81. Internationalen Holocaust-Gedenktag

Holocaust-Gedenktag: European Jewish Congress warnt vor Straflosigkeit bei Antisemitismus

Botschafter Avi Nir-Feldklein ist Leiter der israelischen Mission bei der EU und der NATO. Foto: picture alliance / NTB

Mit einem Gedenkakt in Brüssel hat der European Jewish Congress (EJC) den 81. Internationalen Holocaust-Gedenktag begangen und zugleich an die Nürnberger Prozesse erinnert, die sich in diesem Jahr zum 80. Mal jähren. Vor rund 400 Gästen – darunter Diplomaten aus Europa und aller Welt, EU-Abgeordnete sowie Vertreter jüdischer Organisationen – stand die Frage im Mittelpunkt, welche Bedeutung Nürnberg angesichts des wachsenden Antisemitismus heute noch hat.

Der EJC stellte den Abend ausdrücklich in den Kontext der aktuellen Bedrohungslage für jüdische Gemeinden. Antisemitismus in Europa nehme weiter zu, jüdische Einrichtungen und ihre Mitglieder seien erneut Ziel von Gewalt und Mordanschlägen, hieß es. Vor diesem Hintergrund müsse klar bleiben, dass es für antisemitische Verbrechen keine Straflosigkeit geben dürfe.

EJC-Exekutivvizepräsidentin Raya Kalenova erinnerte in ihrer Eröffnungsrede an das Ausmaß der Schoa. »Millionen Leben wurden zerstört, Familien ausgelöscht, Träume und Zukunft geraubt.« Gleichzeitig habe Nürnberg den nationalsozialistischen Verbrechen einen rechtlichen Rahmen gegeben: »Nürnberg gab diesen Gräueltaten einen Namen. Es gab ihnen eine Akte. Es gab der Menschheit eine Antwort: Gerechtigkeit.«

Klare rechtliche Kriterien

Kalenova betonte die anhaltende Relevanz der Nürnberger Prozesse. Dort seien Begriffe wie Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit erstmals definiert worden – »nicht für Politik, nicht für Rhetorik, sondern für historische Wahrheit und Gerechtigkeit«. Zugleich warnte sie vor einem leichtfertigen Umgang mit diesen Begriffen. »Der Missbrauch dieser Begriffe, die klaren rechtlichen Kriterien unterliegen und den Nachweis von Vorsatz erfordern, wie ihn nur ein internationales Gericht feststellen kann, schürt Gewalt in unseren Gesellschaften und kann zu schrecklichen Konsequenzen führen.«

Lesen Sie auch

Ein zentraler Programmpunkt des Abends war die Vorführung des Films »Nuremberg« des US-Regisseurs James Vanderbilt mit Russell Crowe und Rami Malek in den Hauptrollen. Der Film beleuchtet die Nürnberger Prozesse als Fundament des modernen Völkerrechts und internationaler Mechanismen zur Rechenschaftspflicht. Gerade in einer Zeit, in der jüdische Gemeinden weltweit unter Druck stehen, sei eine Rückbesinnung auf die Lehren von Nürnberg notwendig, hieß es bei der Veranstaltung.

Der Leiter der israelischen Mission bei der EU und der NATO, Botschafter Avi Nir-Feldklein, zeichnete in seiner Rede ein düsteres Bild der Gegenwart. »Die Realität, mit der Juden heute in der demokratischen, liberalen Welt konfrontiert sind, ähnelt eher den Tagen, die zu den Nürnberger Gesetzen führten, als der Welt, die die Nürnberger Prozesse gestalten wollten«, sagte er.

Grauen in Erinnerung überführt

Auch der EU-Abgeordnete Antonio López-Istúriz White, Mitglied der Arbeitsgruppe des Europäischen Parlaments gegen Antisemitismus, hob die Aktualität des historischen Bezugs hervor. »An Nürnberg zu erinnern heißt, sich daran zu erinnern, dass Gerechtigkeit und Erinnerung nicht allein der Vergangenheit gehören, sondern eine dauerhafte Verantwortung sind«, erklärte er.

Angesichts des erneuten Anstiegs von Antisemitismus, Hass und Intoleranz müsse das Bekenntnis zu Menschenrechten, Demokratie und der Würde jedes Einzelnen bekräftigt werden – »als nicht verhandelbare Grundpfeiler unserer Gesellschaft«.

Zum Abschluss unterstrich Kalenova erneut die Bedeutung der Nürnberger Prozesse für das kollektive Gedächtnis. »Die Prozesse haben das Grauen in Erinnerung überführt«, sagte sie. »Sie verwandelten Chaos in Beweise, Zerstörung in Zeugenschaft und das Böse in Verantwortung.« Nürnberg habe gezeigt, wohin Entmenschlichung, Hass und massenhafte Gewalt führen – und welche Konsequenzen daraus gezogen werden müssten. im

Antibes

Frankreich und Italien streben neue Libanon-Mission an

Wie könnte die internationale Unterstützung für den Libanon nach dem Abzug der UN-Blauhelme aussehen? Frankreich und Italien wollen eine neue Koalition anführen

 26.06.2026

Pädagogik

Neues Onlinespiel soll gegen Antisemitismus im Netz helfen

In sozialen Medien wird Judenhass verbreitet und auch der Holocaust falsch dargestellt. Damit junge Menschen solche Inhalte besser erkennen, können Lehrkräfte ein neues Onlinespiel nutzen

von Alexander Riedel  26.06.2026

Hamburg

Spionageprozess: Juden für Iran ausgespäht?

Laut Anklage soll der Mann hochrangige Vertreter jüdischer Organisationen in Deutschland für mögliche Anschläge ausgekundschaftet haben

 26.06.2026

Magdeburg

Höchststrafe für Anschlag auf Magdeburger Weihnachtsmarkt

Bei dem Anschlag 2024 kamen sechs Personen ums Leben; Hunderte wurden verletzt. Jetzt steht das Urteil fest

 26.06.2026 Aktualisiert

Berlin

Thüringens Innenminister fordert AfD-Verbotsverfahren

In einem Gutachten begründen Juristen ihre Einschätzung besonders mit Verstößen gegen das Demokratieprinzip und die Menschenwürdegarantie

 26.06.2026

Meinung

Wie Israel zum Juden unter den Staaten gemacht wird

Antisemitismus zeichnet sich dadurch aus, dass er keine empirischen Grundlagen braucht, um zu existieren - weder in der UN noch anderswo

von Jacques Abramowicz  25.06.2026

Hamburg

Wie ein iranischer Jude auf Israel und den Iran blickt

Armin Levy ist Jude, Perser und Hamburger. Bei den aktuellen Gesprächen zwischen den USA und dem Iran glaubt er nicht an echten Frieden. Warum er jedes Abkommen mit dem Mullah-Regime ablehnt

von Christiane Tauer  25.06.2026

Berlin-Neukölln

Martin Hikel rügt Bildungsstadträtin

Janine Wolter hatte auf Instagram die Story eines israelfeindlichen Aktivisten gepostet

 25.06.2026

Essay

Das Kopftuch, der Zwang und die Freiheit

Die radikalen Kräfte in der muslimischen Community bestimmen zunehmend den Kurs. Wenn dies ohne Gegenwehr von den moderaten Kräften hingenommen wird, ist irgendwann der Kipppunkt erreicht

von Daniel Neumann  25.06.2026