Berlin

Israel-Vorstoß: Wadephul und Dobrindt widersprechen von der Leyen

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) und Alexander Dobrindt (CSU), sein Kollege vom Innen-Ressort Foto: picture alliance / dts-Agentur

Außenminister Johann Wadephul reagiert verhalten auf die Ankündigung einer Aussetzung von Unterstützungszahlungen für Israel durch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. »Wir haben die Rede der Kommissionspräsidentin zur Kenntnis genommen«, sagte der CDU-Politiker bei einem Treffen mit seinem niederländischen Amtskollegen David van Weel in Berlin. Von der Leyen habe klar gemacht, dass sie zu den Details ihrer Vorschläge den Dialog mit den Mitgliedsstaaten suchen werde. »Darauf warten wir«, fügte Wadephul hinzu.

Es sei das gemeinsame Verständnis mit der EU-Kommission, »dass die israelische Kriegsführung in Gaza nicht hinnehmbar ist und dass auch Annexionsdrohungen nicht die Antwort bleiben können«, sagte Wadephul. Von der Leyen hatte im Europaparlament in Straßburg erklärt, die EU werde wegen des israelischen Vorgehens im Gazastreifen alle entsprechenden Zahlungen stoppen. Israel kritisierte, der Entschluss der EU-Kommission basiere teils auf der Propaganda der Hamas.

In Gaza geht Israel gegen die Terrororganisation Hamas vor, die weitere Massaker im Stil des Angriffs vom 7. Oktober 2023 bereits angekündigt hat und weiterhin 48 Geiseln in ihrer Gewalt hat. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu betonte wiederholt, die israelische Armee gehe gegen die Hamas vor, nicht gegen die Zivilbevölkerung. Die Streitkräfte (IDF) haben im Verlauf des Krieges humanitäre Zonen und Fluchtrouten eingerichtet und Bewohner vor bevorstehenden Luftangriffen gewarnt.

»Mit äußerster Skepsis«

Wadephul unterstrich die Kritik am israelischen Angriff auf die Hamas-Führung im Golf-Emirat Katar. Der Angriff sei nicht akzeptabel, er habe die territoriale Souveränität Katars verletzt »und gefährdet unser aller Bemühungen um die Freilassung der Geiseln«. Deutschland würdige ausdrücklich die entscheidende Rolle Katars bei den Bemühungen um einen Waffenstillstand und um die Freilassung der Geiseln im Gazastreifen. »Deswegen rufe ich jetzt dringend dazu auf, alles dafür zu tun, dass es endlich zu einem Waffenstillstand kommt und die Geiseln zu ihren Familien zurückkehren können.«

Lesen Sie auch

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) reagierte ebenfalls auf den von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen angekündigten Stopp von Zahlungen an Israel. »Ich sehe das mit äußerster Skepsis, was hier offensichtlich in Brüssel entschieden worden ist«, antwortete er auf die Frage eines Journalisten. »Aus meiner Sicht gibt es keinen ausreichenden Grund, gegenüber Israel hier Gelder einzufrieren oder über die Aussetzung des Assoziierungsabkommens zu beraten«, fügte er hinzu.

Für ihn sei immer klar: Deutschland sei »eindeutig Partei aufseiten Israels, wir sind nicht Vermittler«, betonte der Innenminister. Das bedeute nicht, dass man nicht auch kritisch mit seinem Partner umgehen könne. Die jüngsten Entscheidungen aus Brüssel seien aus seiner Sicht aber nicht angebracht.

Sanktionen gegen Minister

Von der Leyen hatte angekündigt, alle Zahlungen der EU-Kommission an das Land auszusetzen. Es solle allerdings keine Auswirkungen für die Arbeit mit der israelischen Zivilgesellschaft oder der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem geben. Zudem kündigte sie an, den EU-Staaten Vorschläge für Sanktionen gegen extremistische Minister und gegen gewalttätige Siedler zu unterbreiten. Auch wolle man den Mitgliedstaaten empfehlen, in einem Partnerschaftsabkommen enthaltene Handelsvereinbarungen auszusetzen.

Der stellvertretende Sprecher der Bundesregierung, Sebastian Hille, sagte: »Ich möchte nur darauf hinweisen, dass es für diese vorgeschlagenen Maßnahmen bisher im Europäischen Rat bisher keine Mehrheit gab.« Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts ergänzte, die Bundesregierung werde sich zu diesen Fragen aktuell nicht öffentlich äußern, sondern zunächst mit der Kommissionspräsidentin und im Rahmen der EU dazu Gespräche führen.

Die Bundesregierung verurteile jedoch den israelischen Angriff in Katar, sagte Hille und verwies auf entsprechende Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Außenminister Johann Wadephul (CDU). dpa/ja

Medien

KI-Verstoß: »Tagesspiegel« nimmt Casdorff-Texte offline

Stephan-Andreas Casdorff verfasste auch für die Jüdische Allgemeine Kommentare. Die Redaktion prüft, ob auch diese Texte von einer KI statt von Casdorff selbst verfasst wurden

 12.06.2026

Berlin

»Ich bin stolz! Sehr stolz«

Dieter Nuhr ist mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden geehrt worden. Wir dokumentieren hier exklusiv seine Rede im Wortlaut

von Dieter Nuhr  12.06.2026 Aktualisiert

Debatte

Soll die Bevölkerung in der Schweiz auf 10 Millionen begrenzt werden?

Ein Pro & Contra

von Jessie Katz, Zsolt Balkanyi-Guery  12.06.2026

Berlin

Bundesrat für Verbot von Handel mit Dokumenten von NS-Opfern

»Wir dulden es nicht länger, dass aus dem Leid der NS-Opfer Profit geschlagen wird«, sagt NRW-Justizminister Benjamin Limbach (Grüne)

 12.06.2026

Ankara

Erdoğan vergleicht Netanjahu erneut mit Hitler

»Wer Hitlers Weg folgt, sollte nicht vergessen, dass sein Schicksal dem anderer Tyrannen in der Geschichte gleichen wird«, erklärt der türkische Präsident in Richtung des israelischen Regierungschefs

 12.06.2026

Debatte

Mario Voigt nutzte KI für Reden zum Holocaust-Gedenken

Ein Portal findet mit KI-Analyse-Werkzeugen Auffälligkeiten in Beiträgen von Thüringens Regierungschef. Wie viel KI darf in einer Rede zum Holocaust-Gedenktag stecken?

 12.06.2026

Berlin

Anne-Frank-Tag: Bildungsstätte sieht Antisemitismus-Flut im Internet

»Wir erleben aktuell, dass sowohl rechtsextreme als auch islamistische und linke Gruppen antisemitisch agieren, antisemitische Narrative aber zugleich in der Mitte der Gesellschaft fest verankert sind«, sagt Deborah Schnabel

 12.06.2026

Brüssel

Kallas vergleicht Israel mit Apartheids-Südafrika

Die EU-Außenbeauftragte wird für ihre Aussage von anderen EU-Diplomaten und -Beamten scharf kritisiert

 12.06.2026

Künstliche Intelligenz

Preiskrieg zwischen Giganten

Sam Altmans OpenAI will den aggressiv wachsende Rivalen Anthropic der Geschwister Daniela und Dario Amodei auf Distanz halten

 12.06.2026