GAZA

Israel lockert Blockade

Klare Regeln für die Einfuhr von Gütern in den Gazastreifen: Auch die Lieferung von Beton ist möglich. Foto: Flash 90

Es tut sich etwas. Israel lockert die Blockade des Gazastreifens. Das hat Tony Blair, der Sonderbeauftragte des »Nahostquartetts«, am Montag mitgeteilt. Etwa zur gleichen Zeit beschloss die Regierung in Jerusalem, den militärischen Zwischenfall, der sich vor drei Wochen auf dem Mittelmeer ereignet hat, von einer nationalen Kommission untersuchen zu lassen, zu der auch internationale Beobachter geladen werden.

lebensmittel Blair sagte nach einem Treffen mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu, Israel werde zwar »die Blockade für Waffen und Kampfmittel aufrechterhalten«. Dinge für das tägliche Leben aber gelangten in den Landstrich. Dafür würde die Liste erlaubter durch eine verbotener Güter ersetzt. Bislang scheiterte die Einfuhr einiger wichtiger Waren daran, dass sie nicht explizit erlaubt waren. »Wir können eine ordentliche Wirtschaft im Gazastreifen aufbauen statt der bisherigen Tunnelökonomie«, so Blair. Dass sich Blair und das aus USA, EU, Russland und der UN bestehende Nahostquartett um die Blockade kümmern, geht auf eine Initiative der Bundesregierung zurück. Bei einer Debatte des Bundestages hatte der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Werner Hoyer (FDP), angeregt, das Nahostquartett mit einer Vermittlung zu betrauen. Gleichzeitig hatte sich Hoyer in dieser Debatte, die auf Initiative der Linke-Fraktion zustande kam, für eine »fundamentale Änderung der israelischen Gaza-Politik« ausgesprochen.

verbrechen Vor dem Bundestag bezichtigten lediglich die Redner der Linkspartei Israel, »Kriegsverbrechen« verübt zu haben. Einige Linkspolitiker, darunter der Völkerrechtler Norman Paech, erstatteten bei der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe Strafanzeige wegen Freiheitsberaubung – »gegen Unbekannt«. Politisch gemeint ist Israels Verteidigungsminister Ehud Barak.

Die Auffassung, dass die Blockade des Gazastreifens, die mit dem Militäreinsatz durchgesetzt wurde, ein Fehler Israels sei, war vergangenen Donnerstag Konsens aller Parteien im Bundestag: Es müsse eine internationale Untersuchung des Vorfalls vor der Küste Gazas geben.

Die SPD-Politiker Christoph Strässer und Günter Gloser erklärten, die Blockade habe ihre Ziele nicht erreicht, und die Lage im Gazastreifen sei schlechter geworden. Ähnlich argumentierte Kerstin Müller (Grüne). Die Abriegelung sei inhuman und völkerrechtswidrig. Aber, so fügte Müller hinzu: »Ich lasse mich von der Hamas nicht instrumentalisieren.« Auch sie sei angefragt worden, mit dem deutschen Free-Gaza-Bündnis auf einem der Schiffe zu fahren. Doch sie habe sich erkundigt, wer noch mitführe – und dann abgesagt.

Maßgeblich beteiligt an der Organisation der »Hilfsflotte« war die türkische Organisation IHH, von deren Vorsitzendem Bülent Yilderim undementiert dieses Zitat kursiert: »Israel verhält sich, wie Hitler sich gegenüber den Juden verhalten hat. Hitler baute Konzentrationslager in Deutschland, und heute baut das zionistische Gebilde Konzentrationslager in Palästina.« Vom deutschen Bündnis ist zu hören, die IHH habe immerhin beim Wirt- schafts- und Sozialrat der UN einen beratenden Status als NGO. Und die Linke-Abgeordnete Groth, die vor Gaza dabei war, sagt, durch die Kritik an den IHH-Aktivisten würden »Opfer zu Tätern« gemacht.

Mitglieder Die Kommission, die Israel nun einrichtet, wird vom ehemaligen Richter des Obersten Gerichts, Jaakov Tirkel, geleitet. Weiter gehören ihr der Völkerrechtler Schabtai Rosen und der Reservegeneral Amos Chorev an. Als ausländi- sche Mitglieder sind der nordirische Friedensnobelpreisträger David Trimble und der kanadische Anwalt Ken Watkin dabei.

Steffen Krach, SPD-Spitzenkandidat bei der Abgeordnetenhauswahl 2026

Berlin

SPD-Vorstand beschließt Mitgliedervotum zu Koalitionsvertrag

Noch haben die Koalitionsverhandlungen in Berlin nicht begonnen. Klar ist aber schon, dass die Basis der drei potenziellen Regierungspartner eng eingebunden werden soll

 30.10.2026

Friedens-Mission

Woidke lobt Pferdetreck nach Jerusalem als Friedenszeichen

Sechs Monate und mehr als 3.500 Kilometer Reise durch acht Länder: Der Friedenstreck nach Jerusalem im vergangenen Jahr musste viele Hindernisse überwinden

 30.10.2026

Meinung

Elif Eralp und der »Spiegel«: Alles nur eine böse rechte Kampagne!

Die Spitzenkandidatin der Linken in Berlin offenbart aus Versehen ihre Angst vor dem Umfeld der eigenen Partei – und entlarvt den Vorwurf, Opfer einer Kampagne zu sein

von Wiebke Hollersen  30.10.2026

Iran-Krieg

Katarische Unterhändler in Teheran zu Gesprächen

Inmitten von Spannungen und Angriffen auf Schiffe in der Straße von Hormus mehren sich diese Woche diplomatische Besuche im Iran. Jetzt sind Vertreter aus Katar eingetroffen

 30.10.2026

Wahl in Israel

Josef Schuster: Regierungswechsel in Israel könnte förderlich sein

Äußerungen rechtsradikaler Minister in Israel sind nicht akzeptabel, sagt der Präsident des Zentralrats der Juden. Was ein möglicher Regierungswechsel im Land für die deutsch-israelischen Beziehungen bedeuten könnte

von Leticia Witte  30.10.2026

SPIEGEL-Affäre

Eralp zu Angst-Eingeständnis: Nehme Rat von Behörden ernst

Mit schriftlichen Anmerkungen zu einem Interview sorgt die Berliner Linken-Frontfrau für Aufsehen. Nun bezieht sie selbst Stellung - und führt ihr Handeln auf den Rat der Sicherheitsbehörden zurück

 30.10.2026

Berlin

Thorsten Frei fordert Abbruch der Koalitionsverhandlungen mit Linken

»Wer in den eigenen Reihen die Zusammenarbeit mit Hamas-Sympathisanten duldet, kann nicht glaubwürdig Verantwortung für die Sicherheit von Millionen Berlinern übernehmen«, so der Fraktionschef der Bundestagsunion

 30.10.2026

Debatte

Nach Eralp-Veröffentlichung: Jetzt meldet sich der »Spiegel« zu Wort

 30.10.2026

Rheinland-Pfalz

CDU, SPD und Grüne fordern Schulterschluss gegen Antisemitismus

Nachdem in einem Brief an die Jüdische Gemeinde Speyer gedroht wurde, die Synagoge in die Luft zu sprengen, wollten die Fraktionen ein Zeichen setzen

 30.10.2026