DOKUMENT

In unserem Interesse

Der Zentralrat der Juden in Deutschland
Die Jüdische Gemeinde zu Berlin wird führend mitwirken

Am 19. Juli fand in Frankfurt a. M. die konstituierende Sitzung der Gesamtorganisation der Juden in Deutschland statt. Die neue Organisation trägt den Namen »Zentralrat der Juden in Deutschland«. Während fast alle anderen Organisationen und Religionsgemeinschaften sich schon vor längerer Zeit zu derartigen Dachorganisationen zusammengeschlossen hatten, erscheint es uns bedauerlich, dass der kleine Teil der überlebenden Juden in Deutschland erst jetzt zu einem solchen Zusammenschluss kommt, dass erst die allgemeine politische Situation zu dein Entschluss gedrängt hat. Niemand von uns sollte darüber hinwegsehen, dass wir im Augenblick vor einer der kritischsten Situationen seit 1939 stehen und dass gerade wir, die unter den Geschehnissen des letzten Krieges am meisten zu leiden hatten, ganz besonders den Wunsch nach einer Klärung der allgemeinen Situation haben.

Aber selbst ohne die letzten Geschehnisse in der Weltpolitik war die Schaffung einer Gesamtorganisation Selbstverständlichkeit geworden, denn die Probleme, die heute zur Diskussion im allgemein-jüdischen Interesse stehen, sind von zu großer Bedeutung, als dass sich jeder Landesverband oder jede Gemeinde zum Sprecher der Juden in Deutschland macht. In allen grundsätzlichen Fragen darf es daher nur eine Ansicht geben, und das ist die gemeinsame Ansicht der Juden in Deutschland. Das besagt keineswegs, dass die Selbständigkeit der einzelnen Landesverbände oder Gemeinden in irgendeiner Weise eingeschränkt wird. Nach wie vor müssen diese Organisationen im Interesse ihrer Mitglieder alles Erdenkliche auf lokaler Basis zu erreichen versuchen. Abgesehen jedoch von diesen lokalen Belangen darf heute keine Einzelpersönlichkeit von sich aus grundsätzliche Erklärungen zur Situation der Juden in Deutschland abgeben.

Die jüngste Vergangenheit hat gezeigt, dass uns solche Erklärungen vielfach geschadet haben. Der Zentralrat der Juden in Deutschland wird in Zukunft darauf achten, dass im Interesse unserer jüdischen Gemeinschaft keine VVVVV mehr ausgeführt wird.

Es war für uns eine Selbstverständlichkeit, dass in dieser Gesamtorganisation die Juden alle Gemeinden vertreten sein müssen. Es gibt für uns weder eine östliche noch eine westliche Organisation. Ob wir in Berlin, Leip­zig oder Frankfurt leben – für uns iist das allgemein-jüdische Interesse ausschlaggebend. Die Jüdische Gemeinde zu Berlin hat seit Jahren das Fehlen einer derartigen Organisation empfunden und war deshalb an ihrem Zu­standekommen äußerst interessiert. Abge­schnitten sogar von den jüdischen Menschen der übrigen Zonen in Deutschland, fehlte es uns auch an notwendigem Kontakt mit unse­ren Brüdern und Schwestern aus dem Aus­land. In diesem Zusammenhang möchten wir feststellen, dass wir im Gegensatz zu der hier vor kurzem geäußerten Meinung erwarten müssen, dass jüdische Menschen, wenn sie sich zu einem Besuch in Deutschland aufhalten, sich an uns wenden sollten und nicht erwarten können, dass wir die Verbindung mit ihnen aufnehmen.

Viele Probleme wird der Zentralrat der Ju­den in Deutschland zu Beginn seiner Arbeit zu lösen haben. Alle Fragen, sei es die Versorgung unserer eigenen Kranken, sei es die Erziehung unserer Jugend, seien es religiöse und kulturelle Probleme oder Fragen der po­litischen und wirtschaftlichen Sicherheit un­serer Menschen können nur gelöst werden durch das Zusammenwirken aller Verantwortlichen.; Es ist heute unmöglich, dass eine einzelne Gemeinde diese Fragen von sich aus lö­sen kann. In Zukunft wird die Lösung davon abhängig sein, mit welchem Ernst und Eifer man sich ihnen widmet. Wir dürfen es nicht zulassen, dass, wie in den Jahren 1933 bis 1915, eine Gemeinschaft willenlos dahinleben muss.

Während unsere jüdischen Hilfsorganisationen ihre Arbeit in Deutschland einstellen, blieb es dem Jüdischen Weltkongress und insbesondere seinem Delegierten Herrn Dr. Jacoby, vorbehalten, mit diesem großen Werk zu beginnen. Indem es dieser Organisation gelang, ein Zentralorgan ins Leben zu rufen. Die größte jüdische Gemeinde in Deutschland. die Jüdische Gemeinde zu Berlin, erhofft von dem Zusammenschluss aller Juden in Deutschland eine Stärkung ihrer Position und hofft, dadurch all denen, die enttäuscht die letzten fünf Jahre verbracht haben, einen neuen Auftrieb geben zu können. Die Jüdische Gemeinde zu Berlin, in der nach wie vor aktives jüdisches existiert, wird führend in der neuen Gesamtvertretung mitwirken, um von sich aus einen Teil zu der Lösung der Gesamtprobleme beitragen zu können. Heinz Galinski

(Erschienen am 4. August 1950)

Leer

Holocaust-Überlebender Weinberg mit 101 Jahren gestorben

Albrecht Weinberg hat drei Konzentrationslager und Todesmärsche überlebt. Für Aufsehen sorgte er mit der Rückgabe des Bundesverdienstkreuzes. Nun ist er in Leer gestorben

 12.05.2026

Berlin

Verfassungsschutz will über Antisemitismus aufklären

Wassermelone, Krake und Demo-Parolen: Der Verfassungsschutz erklärt, welche Symbole und Slogans seiner Einschätzung nach auf Extremismus und Antisemitismus hindeuten können.

 12.05.2026

Brüssel

Pride Parade nimmt Auflagen für jüdische Teilnehmer zurück

Eine Gruppe war mitgeteilt worden, ihre Mitglieder dürften weder Davidsterne noch das Wort »jüdisch« auf Bannern oder Symbolen zeigen

 12.05.2026

New York

Festnahmen bei Zusammenstößen vor Synagoge in Brooklyn

Israelfeindliche Demonstranten skandieren »Palästina gehört nur uns« und »Fuck Israel«. Es kommt zu Rangeleien mit Gegendemonstranten

 12.05.2026

Meinung

Wer definiert das Judentum?

Die Theologische Fakultät der Universität Freiburg im Üechtland verleiht dem messianischen Rabbiner Mark S. Kinzer die Ehrendoktorwürde. Das belastet das jüdische Verhältnis zu einem katholischen Partner

von Zsolt Balkanyi-Guery  12.05.2026

Nahost

Bericht: Vereinigte Arabische Emirate griffen den Iran heimlich an

Eine der Attacken soll Anfang April ein großes Feuer auf einer Raffinerie auf der iranischen Insel Lavan verursacht haben

 12.05.2026

Washington D.C.

Trump erwägt neue Militärschläge gegen Iran

Der US-Präsident bezeichnete die Antwort Teherans auf seinen jüngsten Vorschlag für eine dauerhafte Waffenruhe als »Müll«

 12.05.2026

Essay

Warum ich Zionist bin

Heute ist Zionismus für viele ein Schimpfwort und gleichbedeutend mit Rassismus. Da muss eine Verwechslung vorliegen. Antizionismus ist Rassismus. Der Zionismus ist die selbstverständlichste Antwort auf zweitausend Jahre Verfolgung, Vertreibung und Völkermord

von Mathias Döpfner  12.05.2026

Berlin

Mehr Straftaten gegen Gedenkstätten im vergangenen Jahr

Sachbeschädigung, Volksverhetzung, Diebstahl, Hausfriedensbruch: Die Zahl der Straftaten in und gegen Gedenkstätten ist im vergangenen Jahr gestiegen

 11.05.2026