Schweden

»Hitler war ein schöner Name«

Die Meldung klang erschreckend: Auf dem offiziellen Twitter-Account des Königreichs Schweden hatte sich anscheinend eine Antisemitin eingenistet. Unter »@Sweden« darf nämlich unter dem Motto »der demokratischste Twitter-Account der Welt« jede Woche ein anderer Einwohner des skandinavischen Staates posten, um die Welt über das Leben im hohen Norden zu informieren.

Was dann jedoch die Userin »@hejsonja« jüngst twitterte, sorgte für Empörung: »In Nazideutschland mussten Juden Sterne an ihre Kleider nähen – wenn sie es nicht getan hätten, hätte man nicht gewusst, wer ein Jude ist und wer nicht.« Weiter schrieb die 27-Jährige: »Was ist das eigentlich immer für eine Aufregung über Juden? Man kann doch nicht sehen, ob eine Person jüdisch ist, außer, man sieht ihre Penisse, und selbst dann kann man nicht sicher sein.« Dann hieß es, vor dem Zweiten Weltkrieg sei Hitler »einer der schönsten Namen in der ganzen weiten Welt« gewesen.

Freizeit Lena Posner-Körösi, Vorsitzende des Zentralrats der schwedischen Juden, erklärte, »HejSonja« sei keine Repräsentantin Schwedens und forderte für den Twitter-Account »einen Qualitäts-Check«. Viel wurde bei »HejSonja« wohl nicht gecheckt. Dass sie eine junge Mutter von zwei Kindern sei, die ihre Freizeit leidenschaftlich gern im Internet verbringe, wie sie sagte, stimmt nicht: In Wirklichkeit heißt sie Sonja Abrahamson und ist unter ihrem richtigen Namen in Schweden als Medienprofi bekannt: Sie ist oft im Fernsehen zu sehen, auf der Nachrichtenseite www.nyheter24.se betreibt sie seit Februar 2011 einen vielgelesenen Blog.

Abrahamsons Erfolgsrezept ist einfach: Sie provoziert, indem sie einen bewusst naiv-mädchenhaften Stil pflegt, gepaart mit finsterem Humor und nicht immer gleich erkennbarem Spiel mit gängigen Vorurteilen. Angst vor feindseligen Reaktionen hat sie dabei nicht: Am Tag nach ihren Tweets über Juden stellte sie im gleichen Stil Fragen über Justin Bieber, die die weltweite Fan-Community des Popstars auf die Palme brachte.

Doch nach zynischen Tweets folgten kleine Geschichten aus ihrem Alltag oder Antworten auf Fragen über Schweden. Und zwischendurch forderte sie ihre Leser auf, nicht auf Hasspropaganda hereinzufallen. Um dann doch wieder zu provozieren: »Heute hatten wir Uterus zum Mittagessen, bin nicht sicher, welche Sorte Uterus, es war eine Internetbestellung.«

Sonja Abrahamsons Internetauftritte haben ein dänisches Vorbild: »Bitterfissen Bethany« (Fissen ist ein vulgärer Ausdruck für Vagina), die durch das Spiel mit Naivität und Provokation mittlerweile zur gefeierten Buchautorin wurde. Das Kalkül der Werbeagentur, die im Auftrag des staatlichen Tourismusbüros hinter der Schweden-Kampagne steckt, ist mit Abrahamsons Twitter-Auftritt jedenfalls aufgegangen. Sie sorgte mit nur wenigen Tweets für weltweite Schlagzeilen.

UN-Kongress

Experten diskutieren strafrechtliche Verfolgung sexueller Gewalt in Konflikten

Bei einer Veranstaltung im Rahmen des UN-Kongresses zur Verbrechensverhütung in Abu Dhabi diskutierten jüdische Organisationen über Strafverfolgung, digitale Beweismittel und den Schutz von Betroffenen

 01.10.2026

Madrid

Kritik an Zara wegen Halloween-Kostüm mit Ähnlichkeit zu KZ-Kleidung

Die Hintergründe

 01.10.2026

Terrorismus

Sicherheitsbehörden verhindern Mordanschläge auf jüdische Ziele in Deutschland

Die Hintergründe

 01.10.2026

Washington D.C.

Keith Sonderling als US-Arbeitsminister bestätigt

In den Vereinigten Sraaten ist der in New York geborene Anwalt bereits der vierte Jude, der dieses Amt ausübt

 01.10.2026

Der RAF-Stützpunkt Fairford, im Hintergrund ein B1-Bomber

London

Vorfall bei US-Militärbasis: »Hinweise« auf Beteiligung eines Drittstaates

Nach dem Vorfall an einem US-Luftwaffenstützpunkt in Großbritannien kommen immer mehr Details ans Licht. Andy Burnham bestätigt nun eine mögliche Verbindung zu einem ausländischen Akteur.

 01.10.2026

Berlin

Linken-Politiker Ferat Koçak gibt Sitz im Innenausschuss ab

Der Wahlsieg der Linken lässt die Linken jubeln. Doch Fotos werfen Fragen zu Mitfeiernden auf. Der Neuköllner Bundestagsabgeordnete steht besonders in der Kritik und zieht nun Konsequenzen

 01.10.2026

Berlin

Linke, Grüne und SPD reden über Antisemitismus

Die drei potenziellen Koalitionspartner diskutieren nach der Wahl gemeinsam über Judenhass und organisierte Kriminalität. Warum das offiziell noch keine Sondierungen sind

 01.10.2026

Erfurt

AfD verbieten? Was Juristen, Hape Kerkeling und Hans-Georg Maaßen dazu sagen

Erstmals erörterten Juristen, Experten und Prominente diese Frage in einem deutschen Parlament bei einer öffentlichen Anhörung

 01.10.2026

Deutschland

Holocaust-Überlebende: Regierung der Linkspartei in Berlin wäre eine Katastrophe

»Hier muss die Politik gründlich aufpassen, dass das nicht passiert«, sagt Charlotte Knobloch bei »Maischberger«

 01.10.2026