Meinung

Israel: Banker und Mindestlöhne

Sabine Brandes Foto: Marco Limberg

Es hört sich gut an. Die Knesset hat ein Gesetz erlassen, das die Gehälter der Topmanager im israelischen Finanzbereich begrenzen soll. Keine Multi-Millionen-Gelder mehr für die Nadelstreifenträger, die sich in den Chefetagen von Bank Leumi, Discount, Hapoalim und Co. sowie den verglasten Versicherungstürmen im Zentrum tummeln.

Viele Israelis werden bei der Nachricht »Richtig so!« gerufen haben. Tatsächlich ist das Gesetz ein guter Anfang. Schließlich sind Banken und Versicherungen keine gänzlich privaten Unternehmungen. Sie werden vom Staat überwacht und manchmal auch gestützt. Daher sollten die Angestellten nicht das Recht haben, Gehälter einzufordern wie Manager in der freien Wirtschaft.

handvoll Es ist also korrekt, den Einkommen in diesem Sektor einen Deckel aufzusetzen. Eine wirkliche Reform aber bringt das Gesetz nicht. Denn so lobenswert die Initiative des Finanzministers Mosche Kachlon auch ist, sie scheint halbherzig. Israel ist ein kleines Land mit einer extrem begrenzten Anzahl von Finanzinstitutionen. In denen sitzt kaum mehr als eine Handvoll Chefs, die Gelder in siebenstelligen Summen erhalten. Wirklich viel kommt da nicht zusammen.

Auch wenn er sich gern so sieht, die Gesetzesänderung macht Kachlon nicht zum israelischen Robin Hood. Um sich die grüne Mütze der Hoffnung aufsetzen zu dürfen, hätte er auch den zweiten Teil der Mission erfüllen müssen: »Von den Reichen nehmen und den Armen geben.« Dazu gehört mehr, als die Gehälter von einigen wenigen zu beschränken. Das Gesetz auf andere Bereiche auszuweiten, würde guttun. Allerdings sei das nicht geplant, ließ Regierungschef Benjamin Netanjahu bereits wissen.

Normalgehälter In Israel, wo 21 Prozent der Bürger unterhalb der Armutsgrenze leben, wäre eine Anhebung der Mindestgehälter wünschenswert gewesen. Oder zumindest die Aushebelung der horrenden Bankgebühren, die Kontoinhaber für jede noch so geringe Transaktion bezahlen müssen. Denn mit den Millionen und Abermillionen von kleinen Zahlungen der Leute mit ganz normalem Einkommen werden die überzogenen Gehälter der Chefs schließlich finanziert.

Das neue Gesetz ist sicher ein Zeichen von psychologischer Bedeutung für die Israelis. Es signalisiert, dass die Regierung nicht immer nur auf die Reichen und Einflussreichen hört. Viel mehr ist es aber leider nicht.

Debatte

Berliner CDU bietet Sondierungen an: Grüne und SPD lehnen ab

Die Hintergründe

 03.11.2026

München

20 Jahre Ohel-Jakob-Synagoge: Merz, Aigner und Söder beim Festakt

Am 9. November 2006 wurde die Synagoge Ohel Jakob eröffnet - als Zeichen für die Rückkehr jüdischen Lebens ins Herz Münchens. Den 20. Jahrestag feiert die Kultusgemeinde mit einem Festakt. Erwartet werden prominente Gäste, etwa Bundeskanzler Merz

 03.11.2026

Nahost

Trump will Milliardenhilfen an Israel einstellen

Seit Jahren unterstützen die USA Israel mit Milliarden an Dollar Militärhilfe. Das soll sich nach Worten von US-Präsident Trump ändern. Die Idee soll dabei nicht von ihm gekommen sein

 03.11.2026

Sachsen

Chemnitz und Zwickau gedenken der Opfer des NSU

Der »Nationalsozialistische Untergrund« ermordete zehn Menschen aus rassistischen und rechtsextremistischen Motiven. Die Terrorzelle lebte in Chemnitz und Zwickau im Untergrund. 2011 flog sie auf

 03.11.2026

Frankfurt

Jüdische Akademie soll »Haus der Zukunft« sein

In der ersten Diskussionsrunde der neuen Jüdischen Akademie in Frankfurt stieß ein Wunsch angesichts von Antisemitismus und innerjüdischer Differenzen auf große Zustimmung: Die Akademie soll ein »Haus der Zukunft« sein

 03.11.2026

Meinung

Junge Jüdinnen und Juden stehen vor einem Dilemma

Wir sind genauso von den steigenden Preisen, der Wehrplichtdebatte und der Klimakrise betroffen, wie die Demonstranten vom Wochenende. Aber wir können und werden uns nicht mit Leuten gemein machen, die den Hass auf uns und auf Israel schüren

von Tim Kurockin  03.11.2026

Serbien

Botschafts-Attentäter plante auch Anschlag auf Jüdisches Museum in München

Dario N. wurde Ende Oktober bei einem Angriff auf die israelische Botschaft in Belgrad erschossen. Nur drei Monate zuvor war er aus Deutschland abgeschoben worden

 03.11.2026

Iran

Mullah-Regime richtet zwei Demonstranten hin

Die Männer hatten Anfang des Jahres an den blutig niedergeschlagenen Protesten teilgenommen

 03.11.2026

Midterm-Wahlen

Wird US-Präsident Trump zur lahmen Ente?

Für Donald Trump wird es eine Schicksalswahl: Heute wählt Amerika einen neuen Kongress. Sollten die Demokraten gewinnen, könnte Trump nur noch per Dekret regieren

 03.11.2026