Nahost

»In den Mülleimer der Geschichte«

Richard Goldstone Foto: PN

Richard Goldstone, der Vorsitzende einer UN-Kommission, die im Jahr 2009 den Gazakrieg untersucht hatte, hat jetzt Fehler eingeräumt. In der »Washington Post« schreibt der südafrikanische Richter am 1. April: »Wenn ich damals gewusst hätte, was ich heute weiß, wäre der Goldstone-Bericht ein anderes Dokument geworden.« Er habe heute mehr Informationen über den Gazakrieg 2008/2009 als damals.

Der israelische Staatspräsident Schimon Peres forderte daraufhin eine offizielle Entschuldigung von Goldstone. Benjamin Netanjahu sagte, die umstrittene Untersuchung müsse nun »in den Mülleimer der Geschichte« geworfen werden. Der Premier rief die Vereinten Nationen dazu auf, den Bericht umgehend zu annullieren.

Kriegsverbrechen Goldstone hatte sowohl die im Gazastreifen herrschende Hamas als auch Israel beschuldigt, Kriegsverbrechen begangen zu haben. Er verweist nun allerdings darauf, dass die israelischen Behörden seriöse Recherchen zu seinen Vorwürfen durchführten.

Die Hamas jedoch habe »keine Untersuchungen über das Abschießen von Raketen und Mörsern gegen Israel eingeleitet«. Während der bekannte Jurist die gegen die Hamas erhobenen Vorwürfe weiter aufrechterhält, nimmt er die gegen Israel zurück. Die Zahal habe nicht bewusst und billigend den Tod von Zivilisten in Kauf genommen – »es gibt keine Beweise, die zu einem solchen Schluss führen könnten«.

Unter anderem war im Goldstone-Bericht die Tötung von 29 Mitgliedern der Familie al-Simouni als Beispiel für israelische Kriegsverbrechen genannt worden. Inzwischen geht der pensionierte Richter jedoch davon aus, dass der Kommandant, der den Beschuss des Hauses befehligte, ein Aufklärungsbild falsch interpretiert hatte. Die Armee werde auf ein vermutlich fahrlässiges Handeln des Kommandanten intern reagieren.

Doch warum ist die mit einem UN-Mandat ausgestattete Kommission zu derartigen Fehleinschätzungen gelangt? Laut Goldstone lag das unter anderem daran, dass Jerusalem sich weigerte, mit ihm zusammenzuarbeiten. »Daher waren wir nicht in der Lage, sicher zu sagen, wie viele Zivilisten und wie viele Kämpfer in Gaza getötet wurden.«

Schutz Der Richter, der schon als UN-Chefankläger beim Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien und Ruanda gewirkt hat, betont, dass es nie das Ziel seiner Kommission war, »voreingenommen« gegen den jüdischen Staat zu ermitteln. »Israel hat, wie jede andere souveräne Nation, das Recht und die Pflicht, sich und seine Bürger vor Angriffen aus dem Ausland zu schützen.«

Darüber hinaus beschwert sich Goldstone, dass viel zu wenig beachtet wurde, dass in dem Bericht erstmals die illegalen Terrorakte der Hamas von den Vereinten Nationen untersucht und verurteilt worden seien. Er habe gehofft, dass mit seiner unvoreingenommenen Prüfung »eine neue Ära der Unparteilichkeit beim UN-Menschenrechtsrat« beginnen werde. Niemand könne nämlich bezweifeln, dass dieses Gremium Israel gegenüber extrem kritisch sei.

Jetzt fordert Goldstone, der UN-Menschenrechtsrat müsse die »abscheulichen Taten«, die die Hamas zu verantworten hat, »auf das Schärfste verurteilen«.

NRW

Minister sieht bei Danger Dan-Song Nähe zu Extremisten

Der Rapper Danger Dan darf einen neuen Song nicht in der Satiresendung »Die Anstalt« präsentieren. Nun meldet sich der NRW-Medienminister zu Wort, der auch im ZDF-Fernsehrat sitzt

 18.07.2026

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Herkunft und Sympathien der Spielerikone kursieren, erzählen die Söhne eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine andere, besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  18.07.2026 Aktualisiert

Kommentar

Absage an Danger Dan und Igor Levit: Das ZDF hat absolut richtig gehandelt

Nicht alles, was nicht justiziabel ist, muss auch gesendet werden. Schon gar nicht unverhohlene Aufrufe zur linksextremen Gewalt und Verherrlichung der »Hammerbande«-Terroristen

von Philipp Peyman Engel  18.07.2026 Aktualisiert

Kommentar

Warum ich mit der SPD fertig bin

Eine späte Einsicht ist besser als gar keine, oder?

von Imanuel Marcus  18.07.2026

Rechtsterrorismus

NSU-Unterstützerin Susann E. zu zwei Jahren Haft verurteilt

Im Prozess gegen Susann E. in Dresden ist das Urteil gesprochen. Weil sie der NSU-Terroristin Beate Zschäpe mit ihrem Ausweis und ihrer Krankenkassenkarte aushalf, wurde sie verurteilt. In Haft muss sich nicht.

 17.07.2026

Frankfurt am Main

»Widerstand ist Völkerrecht«-Demo darf stattfinden

Laut Staatsanwaltschaft liegt trotz des Demo-Mottos »Palästina darf sich wehren, auch mit Steinen und mit Gewehren« keine Volksverhetzung vor

 17.07.2026

Mainz

»Mutlos«: »Anstalt« reagiert auf Ausladung von Danger Dan

Die Macher der Satiresendung kritisieren die Entscheidung des ZDF deutlich. Auch der Musiker selbst meldet sich nochmal zu Wort - es geht auch um das Thema Gewalt

 17.07.2026

Berlin

SPD-Arbeitskreis fordert Ende deutscher Blockade gegen EU-Kurs zu Israel

»Es ist nicht glaubwürdig, wenn deutsche Waffen dazu dienen, die humanitäre Katastrophe zu verlängern«, sagt der SPD-Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner

 17.07.2026

Washington D.C.

Trump-Nachfolge: Juden wenden sich von Vance ab, setzen auf Rubio

Zu den Gründen für den Vertrauensverlust gehören Vorstöße Vances gegen israelische Regierungsvertreter. Rubio hingegen hat schon immer Unterstützung für Israel gezeigt

 17.07.2026