Jüdische Gemeinde Düsseldorf den Islamkritiker und Autor Hamed Abdel-Samad mit der renommierten Josef-Neuberger-Medaille ausgezeichnet – jetzt distanziert sich die Gemeinde von der Verleihung. Der Grund: Hamed Abdel-Samad hat Israel vorgeworfen, im Gazastreifen einen Völkermord an den Palästinensern zu verüben.

»Es gibt nur ein Wort, das beschreibt, was derzeit in Gaza passiert: Völkermord. Seit Monaten werden die Menschen dort gnadenlos bombardiert, wie die Fliegen hin und her gejagt. Sie haben keine Zeit, ihre Toten zu begraben, keine Zeit zu weinen. Sie frieren und haben nichts zu essen, sie suchen einen sicheren Ort, den sie nie finden. 90 Prozent ihrer Häuser sind zerstört oder unbewohnbar«, schrieb der Autor am 4. April auf seiner Facebook-Seite über den Krieg gegen die Terroristen der Hamas.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Abdel-Samad kritisiert in seinem längeren Facebook-Post außerdem, dass Wasserleitungen, Krankenhäuser, Schulen und andere Infrastruktur flächendeckend zerstört worden seien: »Wenn das Terrorismusbekämpfung ist, dann weiß ich nicht, was Anstiftung zum Terrorismus ist.« Während die Massaker vom 7. Oktober 2023 von Journalisten und Politikern zu Recht als Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnet worden seien, würden sie es heute nicht mehr wagen, »dieses Wort in den Mund zu nehmen«, so der Autor.

Jüdische Gemeinde: Abdel-Samads Darstellung »relativiert das Vorgehen der Hamas«

Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf kritisierte wenige Tage später Hamed Abdel-Samads Völkermord-Vorwurf in einer Stellungnahme. Abdel-Samads Darstellung »relativiert das Vorgehen der Hamas, blendet die Ursache völlig aus, und sie delegitimiert zugleich das Existenzrecht und die Selbstverteidigung eines demokratischen Staates, der nach dem Massaker vom 7. Oktober 2023 das Recht und die Pflicht hat, seine Bevölkerung zu schützen«, heißt es darin.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Dann wird die Gemeinde besonders deutlich: »Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf distanziert sich daher unmissverständlich von der Verleihung an Hamed Abdel-Samad.«

Lesen Sie auch

Der Islamkritiker wurde im Oktober 2015 zusammen mit Ahmad Mansour mit der Josef-Neuberger-Medaille ausgezeichnet. »Zum ersten Mal werden in diesem Haus Muslime geehrt, die sich auf besonders bemerkenswerte Weise und manchmal gegen den Mainstream in der islamischen Welt gegen Antisemitismus einsetzen«, lobte damals der Vorstandsvorsitzende der Gemeinde, Oded Horowitz.

Mit den Massakern vom 7. Oktober, bei denen Terroristen der Hamas, des Islamischen Dschihad, aber auch palästinensische Zivilisten mehr als 1200 Menschen ermordeten und 250 Menschen in den Gazastreifen entführten, erklärte die Hamas Israel den Krieg. Die israelische Regierung betonte wiederholt, dass sie die Terrororganisation zerstören und alle Geiseln befreien wolle. Einen Krieg gegen die Zivilbevölkerung führe sie aber nicht. ja

Die schwedischen Linken-Politiker Hanna Gedin und Jonas Sjöstedt

Jerusalem

Israel verweigert zwei schwedischen EU-Abgeordneten die Einreise

Jonas Sjöstedt und Hanna Gedin von der schwedischen Linkspartei wollen in der vergangenen Nacht anreisen, um die Palästinensische Autonomiebehörde zu besuchen

 24.08.2026

Hand zeigt ein Smartphone mit dem ChatGPT Logo vor rotem Hintergrund

Künstliche Intelligenz

Sam Altmans ChatGPT zeigt ab heute Werbung

Einige User werden von nun an Werbung sehen. Wie werden gesuchte Antworten von Anzeigen getrennt?

 24.08.2026

MIttlerer Osten

Iran warnt USA vor Wirtschaftskrieg - und droht Golfstaaten

Im Iran-Krieg wird aktuell nicht gekämpft. Washington will Teheran wirtschaftlich in die Knie zwingen. Der Iran gibt sich selbstbewusst - und droht den USA und ihren Verbündeten mit Konsequenzen

 24.08.2026

Teheran

Erneut Hinrichtung nach Massenprotesten im Iran

Die iranische Führung schlug die Proteste im Januar brutal nieder. Seitdem werden immer wieder Menschen exekutiert. Die Hinrichtungen sind auf einem Rekordniveau

 23.08.2026

Sachsen-Anhalt

Magdeburger CDU-Abgeordneter offen für Gespräche mit Linken

Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt drohen komplizierte Mehrheiten: Dabei wird auch immer wieder eine Zusammenarbeit von CDU und Linken gegen die AfD diskutiert

 23.08.2026

Landtagswahlen

Umfrage: Jeder Zweite hält die AfD für rechtsextrem

Brandmauer? Parteiverbot? Über den richtigen Umgang mit der AfD sind sich die Menschen uneins. Das Insa-Institut hat gefragt, was sie über die Partei denken

 23.08.2026

Debatte

Schramm unterstützt Knobloch in AfD-NSDAP-Vergleich

Der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen warnt vor einer Normalisierung rechtsextremer Positionen. Der wachsende zeitliche Abstand zur NS-Zeit dürfe nicht dazu führen, dass die Lehren aus der Geschichte verblassen, betont er

 23.08.2026

Berlin

Antisemitismusbeauftragter befürwortet schärferes Strafrecht

Felix Klein fordert unter anderem härtere Strafen für die Unterstützung der Hamas auf Demonstrationen. Und auch an den Schulen müsse sich etwas ändern

 23.08.2026

Deutschland

Weil er sich israelsolidarisch äußerte: Mann wird mit Cuttermesser an Berliner U-Bahnhof angegriffen

Die Hintergründe

 22.08.2026