Meinung

Im Oberrabbinat nichts Neues

Nach der hässlichen Schlammschlacht, die der Wahl der neuen Oberrabbiner am Mittwoch in Israel vorausging, kann es nur Verlierer geben. Denn bei der Suche nach den »Superrabbis« ging es vor allem um Pfründen, die mit der Aufsicht über Kaschrut, öffentliche Synagogen und Mikwaot erst beginnen. Weitaus mehr Macht üben die Rabbiner im israelischen Alltag als Richter aus. So beeinflussen sie ganz entscheidend alle Familienangelegenheiten, auch die säkularer jüdischer Israelis. Wobei es vor allem um die eine Frage geht: Wer ist Jude und wer nicht?

Keiner der Kandidaten für dieses wichtige Amt hat es gewagt, zu den Problemen, die auch das Leben der säkularen Mehrheit betreffen, Umwälzungen anzukündigen. Frauen werden auch in Zukunft ohne den Get, die unumgängliche Scheidungseinwilligung ihres Ex-Partners, nicht wieder heiraten können. Und ein Übertritt zum Judentum wird eine hohe Hürde bleiben – selbst für Israelis, deren Vorfahren während der Schoa ermordet wurden und deren Belege für ihr Judentum im Krieg verbrannt sind.

halacha Nur ein einziger Kandidat legte zumindest ein Programm vor, das bestimmte Härten der Halacha wirksam abschwächen soll. Andere Bewerber wagten nicht einmal die Ankündigung von Reformen, die der unumstrittenen Korruption im Oberrabbinat ein Ende setzen könnten. Sind doch letztlich alle Kandidaten von den Wahlmännern der ihnen nahestehenden Parteien abhängig. Die wiederum teilen mit dem Rabbinat verbundene Pöstchen und Jobs unter ihren Mitgliedern auf. Frauen und nichtreligiöse Parteien haben im Wahlgremium weniger zu melden.

Sollte die Wahl der beiden Oberrabbiner also irgendeine Änderung bewirken, dann allenfalls eine Umschichtung im Parteieneinfluss. Nach ihrem Gang in die Opposition wollten die ultraorthodoxen Parteien den Verlust ihrer Pfründen verhindern. Die Nationalreligiösen, früher als Mafdal eine eigene Partei, heute teilweise repräsentiert durch die Regierungspartei Habajit Hajehudi, wollen ihre Stelle übernehmen. Doch das alleine weist noch keine neue Richtung. Denn im religiösen Alltag sind auch die Nationalreligiösen gespalten: Jeder macht sich seinen Rabbi selbst.

Ändern wird sich also wenig: Der Gang zum Rabbinat wird wie der zum Finanzamt bleiben. Auch für den, der im Rabbinat mehr als eine Behörde, nämlich eine geistliche Instanz sieht. Gerade im Rabbinat fühlt er sich israelischer als anderswo.

Der Autor ist freier Journalist in Tel Aviv.

Frankreich

»Fick dich, Gisèle, fickt euch, ihr Zionisten«

Gisèle Journo ist Jüdin und betreibt in Paris eine Agentur für Influencer. Jetzt ist sie Zielscheibe antisemitischer Anfeindungen geworden. Auslöser war der Boykottaufruf einer Europaabgeordneten

von Michael Thaidigsmann  21.08.2026

Berlin

Amnesty International ruft Hamas zum Ende der Gewalt auf

Gewalt und außergerichtliche Hinrichtungen durch die Terrororganisation auch gegen Palästinenser kommen laut UN regelmäßig vor. Menschenrechtler fordern ein sofortiges Ende dieser Verbrechen

von Anna Mertens  21.08.2026

Erfurt

Deutsch-israelischer Jugendaustausch kommt nicht voran

Thüringens Antisemitismusbeauftragter Michael Panse sieht strukturelle und politische Gründe. Auch ein Austauschprogramm stockt

von Matthias Thüsing  21.08.2026

Wahlkampf der AfD mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund

Magdeburg

Wie sich die AfD auf eine mögliche Regierung vorbereitet

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt könnte der rechtsextremistischen AfD erstmals den Weg in eine Landesregierung öffnen. Mit Schulungen, einem Personalpool und Hilfe aus Österreich bereitet sie sich seit langem darauf vor

von Jörg Ratzsch  21.08.2026

Berlin

Bezirk prüft Entzug der Zulassung von antisemitischem Influencer als Berufsbetreuer

Auf Instagram verbreitet er Judenhass und Verschwörungsmythen, im Job soll er Berufstätige mit Herausforderungen betreuen. Passt das zusammen?

 21.08.2026

Iran-Konflikt

Nach Berichten über Missstände: US-Flugzeugträger »USS George Washington« löst Pannenschiff ab

Die »USS Abraham Lincoln« ist seit Monaten im Mittleren Osten eingesetzt und hat zuletzt wegen erheblicher Probleme an Bord Schlagzeilen gemacht. Nun ist ein neuer Flugzeugträger in der Region angekommen

 21.08.2026

Benjamin Graumann Jüdische Gemeinde Frankfurt

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  21.08.2026

Berlin/Brüssel/Jerusalem

Sieben Staaten und EU verlangen Stopp von Siedlungsprojekt im Westjordanland

Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und weitere Länder fordern Israel auf, die geplante Bebauung zu stoppen. Die EU bereitet offenbar ein Sanktionspaket vor

 21.08.2026

Khan Younis

Israel wirft Hamas Folter in Klinik vor

Die Terrororganisation soll ein Krankenhaus im Süden des Gazastreifens als Folterzentrale nutzen, um ihre Macht über die Bevölkerung auszubauen

 20.08.2026