Rom

Italien zieht Marinebegleitung für Gaza-Flottille zurück

Die italienische Fregatte »Alpino« Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

Die Regierung in Rom hat am Dienstagabend klargestellt, dass die Marinefregatte »Alpino« die internationale »Global Sumud Flotilla« nur noch bis zu einer Distanz von 150 Seemeilen vor die Küste Gazas und Israels begleiten wird. Danach sei Schluss, teilte das Verteidigungsministerium mit. Die Aktivisten kündigten umgehend an, ihre Fahrt fortzusetzen – ungeachtet aller Warnungen.

Der Konvoi umfasst 47 Boote, auf denen sich Abgeordnete, Juristen, Aktivisten und auch die frühere Klima-Ikone Greta Thunberg eingeschifft haben. Den Teilnehmern geht es angeblich um Hilfsgüter, von denen Israel über zwei Millionen Tonnen bereitgestellt hat, seitdem die Hamas den aktuellen Krieg vor zwei Jahren begann.

Auch stellt die Flottille einen weiteren Versuch dar, die israelische Blockade des Gazastreifens zu durchbrechen. Diese wurde eingerichtet, um den Waffenschmuggel für palästinensische Terrororganisationen zu unterbinden. Ägypten richtete aus demselben Grund eine Seeblockade Gazas ein. Diese wird von den Flottillen-Teilnehmern aber nicht thematisiert.

Rom warnt, Aktivisten trotzen

Das Verteidigungsministerium in Rom erklärte, die Entscheidung sei den Organisatoren mehrfach mitgeteilt worden. Die »Alpino« werde den Aktivisten zwei letzte Warnungen aussprechen, bevor sie den Verband verlasse. Ziel sei es, eine diplomatische Eskalation mit Israel zu vermeiden.

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Flottillensprecherin Maria Elena Delia beklagte, dass Italien damit vor dem entscheidenden Moment die Segel streiche. Von einem Kurswechsel will sie jedoch nichts wissen: »Wir lassen uns nicht stoppen«, erklärte sie. Auch ein Kompromissvorschlag – die Hilfsgüter stattdessen nach Zypern zu bringen – wurde von den Aktivisten wiederholt abgelehnt.

Italien und Spanien hatten vergangene Woche Marineeinheiten entsandt, nachdem die Flottillen-Boote in internationalen Gewässern nahe Griechenland angeblich von Drohnen attackiert worden waren. Diese hätten Blend- und Reizstoffe abgeworfen, hieß es von Teilnehmern. Schon zuvor waren entsprechende Vorwürfe erhoben worden. Tunesien hatte einem davon widersprochen.

Recht zur Blockade

Delia erklärte am Dienstag in einem Instagram-Video, man rechne in den nächsten Stunden mit einem erneuten Angriff: »Alle Zeichen deuten darauf hin, dass Israel uns heute Nacht attackieren wird.« Jerusalem äußerte sich nicht zu den Vorwürfen, hatte aber bereits zuvor betont, den Konvoi notfalls mit allen Mitteln aufhalten zu wollen.

Israel verweist auf das Recht zur Blockade, solange die Hamas den Gazastreifen kontrolliert. Verteidigungsminister Guido Crosetto in Rom erklärte unterdessen, er gehe davon aus, dass die Schiffe in internationalen Gewässern gestoppt und die Teilnehmer festgenommen werden würden. Er appellierte ein letztes Mal an die Aktivisten, Vernunft walten zu lassen und den Weg über Zypern zu wählen.

Doch die Flottille zeigt sich unbeeindruckt – wohl auch, weil der symbolische Wert der Konfrontation größer erscheint als der tatsächliche Nutzen für die Menschen in Gaza. im

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