Geburtstag

Hildegard Hamm-Brücher wird 95

Hildegard Hamm-Brücher Foto: dpa

Begonnen hat alles mit fünf Wahlplakaten und etwas selbst gekochtem Plakatierkleister: Im Frühjahr 1948 zieht Hildegard Hamm-Brücher mit 27 Jahren für die FDP in den Münchner Stadtrat ein.

Die Stadt ist zerbombt, die Demokratie im Aufbau und die Stadträtin unerfahren, aber sie will, dass in Deutschland nie wieder Unrecht und Terror regieren. Dieser Vorsatz wird sie begleiten, von den Anfängen in München bis in die Bundespolitik in Bonn und durch ihr gesamtes politisches Leben. Heute feiert die überzeugte Liberale, die zu einer der prägenden Figuren der deutschen Politik geworden ist, ihren 95. Geburtstag.

Großmutter Als Hildegard Brücher wird sie 1921 in Essen geboren, als drittes von fünf Geschwistern. Schon mit elf Jahren wird sie Vollwaise. Während der Kriegsjahre 1940 bis 1945 studiert sie Chemie in München. Sie erlebt, wie sich ihre jüdische Großmutter aus Angst vor Deportation das Leben nimmt.

An ihrer Universität rufen die Mitglieder der »Weißen Rose« zum Widerstand gegen die Nazis auf und bezahlen dafür mit dem Leben. Ihr Doktorvater schützt und fördert sie, obwohl sie nach den Rassengesetzen als »Halb-Jüdin« gilt.

Drei Tage vor ihrem 24. Geburtstag endet der Zweite Weltkrieg, und die junge Frau empfindet die vergangenen Erlebnisse als einen persönlichen Lebensauftrag für die Zukunft. Theodor Heuss, der spätere Bundespräsident, weist ihr auf Schwäbisch den Weg: »Mädle, Sie müsset in die Politik.«

Der Stadtrat in München ist nur der erste Schritt. Hamm-Brücher wird Landtagsabgeordnete in Bayern, später Staatssekretärin im hessischen Kultusministerium. In der Regierungszeit von Willy Brandt ist sie Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft und während Helmut Schmidts Kanzlerjahren die erste Staatsministerin im Auswärtigen Amt. Dem Bundestag gehört sie von 1976 bis 1990 an.

Männersache
Dies alles zu einer Zeit, als Politik noch als Männersache gilt. Sie schilderte einst in einem Buch, wie das gönnerhafte Verhalten der männlichen Kollegen schnell in persönliche Beleidigungen umschlug, sobald sie es wagte, ihre Meinung zu vertreten. Als »Kampfhenne« schmäht sie etwa CSU-Mann Franz Josef Strauß.

Die Liberale setzt sich dafür ein, Demokratie in Deutschland auszubauen und immer wieder zu verbessern, indem sie die Beteiligung von Frauen fördert. Sie spricht sich dafür aus, Bürger in demokratische Prozesse stärker einzubeziehen. Getreu der Einsicht »Demokratie muss man üben« fördert sie auch Bürgerinitiativen. Mit ganzer Kraft tritt sie für eine »aktive Bürgergesellschaft« ein. Als Mitglied der bayerischen Landessynode hilft sie entscheidend mit, gegen männliche Widerstände die »Frauenordination«, den vollgültigen Zugang der evangelischen Theologinnen zum Pfarramt, durchzufechten.

»Grande Dame« Kritisch betrachtet Hildegard Hamm-Brücher den politischen Betrieb und kommt zu dem Schluss, dass sie statt mit Machtspielerei und Dominanz auch mit Haltung und Beständigkeit wirken kann. Die Gewissensfreiheit des Abgeordneten ist ihr heilig – mehr als die Partei. 2002 zieht sie daraus die Konsequenz und verlässt nach 54-jähriger Mitgliedschaft die FDP, als deren »Grande Dame« sie gilt.

Die anti-israelischen Aussagen von Jürgen Möllemann wollte sie nicht mittragen, mit dem verstorbenen Außenminister und FDP-Chef Guido Westerwelle wurde die überzeugte Liberale nie so richtig warm. 1994 hatte sie als Liberale noch für das Amt des Bundespräsidenten kandidiert – ihre eigene Partei opfert ihre Kandidatur vor dem dritten Wahlgang aber dem Koalitionsfrieden mit der Union: Roman Herzog wird neuer Bundespräsident.

In den vergangenen Jahren ist es ruhig um die Ehrenbürgerin der Stadt München geworden, ihre oft spitzen Wortmeldungen werden weniger. Die Gesundheit macht Hamm-Brücher inzwischen zu schaffen. Die »vielen Zipperlein« erschwerten das Leben im Alter, hat sie vor drei Jahren über sich selbst gesagt.

Washington D.C.

Ein Begräbnis und ein Gipfeltreffen

Israels Premier Netanjahu und Ukraine-Präsident Selenskyj waren offiziell angereist, um an der Beerdigung von US-Senator Lindsey Graham teilzunehmen. Doch das Begräbnis wird auch für ein geopolitisches Gipfeltreffen mit US-Präsident Trump genutzt

 29.07.2026

The OpenAI logo is displayed on a mobile phone screen in this photo illustration, as artificial intelligence tools continue to expand across consumer and business applications in Brussels, Belgium, on February 28, 2026. (Photo by Jonathan Raa/NurPhoto)

Meinung

KI: Wie die Welt einmal untergehen könnte

Der Kontrollverlust der Softwarefirma OpenAI über ihr neuestes Modell macht erneut die Notwendigkeit deutlich, KI-Technologie stärker zu regulieren. Dabei geht es um nicht weniger als die Zukunft der Menschheit

von Joshua Schultheis  28.07.2026

Dresden

Petition wirft AfD Missbrauch der Marke Simson vor

Die Traditionsmarke Simson steht für eine erfolgreiche Firmengeschichte. Die AfD nutzt das positive Image, das stößt auf Widerstand

 28.07.2026

Terror

Nach dem CSD-Anschlag: Wo Berlin trauert

Blumen, Botschaften und Regenbogenflaggen: Im Berliner Tiergarten suchen Menschen Trost am Ort des Terroranschlags. Was ein Notfallseelsorger erzählt

 28.07.2026

Berlin

Bekennervideo des mutmaßlichen CSD-Attentäters auf Mobiltelefon entdeckt

Was ist in der Aufnahme zu sehen?

 28.07.2026

Meinung

Wir müssen darüber sprechen, was der Terror mit dem Islam zu tun hat

Die islamistische Ideologie muss endlich als solche benannt werden – auch weil Muslime zu den ersten Opfern der Terroristen gehören

von Ali Ertan Toprak  28.07.2026

München

Deutsche Post will Davidstern-Briefmarke doch drucken

Die Poste lehnte eine Briefmarke mit einem Davidstern und dem Schriftzug »Antisemitismus – ohne mich!« erst ab. Nach Kritik hat sie sich nun umentschieden

 28.07.2026 Aktualisiert

Washington D.C./Rom

USA kündigen weitere Gespräche zwischen Israel und Libanon in Rom an

Nach jahrzehntelangem Kriegszustand gab es zuletzt Annäherungsversuche zwischen Jerusalem und der libanesischen Regierung. Die USA als Vermittler setzen vor allem auf den Erfolg sogenannter Pilotzonen

 28.07.2026

Washington D.C.

Trump weist Netanjahus Kritik an möglichem F-35-Verkauf an die Türkei zurück

»Niemand schreibt mir vor, was wir verkaufen sollen«, sagt der amerikanische Präsident vor seinem Treffen mit Benjamin Netanjahu

 28.07.2026