Deutschland/Israel

Gemeinsame Werte

Ron Huldai (l.), Bürgermeister von Tel Aviv, und Kai Wegner (CDU), Regierender Bürgermeister von Berlin, unterzeichnen die Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Tel Aviv. Foto: picture alliance/dpa

2850 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Berlin und Tel Aviv. Nun sind die beiden Metropolen etwas näher zusammengerückt: Seit Montag verbindet sie eine Städtepartnerschaft. Am Nachmittag unterzeichneten der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, und Tel Avivs Bürgermeister Ron Huldai ein Abkommen im Festsaal des Roten Rathauses.

Beide Stadtoberhäupter betonten dabei die Gemeinsamkeiten von Berlin und Tel Aviv und die Absicht, in Zukunft einen stärkeren Austausch im Bereich der Wirtschaft, der Kultur und vieler weiterer Bereiche anzustreben.

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Ron Huldai sagte, dass die Geschichte beider Städte voller tiefer und komplexer Narben sei. »Und doch bekennen sich beide Städte zu Freiheit, Demokratie und Toleranz.« Es gebe viele Verbindungen zwischen Berlin und Tel Aviv – historische, kulturelle, künstlerische, alte und moderne. »Aber das Abkommen, das wir heute unterzeichnen, handelt nicht von der Vergangenheit. Es handelt von der Zukunft. Von gemeinsamen Werten, vor allem von der Achtung der Menschlichkeit und dem Liberalismus.«

Er erwähnte, dass Wegner bald nach dem Massaker vom 7. Oktober 2023 Tel Aviv besucht habe. Besonders würdigte Huldai, dass der Regierende Bürgermeister erklärt habe, vor dem Roten Rathaus werde so lange die israelische Fahne wehen, bis die letzte Geisel aus dem Gazastreifen nach Israel zurückgekehrt sei. Zum Abschluss seiner Rede forderte Huldai die sofortige Freilassung der Entführten: »Bringt sie nach Hause – jetzt!«

Kai Wegner hob hervor, dass die Städtepartnerschaft im 60. Jubiläumsjahr der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel besiegelt werde. Dass nun eine Freundschaft entstanden sei, die in eine Städtepartnerschaft münde, sei ein wichtiges, ein starkes Signal. »Nämlich ein starkes Signal für Toleranz, ein starkes Signal für Freundschaft, für Rechtsstaatlichkeit, aber auch ein starkes Signal für die Entschlossenheit zur Verteidigung freiheitlich-demokratischer Werte.«

Wegner verwies auf den immer stärker werdenden Antisemitismus und darauf, dass auch Jüdinnen und Juden in Berlin wieder Angst hätten. Er betonte: »Wir Deutschen haben eine besondere Verantwortung für jüdisches Leben, aber auch eine besondere Verantwortung, das Existenzrecht Israels immer und stets zu verteidigen.«

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Der CDU-Politiker erklärte, dass man insbesondere einen noch stärkeren Austausch von jungen Leuten fördern möchte. »Da, wo man sich kennenlernt, wo Freundschaften entstehen und Freundschaften gepflegt werden, haben Hass, Hetze und Ausgrenzung keinen Platz.«

Berlin unterhält bislang Partnerschaften mit 18 Städten auf der ganzen Welt – von Brüssel über Los Angeles bis Peking und Buenos Aires. Tel Aviv hat insgesamt 21 Städtepartnerschaften, Berlin ist die sechste Partnerstadt in Deutschland, nach Bonn, Essen, Frankfurt, Freiburg und Köln.

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) begrüßte die Städtepartnerschaft Berlins mit Tel Aviv. Zugleich drückte der Berliner DIG-Vorsitzende Jochen Feilcke sein Bedauern darüber aus, dass die deutsche Hauptstadt keine Partnerschaft mit der israelischen Hauptstadt Jerusalem eingegangen ist. Dies hatte auch Kai Wegner noch vor ein paar Jahren als Berlins CDU-Fraktionsvorsitzender und Oppositionsführer von der rot-rot-grünen Landesregierung gefordert.

Seit 2023 ist er Regierender Bürgermeister. Am Montag sagte Wegner auf Anfrage der Jüdischen Allgemeinen dazu: »Mir war wichtig, dass es endlich eine Städtepartnerschaft zwischen der deutschen Hauptstadt und Israel gibt.« Dass dies nach vielen Jahren der Diskussion gelungen ist, darauf sei er ein Stück weit stolz. »Aber vor allen Dingen bin ich dankbar, dass diese Städtepartnerschaft jetzt unterzeichnet ist und mit Leben gefüllt werden kann.« ddk

Washington D.C./New York

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