München

»Ich bleibe die jüdische Stimme«

Marian Offman Foto: pr

Herr Offman, vor einer Woche sind Sie in die SPD eingetreten. Ist so ein Schritt nicht etwas aus der Zeit gefallen?
Für mich als Sozialpolitiker kam gar keine andere Partei infrage. Ich kenne ja die schlechten Umfragewerte der SPD im Bund.Aber zum einen sieht es in München besser aus, und zum anderen will ich ja auch mithelfen, die SPD wieder stark zu machen.

Sie galten als das jüdische Gesicht der CSU. Fehlt dort nun das Judentum?
Das muss die CSU selbst beantworten.

Und was war mit anderen Parteien: Grüne, FDP, Bayernpartei?
Für mich war klar, dass es die SPD ist. In der war ich schon einmal als Student.

Teils wurde der Eindruck erweckt, Sie seien beleidigt gewesen, weil die CSU Sie nicht mehr aufgestellt hat. Stimmt das?
Den Ausdruck »beleidigt« habe ich nirgends gelesen, der wäre auch falsch. Aber enttäuscht war ich schon. Wenn man nach 18 Jahren erfolgreicher Arbeit als Stadtrat merkt, dass es Intrigen gibt und die Parteispitze sich nicht für einen einsetzt, da kann man schon enttäuscht sein.

Wie lassen sich aus Ihrer Sicht Ihre Erfolge beschreiben?
Ich bin konsequent gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus aufgestanden. Als die AfD anfing, gab es ja auch in der CSU Stimmen, dass man mit denen zusammengehen könne. Das ist derzeit vom Tisch. Mir wurde auch von Münchner IKG-Mitgliedern gesagt, wie wichtig es ist, dass sich gerade ein jüdischer Stadtrat dieser Themen annimmt. Es ist wichtig, dass man als Jude Gesicht zeigt.

Sie waren ja in der Münchner CSU nicht nur das jüdische, sondern auch das soziale Gewissen. Ist Ihr Übertritt auch Symptom für einen Rechtsruck Ihrer alten Partei?
Junge Leute, die heute in der CSU stärker vertreten sind, stehen schon weiter rechts, als meine Generation das tut. Aber das ist leider eine beklagenswerte Entwicklung in Europa, im Grunde weltweit.

Derzeit sind Sie ja einfaches Mitglied des Münchner Stadtrats und der SPD-Frak-tion. Können Sie da etwas bewirken?
Mein Übertritt war in der Tat mit einigen Risiken behaftet, und um in einem Ausschuss Mitglied zu werden, muss natürlich ein anderer SPD-Stadtrat erst einmal Platz machen. Das ist nicht leicht. Aber zunächst bin ich immerhin Mitglied im Sozialausschuss geworden. Ich werde also die jüdische Stimme im Münchner Stadtrat bleiben.

Wird die SPD Sie für die nächsten Wahlen auf einem sicheren Platz nominieren?
Das liegt bei den Gremien, aber der Zuspruch, den ich gerade vergangene Woche erlebt habe, ist enorm. Auf der Straße wünschen mir die Menschen Glück, und ich habe über 150 E-Mails und WhatsApp-Nachrichten mit guten Wünschen bekommen.

Mit dem früheren Münchner Sozialstadtrat sprach Martin Krauss.

Meinungsfreiheit

Wenn Juden plötzlich Nazis sein sollen

Ein Gericht erklärt die Gleichsetzung von Hakenkreuz und Davidstern für zulässig. Kritiker sind irritiert

von Michael Thaidigsmann  13.08.2026

Sachsen-Anhalt

Polizeirabbiner vor der Wahl: Erstarken der AfD bereitet Sorgen         

Mehr Begegnung zwischen Juden und Nicht-Juden - das wünschen sich Deutschlands Polizeirabbiner. Sie bilden Polizeianwärter hierzulande fort und vermitteln jüdische Kultur. Seit fünf Jahren gibt es sie

von Nina Schmedding  13.08.2026

Hamburg

Haftbefehl gegen AfD-Politiker wegen offener Böhmermann-Kosten

Maximilian Krah bezeichnete den Satiriker als »einen Widerling« und erklärte, er zahle deshalb »nur widerwillig«

 13.08.2026

Hamburg

Gericht erklärt Kritik an Claim für zulässig: Journalist darf NGO »unsaubere« Zahlen vorwerfen

Der Investigativjournalist Sascha Adamek darf der Organisation vorwerfen, bei der Erfassung antimuslimischer Vorfälle mit »unsauber« erhobenen Zahlen gearbeitet zu haben. Die Hintergründe

 13.08.2026

Meinung

AfD als Sicherheitsrisiko

Es ist die Pflicht jedes Einzelnen, unsere Verfassung zu verteidigen und ein Überprüfungsverfahren anzustrengen. Verbieten kann nur unser freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat

von Roderich Kiesewetter  13.08.2026

Los Angeles

Nick Reiner wegen Mordes an seinen Eltern angeklagt

Das Motiv für die Ermordung des bekannten Hollywood-Regisseurs Rob Reiner und dessen Frau Michele bleibt unklar. Welche Strafe kommt bei einer Verurteilung infrage?

 13.08.2026

Washington D.C.

Medien: CIA zweifelte an iranischer Bedrohung für Trump

Trump wechselt auf dem Heimweg vom Nato-Gipfel versteckt in einem Catering-Container den Flieger. Der einem Politthriller gleichende Vorgang schlägt international Wellen. Nun gibt es neue Informationen

 13.08.2026

Nahost

Geplante Gebühr für Straße von Hormus: Iran verweist auf Umweltschäden

Für den Iran ein Muss, für die USA ein rotes Tuch: Das Mullah-Regime will für die Passage der Straße von Hormus künftig eine Gebühr erheben. Zur Begründung führt es auch Umweltschäden an

 13.08.2026

Rom

»Jagd auf Juden«: Jüdische Organisationen verurteilen Doppel-Angriff auf Tourist mit Kippa

Einer von mehreren mutmaßlichen Tätern ist gefasst. Jüdische Organisationen in Italien zeigen Solidarität mit dem Opfer

 13.08.2026