Immer mal wieder geht das Gerücht um, die Nationalsozialisten seien dem linken politischen Spektrum zuzuordnen. In einem Sharepic von einem Facebook-Posting steht: »Der National-Sozialismus war eine linke Ideologie und die Hitlerfaschisten waren Linke!« Eine der vermeintlichen Begründungen: Adolf Hitler sei Mitglied der SPD und der NS-Propagandaminister Joseph Goebbels bei der KPD gewesen.
Bewertung
Die Behauptungen aus dem Sharepic sind teils irreführend, teils falsch. Historiker widersprechen der These, den Nationalsozialismus als politisch links zu verorten.
Fakten
Die Grundlage der NS-Weltanschauung ist die Ungleichwertigkeit der Menschen, auf welcher der sogenannte NS-Rassenwahn fußt. Das steht im Widerspruch zu linken, sozialistischen Gleichheitsidealen.
Der Versuch, die NS-Führung aufgrund früher antikapitalistischer Elemente in der NSDAP und der Erwähnung von »Sozialismus« in ihrem Namen als »links« zu bezeichnen, ist für den Leiter des Münchner Instituts für Zeitgeschichte, Andreas Wirsching, ein beliebtes Täuschungsmanöver.
Diese These tauche in rechtsextremen Kreisen immer wieder auf. »Faktisch handelt es sich um ein reines und gemessen an der historischen Wahrheit infames Propagandamanöver. Mit ihm sollen rechte Vergangenheiten und die wahren Ziele rechtsextremer Politik camoufliert werden«, teilte der Historiker in einer schriftlichen Stellungnahme auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bereits 2025 mit.
Falsch zugeschriebene Parteizugehörigkeit
Der Werdegang des NS-Diktators Adolf Hitler ist vielfach und detailliert erforscht. Informationen dazu, dass er Mitglied der SPD gewesen sei, lassen sich nicht finden. Den historischen Quellen zufolge trat er im September 1919 der DAP bei. Die Deutsche Arbeiterpartei war die Vorläuferin der NSDAP. Die österreichische Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei (DNSAP) entstand 1918 und wird von Historikern ebenso dem rechten Spektrum zugeordnet.
Ebenfalls wird im Sharepic behauptet, dass sowohl Joseph Goebbels als auch Roland Freisler, ein Mitorganisator des Holocaust, Mitglieder der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) gewesen seien. Für diese Behauptungen ist ebenfalls kein Beleg zu finden.
Zitat nicht von Joseph Goebbels
Das fälschlicherweise Goebbels zugeschriebene Zitat stammt aus der nationalsozialistischen »Niedersächsischen Tageszeitung« vom 6. September 1931, wie ein älterer dpa-Faktencheck bereits zeigen konnte. Hinter dem dortigen Autorenkürzel »H.« vermutet der Hamburger Historiker Volker Weiß den damaligen Chefredakteur Joachim Haupt, einen Nazi der ersten Stunde.
Politikwissenschaftliche Schemata
Wissenschaftler haben Methoden entwickelt, anhand derer sie Parteien mittel Parametern wie Organisationsstruktur und Ideologie im politischen Raum einordnen - etwa zwischen extrem rechts und extrem links. Faschismus und linke Bewegungen wie Sozialismus und Kommunismus stehen dabei weit voneinander entfernt, beispielsweise zu sehen bei Bryson/McDill, Pournelle, Eysenck. dpa
Links
»RTL Today«-Bericht zu Interview mit Historiker Weiß (archiviert)
MDR zum Aufstieg der NSDAP (archiviert)
Historisches Lexikon zur NSDAP (archiviert)
Deutsche Historisches Museum zu Biografie Goebbels (archiviert)
»Zeit«-Interview mit Historiker Weiß (kostenpflichtig, archiviert)
Politisches Koordinatensystem Bryson/McDill
Einordnung Pournelle (archiviert)
Einordnung Eysenck (archiviert)
»Niedersächsische Tageszeitung« vom 6. September 1931 (archiviert)
Bundeszentrale für politische Bildung (bpb): Krieg und Holocaust (archiviert)
Planet Wissen: Nationalsozialistische Rassenlehre (archiviert)
bpb u. a. über antikapitalistische NS-Elemente (archiviert)
Historiker Wirsching über NSDAP und linke Politik (archiviert)
Deutsches Historisches Museum: Zeitstrahl zu Adolf Hitler (archiviert)