Berlin

Grüne-Jugend-Chefin nennt Hamas-Massaker »militärische Operation«

Jette Nietzard Foto: picture alliance / SZ Photo

Jette Nietzard ist Co-Sprecherin der Nachwuchsorganisation der Grünen und sorgt mit Terror-Verharmlosung und scharfen Vorwürfen gegenüber Israel für Unmut – auch in ihrer eigenen Partei. Für polarisierende Äußerungen anderer Art ist sie schon länger bekannt.

An Silvester postete sie folgenden Satz in einem sozialen Medium: »Männer, die ihre Hand beim Böllern verlieren, können zumindest keine Frauen mehr schlagen.« Durch einen Auftritt mit einem Pullover mit der Aufschrift »ACAB« (»All cops are bastards«, bzw. »Alle Polizisten sind Bastarde«) fiel Nietzard Ende Mai auf. Im April meinte sie in einem Video: »Die Polizei ist ein Sicherheitsproblem.«

Am Donnerstag lud die Nachwuchsorganisation der Grünen auf Instagram ein Video zum Krieg in Gaza und Israel hoch, in dem Jette Nietzard sagte, »über 50.000 PalästinenserInnen und 1200 Israelis« seien bei »militärischen Operationen« umgekommen. Die Massaker der Hamas und palästinensischer Zivilisten am 7. Oktober 2023 in Süd-Israel waren allerdings keine Militäroperation, sondern ein beispielloser Terrorangriff.

»Nicht deutlich genug«

Hinzu kommt: Die angebliche Zahl der Kriegstoten in Gaza kommt vom Gesundheitsministerium der Hamas, das seit Kriegsbeginn immer wieder Unwahrheiten verbreitete, um Israel zu diskreditieren. Daten, die von dieser Behörde veröffentlicht wurden, widerlegten sich zum Teil selbst und wurden unlängst plötzlich nach unten korrigiert.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Der frühere grüne Bundestagsabgeordnete und heutige Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck, intervenierte wegen des Videos seiner jungen Parteifreunde. Ergebnis: Die Grüne Jugend löschte das Video.

»Nach dem Upload des Videos wurden wir darauf aufmerksam, dass das Massaker vom 7. Oktober nicht deutlich genug als der antisemitische Terroranschlag gekennzeichnet wurde, der er ist«, erklärte ein Sprecher der Grünen Jugend gegenüber dem »Spiegel«, der wie der »Tagesspiegel« und andere Medien über den Fall berichtete. »Wir haben die Stelle angepasst und das Video erneut mit einem Transparenzhinweis hochgeladen.«

Haltlose Vorwürfe

Damit war das Problem aber nicht gelöst. Die Grüne Jugend lud ein neues Video hoch, wieder mit einem Statement von Jette Nietzard. Beck bescheinigte der zweiten Aufnahme sogleich »Israeldiabolisierung light«. Der Grund: Sie erhebt darin haltlose Vorwürfe gegen den jüdischen Staat.

»Auf Podiumsdiskussionen im Wahlkampf habe ich ganz oft von der Jungen Union gehört: ›Friedrich Merz ist der beste Kanzler für Israel‹«, so die 25-jährige Grüne. »Das Ding ist nur: Vielleicht brauchen wir gerade keinen besten Kanzler für Israel, sondern einen Kanzler, der tatsächlich Menschenrechte ernst nimmt.«

Lesen Sie auch

Weiter beschuldigt Nietzard Israel, Hunger und eine Restriktion humanitärer Hilfe »als Waffe gegen die Menschen im Gazastreifen« einzusetzen. Die Tatsache, dass die Hamas eine Terrororganisation sei, könne keine Begründung dafür sein, »Krankenhäuser zu bombardieren«. Die Geiseln der Hamas könnten keine Begründung dafür sein, »wie gerade mit Menschen im Gazastreifen umgegangen wird«.

Kretschmann und Özdemir

Während Israel in Gaza gegen die Hamas vorgeht, sorgt es für die Versorgung der Bewohner Gazas, deren Führung den aktuellen Krieg am 7. Oktober begann und den jüdischen Staat auch zuvor schon immer wieder angriff und terrorisierte.

Ziel Israels ist eine Befreiung der verbleibenden 56 Geiseln, von denen die meisten bereits tot sind. Frühere Verschleppte gaben an, die Hamas hungere ihre Geiseln aus, foltere und ermorde sie. Auch eine Zerschlagung der Terrororganisation gehört zu den Kriegszielen der israelischen Streitkräfte.

Volker Beck ist nicht der einzige Grüne, der Jette Nietzard kritisiert. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann sagte nach der Pullover-Kontroverse: »Ich verstehe überhaupt nicht, was die bei uns will. Sucht euch die richtige Partei aus und verlasst uns einfach. Wir sind nicht die richtige Adresse für die Art von Gesinnung, die ihr habt.« Kretschmanns möglicher Nachfolger Cem Özdemir erklärte, Nietzard sei bei den Grünen falsch.

Rücktritt gefordert

Heute forderte schließlich die Jüdische Studierendenunion (JSUD) einen Rücktritt von Jette Nietzard. Die Organisation erklärte der »Welt«, ihre Darstellung verharmlose »den größten Massenmord an Jüdinnen und Juden seit der Schoa.«

»Eine Person wie Jette Nietzard, die sich derart menschenverachtend äußert, kann unserer Ansicht nach nicht länger an der Spitze der Grünen Jugend stehen«, so die JSUD. Das Massaker vom 7. Oktober in einen militärischen Kontext zu rücken, sei »nicht nur faktisch falsch, sondern menschenverachtend und antisemitisch.«

Auch sieht die Studentenorganisation die Notwendigkeit für »klare Konsequenzen« Es sei zutiefst irritierend, »dass solche Aussagen auf dem offiziellen Kanal der Grünen Jugend veröffentlicht werden konnten.« Die Auswirkungen solcher Äußerungen beschränkten sich nicht nur auf Nietzard als Einzelperson, sondern würfen »ein beunruhigendes Licht auf die gesamte Organisation.«

München

Bayern: Zahl antisemitischer Vorfälle bleibt auf Rekordhoch

»Antisemitische Ausdrucksformen wurden enthemmter, bedrohlicher und direkter«, sagt Annette Seidel-Arpacı, die Leiterin von RIAS Bayern

 06.05.2026

Washington/Teheran

Bericht: USA und Iran nähern sich Vereinbarung zur Beendigung des Krieges

Kern der laufenden Gespräche ist ein auf einer einzigen Seite untergebrachtes, knappes Memorandum, das auf wenigen Punkten basieren soll

 06.05.2026

Berlin

Hubig besorgt über Zulauf zu militanten Rechtsextremisten

In mehreren Bundesländern laufen Durchsuchungen gegen Rechtsextremisten. Was die Bundesjustizministerin dazu sagt

 06.05.2026

New York

USA unterstützen UN-Resolution zu möglichen Iran-Sanktionen

Dem Regime in Teheran werden in einem von den USA unterstützten Entwurf »wirksame Maßnahmen entsprechend der Schwere der Lage, einschließlich Sanktionen« angedroht

 06.05.2026

Washington D.C.

Trump stoppt Marineeinsatz in der Straße von Hormus

Der Präsident begründet dies mit angeblichen Fortschritten in Gesprächen mit Teheran über ein Abkommen. Außenminister Rubio hatte zuvor dagegen erklärt, das »Project Freedom« stelle nun den Schwerpunkt dar

 06.05.2026

Berlin/Tel Aviv

Israel: Liefern Deutschland Kerosin

Trotz hoher Kerosinpreise hieß es zuletzt, dass die Vorräte in Deutschland reichen. Experten warnen derweil vor Engpässen. Nun helfen die Israelis eigenen Angaben zufolge aus

 06.05.2026

Berlin/Düsseldorf

Durchsuchungen bei mutmaßlichen Neonazis

Die Polizei durchsucht Objekte in zwölf Bundesländern. Warum die neuen Rechtsextremen jetzt ins Visier geraten

 06.05.2026 Aktualisiert

Interview

Josef Schuster: »Juden und Muslime sind keine Erzfeinde«

Bald startet der Katholikentag in Würzburg. Mit dabei: der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster. Welche Tipps er für Gäste hat - und wie er auf Juden, Christen und Muslime in aufgeheizten Zeiten blickt

von Leticia Witte  06.05.2026

Nahost

Rubio: »Die Operation Gewaltiger Zorn ist abgeschlossen«

»Jetzt widmen wir uns dem Projekt Freiheit«, betont der amerikanische Außenminister

 05.05.2026