TV-Doku

»Judenhass gehört zu Europas DNA«

Henryk M. Broder Foto: Marco Limberg

Herr Broder, Sie sind für Ihren neuen Film »Der ewige Antisemit« 5000 Kilometer durch Europa gefahren, um eine Bestandsaufnahme des heutigen jüdischen Lebens zu machen. Mit welchen Eindrücken sind Sie zurückgekehrt?
Es war keine Bestandsaufnahme des jüdischen Lebens. Dafür wären auch 50.000 Kilometer nicht genug gewesen. Wir haben Momentaufnahmen gesammelt. Eine davon war die jüdische Gemeinde in Malmö, Schweden. Da haben wir uns sehr gewundert, dass die Juden noch nicht ausgewandert sind. Sie leben in einem Ghetto und wollen nicht weg.

In Malmö kursiert unter Juden der sarkastische Witz, dass Schweden der einzige arabische Staat sei, der Israel noch nicht angegriffen habe. Ist der Antisemitismus in der Stadt so schlimm wie oft beschrieben?
Er ist schlimmer. Allerdings haben wir diesen Witz in Malmö nicht gehört. Es kann sein, dass den Juden inzwischen die Lust am Witzemachen vergangen ist.

Was bedeutet die Zuwanderung aus muslimisch geprägten Ländern für die jüdische Kultur in Europa?
Für die »jüdische Kultur« ist das prima. Überall fiedeln Klezmer-Kapellen, und es gibt Juden zum Anfassen. Für die jüdische Existenz aber ist es eine Bedrohung. Doch so genau wollen es die Juden nicht wissen. Sie fürchten sich lieber vor den Rechtspopulisten.

Beides ist doch Grund zur Sorge: AfD-Politiker, die auf die »Leistung« deutscher Soldaten im Zweiten Weltkrieg stolz sind, ebenso wie antisemitische Muslime.
Aber wann hat zuletzt jemand von der AfD zum Kampf gegen Israel aufgerufen? Oder einen BDS-Aufruf unterschrieben?

Wir werden uns in diesem Punkt nicht einigen. Zurück zur Doku: Regie hat bei Ihrem Film Joachim Schroeder geführt, dessen Reportage über Israel Arte und WDR wegen angeblicher Einseitigkeit jüngst nicht senden wollten. Ist das der Grund, weshalb die Sendung im BR und nicht auf Arte läuft?
Bei Arte würde ich nicht mal meine alten Teebeutel entsorgen. Der Bayerische Rundfunk (BR) ist eine andere Nummer. Die haben uns machen lassen.

Ein Ziel der Reise war es laut BR, eine Antwort auf die Frage nach dem Ursprung des Antisemitismus zu erhalten ...
Hat das der BR wirklich so gesagt?

Ja.
Die knappste Antwort auf diese Frage wäre mindestens 1000 Seiten lang. Unser Film hat nur 90 Minuten. Ich kann es aber in einem Satz sagen. Der Antisemitismus und der Antizionismus ist Teil der europäischen DNA. Es gab ihn immer, es gibt ihn immer noch und es wird ihn weiter geben. Er wechselt nur sein Kostüm.

Sie haben vor einigen Jahrzehnten Alija gemacht, weil Sie den Antisemitismus nicht mehr ertragen haben. Würden Sie sich heute noch einmal so entscheiden?
Ich habe keine Alija gemacht, und es war nicht vor Jahrzehnten. Ich habe nur meinen Lebensmittelpunkt nach Jerusalem verlegt. Und der Grund war nicht »der« Antisemitismus, sondern der spezielle Antisemitismus meiner linken Freunde aus taz, Emma und Konkret. Heute bin ich kurz davor, meinen Lebensmittelpunkt nach Reykjavik zu verlegen. Aber nicht wegen der Antisemiten. In Reykjavik scheint die Sonne öfter als in Berlin.

Mit dem Publizisten und Buchautor sprach Philipp Peyman Engel.

»Der ewige Antisemit« läuft am Mittwochabend um 22.45 Uhr im Bayerischen Rundfunk und ist ab Donnerstag in der BR-Mediathek abrufbar.

7. Oktober

Berlinerin (27) wegen Hamas-Propaganda verurteilt

Die Verurteilte hatte nach den Massakern ein Foto von einem toten israelischen Soldaten geteilt

 21.06.2024

Paris/Berlin

Beate Klarsfeld will unter Umständen für Le Pen stimmen

In der ersten Runde wählt sie Emmanuel Macron

 21.06.2024

Offener Brief

Anti-israelisches »Protestcamp«: Jüdische Gemeinde Düsseldorf schlägt Alarm

Auf dem Gelände der HHU wird der palästinensische Terror verherrlicht

 21.06.2024 Aktualisiert

Halle

Nazi-Parolen verwendet: Zweiter Prozess gegen Höcke beginnt

Diesmal könnte die Strafe höher ausfallen als beim letzten Mal

von Oliver Gierens  21.06.2024

Jahrestag

»Sich fügen heißt lügen«

Vor 90 Jahren wurde der Dichter und Anarchist Erich Mühsam ermordet

von Yvonne Jennerjahn  21.06.2024

Berlin

Freie Universität will anti-israelisches Protestcamp tolerieren

Die aktuelle Dauer-Demo der Terrorunterstützer soll bis Donnerstag andauern

 21.06.2024

Jerusalem

Yad Vashem bald auch in Deutschland?

Die Gedenkstätte plant ein neues Bildungszentrum in der Bundesrepublik

 21.06.2024

Schweiz

Kunsthaus Zürich nimmt umstrittene Werke von den Wänden

Es geht um Bilder aus dem Besitz jüdischer Sammler

 21.06.2024

Brandenburg

AfD boykottiert Vereidigung von Beauftragtem gegen Antisemitismus

Fast alle AfD-Abgeordneten verließen den Plenarsaal

 20.06.2024