Meinung

Großbritannien: Was tun gegen Judenhass?

In der vergangenen Woche hat der Community Security Trust (CST) die britische Öffentlichkeit schockiert: Nie zuvor gab es so viele antisemitische Vorfälle wie 2016. Der CST ist zuständig für die Sicherheit der jüdischen Gemeinschaften im Königreich, doch einen ähnlichen Befund hatte schon die regierungsamtliche Statistik im Juni 2016 vermerkt.

Dort wird etwa ein 34-prozentiger Anstieg der Hasskriminalität gegen Menschen aufgrund ihrer Religion konstatiert. Diese richtet sich nicht nur gegen Juden, sondern vermehrt auch gegen Muslime. Nach dem Brexit-Referendum wurden auch Osteuropäer Zielscheibe englischen Hasses.

rechtsextreme Bei den von CST erfassten antisemitischen Angriffen fällt auf, dass sie hauptsächlich von »weißen Männern« begangen wurden; nur ein kleiner Teil von anderen Tätern, und davon wiederum nur eine Minderheit von Menschen arabischer oder nordafrikanischer Herkunft. Dies verweist deutlich darauf, dass der Großteil des antijüdischen Hasses aus den Reihen des extrem rechten, vielleicht auch extrem linken Milieus kommt – von den »weißen Männern« eben.

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu wollte bei seinem jüngsten Besuch in London das Anwachsen des Antisemitismus bei Premierministerin Theresa May ansprechen. Das ist richtig, denn der Antisemitismus gedeiht in einem bestimmten politischen Umfeld: etwa antijüdischen und antiisraelischen Beschlüssen, erinnert sei an die UNESCO-Resolution, die eine jüdische Verbundenheit zu Jerusalem bestreitet.

unterhaus Doch ist das alles? Darf, wer über Antisemitismus spricht, Donald Trump ignorieren? Zu seinen europäischen Unterstützern gehören Personen wie Le Pen oder Wilders. Nicht nur deshalb ist ein großer Teil der Juden in der Diaspora besorgt über den neuen US-Präsidenten. So untersagte John Bercow, Jude und von den Konservativen kommender Sprecher des Unterhauses, Donald Trump, bei seinem Staatsbesuch im Sommer vor dem Unterhaus zu sprechen: Rassismus habe im Parlament nichts zu suchen.

Bezüglich Netanjahu stellen sich viele britische Juden drängende Fragen: Würde Israels Premier nicht nur Donald Trump, sondern auch Marine Le Pen loben, wenn es ihm strategisch gerade in den Kram passt? Die Antwort, so ist zu befürchten, gibt es schon. Funktionäre des Likud haben den Generalsekretär von Le Pens Front National bei einem Israelbesuch im Januar sehr herzlich begrüßt.

Der Autor ist freier Journalist in London.

Kommentar

Der alte Hass trägt heute Palästinaflaggen

Wie der kulturelle Boykott Israels die Ausgrenzung von Juden normalisiert

von Sarah Maria Sander  07.06.2026

Meinung

Libanon: Zwischen Anschein und Wirklichkeit

Wer den aktuellen Konflikt verstehen will, darf den Zedernstaat nicht als tragisches Opfer Israels lesen

von Jacques Abramowicz  07.06.2026

Berlin

Verfassungsschutz warnt vor islamistischer Einflussnahme auf deutsche Institutionen

Laut BfV-Chef Sinan Selen geht es nicht um kurzfristige Aktionen, sondern langfristig angelegte Strategien, die auf eine Veränderung politischer Entscheidungsprozesse abzielen

 07.06.2026

Justiz

Richterbund warnt vor Einfluss der AfD auf Justiz

Das Risiko gezielter politischer Eingriffe in die Richterauswahl und in die Strafverfolgung müsse minimiert werden

von Lukas Philippi  07.06.2026

»documenta«

Kulturrat: Antisemitismus letztlich nicht zu verhindern

Olaf Zimmermann will mit einem »Code of Conduct« Antisemitismus, Rassismus »und jedweder anderen Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit aktiventgegentreten«

von Susanne Rochholz  07.06.2026 Aktualisiert

NSDAP-Mitgliederkartei

Ein Land durchsucht den Datenschatz

Die Recherche nach der Nazivergangenheit der eigenen Vorfahren scheint neuerdings so einfach wie eine Google-Suche. Auch in manch jüdischer Familie wächst das Interesse. Doch tragen die Erkenntnisse wirklich zur Aufklärung bei?

von Mascha Malburg, Michael Thaidigsmann  07.06.2026

Teheran

Irans neuer Oberster Führer erklärt USA zum Verlierer des Krieges

Der Oberste Führer wirft den Gegnern seines Landes vor, nach dem militärischen Konflikt nun auf psychologische Mittel zu setzen

 05.06.2026

Hamburg

Ex-Antisemitismusbeauftragter berät CDU

Stefan Hensel hatte sein Amt aus Protest gegen die Arbeit des rot-grünen Senats niedergelegt. Jetzt berät er die Opposition bei der Ausarbeitung eines Aktionsplans gegen Antisemitismus

 05.06.2026

Potsdam

Antisemitismusbeauftragter legt Bericht vor

Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner hat eine erste offizielle Bilanz seiner Arbeit angekündigt

 05.06.2026