Nahost

Israel fordert Rücknahme von Guterres’ Erklärung

UNO-Generalsekretär António Guterres Foto: picture alliance / Pacific Press

Nach einer Erklärung von UN-Generalsekretär António Guterres zur jüngsten Anti-Terror-Operation im Westjordanland, ist erneut ein Streit zwischen der Weltorganisation und Israel entbrannt. Gilad Erdan, der israelische UN-Botschafter forderte nun, Guterres müsse seine Aussagen zurücknehmen.

Guterres hatte am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in New York erklärt, die Nachrichten aus Dschenin seien »verstörend«. Israel habe im Rahmen seiner Militäroperation »übermäßige Gewalt« angewandt. Der Generalsekretär verurteilte »alle Gewaltakte gegen Zivilisten«.

»Signifikante Folgen« »Israels Luftangriffe und die Operation am Boden, in einem überfüllten Flüchtlingslager, stellte die schlimmste Gewalt im Westjordanland seit vielen Jahren dar - mit signifikanten Folgen für Zivilisten«, so Guterres.

Der Generalsekretär der UN machte Israel außerdem für Unterbrechungen der Wasser- und Stromversorgung verantwortlich und warf dem Land vor, Bewohnern in Dschenin den Zugang zu medizinischer Versorgung zu verwehren.

»Ich fordere Israel erneut auf, seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen nachzukommen, einschließlich der Pflicht, Zurückhaltung zu üben und nur verhältnismäßige Gewalt anzuwenden«, erklärte Guterres. »Der Einsatz von Luftangriffen steht im Widerspruch zur Durchführung von Strafverfolgungseinsätzen.«

Auf seiner Pressekonferenz wurde Guterres gefragt, ob sich seine Verurteilung der Gewalt auf »beide Seiten« beziehe. Seine Antwort: »Das gilt für jede Anwendung übermäßiger Gewalt, und in dieser Situation wurde offensichtlich übermäßige Gewalt von den israelischen Streitkräften eingesetzt.«

»Berechtigte Bedenken« »Ich verstehe Israels berechtigte Bedenken hinsichtlich seiner Sicherheit, aber Eskalation ist nicht die Antwort«, fügte der UN-Generalsekretär hinzu. »Sie verstärkt lediglich die Radikalisierung und führt zu einem sich verschärfenden Kreislauf von Gewalt und Blutvergießen.«

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Israels UN-Botschafter Gilad Erdan bezeichnete Guterres’ Aussage als »beschämend und weit hergeholt«.

»Der UN-Generalsekretär übersieht immer wieder den brutalen palästinensischen Terror und versäumt es, die kaltblütige Ermordung unschuldiger Zivilisten zu verurteilen«, schrieb Erdan auf Twitter. »Wenn es jedoch um defensive Aktionen der IDF geht, die ausschließlich auf den Abbau der Terrorinfrastruktur abzielen, ist der Generalsekretär schnell dabei, Israel umfassend zu verurteilen - völlig losgelöst von der Wahrheit.«

Anstachelung zur Gewalt Erdan forderte den Generalsekretär auf, »seine Worte zurückzunehmen und den palästinensischen Terror gegen Zivilisten sowie die Verwendung anderer Palästinenser als menschliche Schutzschilde klar zu verurteilen, anstatt den demokratischen Staat Israel dafür anzuprangern, dass er sich gegen den Terror verteidigt.«

Auch das American Jewish Committee kritisierte Guterres’ Erklärung scharf: »Die Fakten sprechen für sich: Als Reaktion auf eine Welle von Terroranschlägen aus Dschenin und inmitten eines dicht besiedelten Gebiets hat Israel seine Mission erfolgreich abgeschlossen – Hunderte von Sprengkörpern beschlagnahmt, Waffenlabore geschlossen und zwölf Terroristen in Feuergefechten neutralisiert.«

Bei der Anti-Terror-Operation in Dschenin hatte die Armee zudem darauf geachtet, Zivilisten so gut es ging zu schützen. Den Vorwurf, sie von der Inanspruchnahme medizinischer Hilfe abzuhalten, hatten die Streitkräfte schon zuvor entschieden zurückgewiesen.

Zweites Gaza Dschenin hatte sich in letzter Zeit zu einem »zweiten Gaza« entwickelt, in dem Terrororganisationen den Ton angeben. Mehrere tödliche Terrorattacken waren in den vergangenen Wochen von dort ausgegangen.

Einseitig äußerte sich auch der österreichische Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte, Volker Türk. Er sagte, der Militäreinsatz in Dschenin werfe »ernste Fragen in Hinblick auf internationale Menschenrechtsnormen« auf.

Die vielfach als anti-israelisch kritisierte UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese kommentierte die Ereignisse im Westjordanland ebenfalls. Für die israelische Militäroperation gebe es keine juristische Rechtfertigung, erklärte sie - ohne den palästinensischen Terrorismus auch nur zu erwähnen - und warf Israel vor, in Dschenin Kriegsverbrechen begangen zu haben. António Guterres weigerte sich, auf Albaneses Vorwürfe einzugehen.


Debatte

Laschet wirft EU-Außenbeauftrager Kallas Antisemitismus vor

Die EU-Außenbeauftragte hatte Israel mit Apartheids-Südafrika verglichen. Jetzt fordert der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag ihren Rücktritt

 14.06.2026

Hessen

Lehrer nach Kritik an Krieg in Gaza suspendiert

Seine Instagram-Posts über den Gaza-Krieg wurden ihm zum Verhängnis: Bereits seit Ende 2025 ist ein hessischer Gymnasiallehrer mit einem Dienstverbot belegt. Gerichte müssen klären, ob die Suspendierung des Pädagogen verhältnismäßig war

 14.06.2026

Wahlen

Wie CDU und SPD Ministerpräsidenten-Ämter im Osten verteidigen wollen

Die AfD will in Ostdeutschland nach der Macht greifen. CDU und SPD zeigen, wie sie den Kampf in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern aufnehmen wollen - und setzen unterschiedliche Akzente

von Christopher Kissmann, Iris Leithold, Verena Schmitt-Roschmann, Basil Wegener  14.06.2026

Wirtschaft

Hacker greifen staatliche Banken in Iran an

Ein Hackerangriff hat mehrere staatliche Banken im Iran getroffen. Zeitweise waren Online‑Zahlungen im ganzen Land gestört – ein weiterer Schlag gegen Irans ohnehin fragile Infrastruktur

 14.06.2026

Iran

Getöteter Ayatollah Chamenei soll am 9. Juli beerdigt werden

Die Beisetzung von Ajatollah Chamenei findet im Trauermonat Muharram statt – Millionen Menschen sollen Abschied nehmen. Unklar ist, ob sein Sohn und Nachfolger Modschtaba teilnimmt

 14.06.2026

Krieg

Wird noch heute ein Iran-Abkommen unterzeichnet?

Laut US-Präsident Trump und dem Vermittler Pakistan soll bereits heute eine erste Übereinkunft zur Beendigung des Iran-Kriegs unterzeichnet werden. Wird es tatsächlich dazu kommen?

 14.06.2026

USA

Trump wird 80: Verpufft seine Macht?

Seine Amtszeit ist geprägt von einem medialen Dauerfeuer: Überall Trump, Trump, Trump. Doch vor seinem 80. Geburtstag ist der Präsident eher zurückhaltend. Er hat inzwischen nicht nur ein Problem

von Anna Ringle  14.06.2026 Aktualisiert

Medien

KI-Verstoß: »Tagesspiegel« nimmt Casdorff-Texte offline

Stephan-Andreas Casdorff verfasste auch für die Jüdische Allgemeine Kommentare. Die Redaktion prüft, ob auch diese Texte von einer KI statt von Casdorff selbst verfasst wurden

 12.06.2026

Berlin

»Ich bin stolz! Sehr stolz«

Dieter Nuhr ist mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden geehrt worden. Wir dokumentieren hier exklusiv seine Rede im Wortlaut

von Dieter Nuhr  12.06.2026 Aktualisiert