USA

Israelfeindliche Gruppen an Unis werden immer radikaler

Vor der Columbia University in New York steht ein vermummter Terror-Fan einem Polizeibeamten gegenüber. Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

In den Vereinigten Staaten blicken Experten mit Sorge auf die zunehmende Radikalisierung der Israelhasser, die auf dem Campus demonstrieren oder Universitätsgebäude besetzen. Das Phänomen ist längst nach Europa übergeschwappt. Seit dem 7. Oktober 2023 wird die Situation immer schlimmer.

Die »Times of Israel« (»ToI«) zitierten Brian Cohen, den Direktor des Kraft Center for Jewish Student Life an der Columbia University. Er sieht Gefahr in Pro-Terror-Posts in sozialen Medien und kritisiert, die Verwaltungen der Universitäten verstünden weder deren Bedeutung noch die von ihnen ausgehende Gefahr.

»Ich persönlich fürchte um die Sicherheit der Gemeinschaft aller an der Universität«, sagte Cohen dem Blatt zufolge. »Ich kann mir vorstellen, dass ein Student wegen entsprechenden Posts zu einer Gewalttat inspiriert werden könnte.«

»Bewaffneter Widerstand«

Immer mehr israelfeindliche Gruppen und Organisationen schließen sich der Zeitung zufolge in der Columbia University Apartheid Divest (CUAD) zusammen, einer Koalition, die immer radikalere Statements von sich gibt – für den Terror gegen den einzigen jüdischen Staat.

»Wir unterstützen die Befreiung mit allen notwendigen Mitteln, einschließlich des bewaffneten Widerstands«, heißt es in einer der jüngsten CUAD-Erklärungen. »Im Angesicht der Gewalt des Unterdrückers, der über die tödlichsten militärischen Kräfte der Welt verfügt, ist Gewalt der einzige Weg, wenn alle friedlichen Mittel ausgeschöpft sind.«

Tatsächlich sind es das iranische Regime und dessen Stellvertreter Hamas und Hisbollah, die Israel immer wieder in Kriege hineinziehen, die der jüdische Staat nicht will. Die Hamas unterdrückt zudem ihre eigene Bevölkerung und verweist zugleich auf Israel als Wurzel allen Übels, die es zu vernichten gelte.

Ungenügende Ahndung

Aufrufe zu Gewalt bei israelfeindlichen Demonstrationen und Kundgebungen, die auch nach amerikanischem Recht illegal sind, werden nach Angaben von Unterstützern der Demokratie und Israels an betroffenen Unis nicht oder nur ungenügend geahndet.

Zu den Mitgliedern von CUAD zählen israelfeindliche NGOs wie »Jewish Voice for Peace« oder »Justice in Palestine«, aber auch Gruppen wie »Columbia Queer and Asian« und »Global Learning Exchange«, die sich bisher nicht vorrangig mit dem Nahen Osten beschäftigt hatten.

Viele CUAD-Mitglieder nahmen dem »ToI«-Artikel zufolge an Trainings und einer Online-Konferenz mit dem Titel »Resistance101« teil, die von der in Deutschland verbotenen und in den USA, Canada und Israel als Terrororganisation eingestuften Gruppe »Samidoun« organisiert wurden.

»Nicht falsch«

»Samidoun« ist Teil der palästinensischen Terrororganisation PFLP. Anführer Khaled Barakat, der vor einigen Jahren wegen seiner Aktivitäten aus Deutschland ausgewiesen wurde, ist nach israelischen Erkenntnissen zugleich ein hochrangiger PFLP-Mann.

Auf der Konferenz wurde Teilnehmern mitgeteilt, es sei »nicht falsch«, Mitglied der Hamas, ein Hamas-Kommandeur oder Hamas-»Kämpfer« zu sein. Hier reagierte die Columbia University, indem sie vier an der Veranstaltung beteiligte Studenten hinauswarf. Dieser Schritt hat den Israelhass und Antisemitismus auf dem Campus jedoch nicht gebremst.

Unklar ist, wann oder ob die Columbia University und andere Hochschulen in Amerika effektiv gegen die Terrorverherrlicher unter ihren Studenten vorzugehen gedenken. Offiziell erklärte die Uni nur, Aufrufe zu Gewalt hätten an der Bildungseinrichtung »keinen Platz«.

Gewalt und Einschüchterung

Dies beruhigt jüdische Studenten wenig. Aufgrund erfolgter Aufrufe zum Mord an »Zionisten« haben sie Angst. Sie werfen der Uni-Verwaltung vor, ihrer Verantwortung nicht nachzukommen und berichten von einer feindlichen Atmosphäre.

Die amerikanische Regierung ist ebenfalls besorgt. Ob ein kürzlich von der Behörde für Heimatschutz veröffentlichtes »Faktenblatt« über Sicherheit auf dem Campus die Situation entschärfen wird, ist mehr als fraglich.

Selbiges gilt für ein weiteres Infoblatt derselben Stelle, auf dem Studenten gebeten werden, von Gewalt, Einschüchterung und Belästigung doch bitte Abstand zu nehmen.

Essay

Fallstricke des Wokeismus

Gegenerzählungen zur westlichen Kolonialgeschichte bilden ein berechtigtes Korrektiv, aber was über Israel verbreitet wird, bedarf grundlegender Korrekturen

von Richard Blättel  22.06.2026

Kanada

Zwei Tote bei Anschlag im jüdischem Viertel von Montreal

Bei einem der Opfer soll es sich laut Medienberichten um Michael Moshe Mizrahi handeln, ein Mitglied der örtlichen jüdischen Gemeinde

 22.06.2026 Aktualisiert

Meinung

Wenn niemand sonst zu Israel steht

Unser Autor ist Schüler auf einem Gymnasium nahe Köln. Mit Entsetzen musste er feststellen, dass Antisemitismus und Israelhass in seiner Klasse weit verbreitet sind. Nun fragt er sich: Wie kann das sein?

von Jan Tersteegen  22.06.2026

Verhandlungen

USA lockern Sanktionen auf iranisches Öl

Nach »produktiven« Gesprächen mit dem Iran setzen die USA Teile ihrer Sanktionen gegen den Iran vorübergehend aus. Die Maßnahme könnte dem Iran Milliarden einbringen und die Energiemärkte beruhigen

 22.06.2026

Trauer

Orakel und Maestro

Über 18 Jahre lang herrschte Alan Greenspan als Zentralbankchef über die Zinspolitik der weltgrößten Wirtschaftsmacht. Mit 100 Jahren ist er nun gestorben

von Anna Ringle, Thomas Kaufner  22.06.2026

Debatte

Jüdischer Verein verlangt Schutz für das Tragen religiöser Symbole

Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen: Bei einem Prozess wegen Volksverhetzung in Flensburg musste eine Zuschauerin ihre Davidsternkette ablegen. Der Verein Jüdischer Hochschullehrender fordert nun Maßnahmen von der Justiz

 22.06.2026

Berlin

Mann mit Kippa beleidigt und bespuckt

Laut eines Medienberichts kam es am Samstag in Berlin-Charlottenburg zu einem antisemitischen Vorfall

 22.06.2026 Aktualisiert

Essay

Das Kopftuch, der Zwang und die Freiheit

Die radikalen Kräfte in der muslimischen Community bestimmen zunehmend den Kurs. Wenn dies ohne Gegenwehr von den moderaten Kräften hingenommen wird, ist irgendwann der Kipppunkt erreicht

von Daniel Neumann  22.06.2026

Berlin

Nova-Ausstellung: Interne Unterlagen zeigen Streit um Fördergeld

Die Finanzierung des Projekts war bis zuletzt umstritten. Eine angekündigte Kürzung der Landesförderung in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro wurde zurückgenommen

 22.06.2026