Meinung

Griechenland: Schuld und Schulden

Während der Besatzung Griechenlands von 1941 bis 1945 haben Wehrmacht und SS an zahlreichen Orten und auf den Inseln Korfu, Rhodos oder Kreta Verbrechen verübt und die jüdische Existenz nahezu vollständig ausgelöscht. Die aktuelle Schuldenkrise Griechenlands hat das Land dazu gebracht, Forderungen für nicht beglichene Schulden und Reparationskosten für eine zerstörte Infrastruktur an Deutschland zu richten. Die Forderungen belaufen sich auf 278 Milliarden Euro.

ansprüche Von den fast 50.000 nach Auschwitz deportierten Juden allein aus Saloniki überlebten weniger als 2000. Vermögen, Wertgegenstände, Hab und Gut wurden zugunsten des Dritten Reichs fortgeschafft, zum Teil den griechischen Nachbarn überlassen. In der Restitutionsfrage spielte auch der griechische Staat eine unrühmliche Rolle: Zunächst versuchte er, erbenloses jüdisches Eigentum als Staatsvermögen einzuziehen. Erst nach Klagen wurde ein »Hilfskomitee zur Wiedereingliederung der Juden in Griechenland« geschaffen, auf welches die Eigentumsansprüche übergingen – allerdings belastet mit einer Vermögenssteuer von 50, später 25 Prozent.

Die Bundesrepublik hat in der Vergangenheit Entschädigungen in Höhe von 115 Millionen D-Mark geleistet. Im Londoner Schuldenabkommen wurden 1953 Reparationszahlungen bis zum Abschluss eines Friedensvertrages zurückgestellt, was konkret bedeutet, dass Schuld und Schulden nie beglichen werden. Weitere Zahlungen hat die Bundesregierung stets mit Hinweis auf den Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990 abgelehnt. Und da ist noch die griechische Forderung bezüglich der Zwangsanleihe von 476 Millionen Reichsmark, die Nazi-Deutschland der griechischen Nationalbank abgepresst hat. Allein sie beläuft sich inklusive Zinsen auf etwa elf Milliarden Euro.

mitverantwortung So berechtigt die Forderungen sein mögen: Auch Griechenland sollte sich seiner historischen Mitverantwortung stellen. Den Juden in Saloniki wurden unter deutscher Besatzung etwa zwölf Tonnen Gold geraubt. 1942/43 wurde dieser Schatz unter aktiver Mitwirkung des griechischen Finanzministeriums und der Nationalbank an der Athener Börse an Griechen verkauft. Über die Börse ging das Gold an nun reich gewordene Griechen, die von der deutschen Herrschaft profitierten.

Das ist die andere Seite der Geschichte Griechenlands, die neben der des mutigen Rettungswiderstandes steht.

Der Autor ist Historiker und lebt in Duisburg.

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