Erinnerung

»Für ein weltoffenes Europa«

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland
»Mit dem Tode Helmut Kohls verliert Deutschland einen großen Staatsmann, der über Jahrzehnte hinweg die Geschichte Deutschlands und Europas entscheidend geprägt hat. Er setzte sich mit großem Verantwortungsbewusstsein für ein modernes und weltoffenes Deutschland und Europa ein. Das friedliche Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen und Religionen war ihm immer ein Herzensanliegen. Bis heute haben viele seiner Worte ihre Gültigkeit nicht verloren. Mit dem Ableben von Helmut Kohl verliert die jüdische Gemeinschaft einen Menschen, der sich für die Zukunft jüdischen Lebens eingesetzt hat und der jüdischen Gemeinschaft zeit seines Lebens eng verbunden war. Seine Persönlichkeit, seine Überzeugungs- und Gestaltungskraft und sein großes Engagement werden uns immer ein Vorbild sein. Die neue Blüte der jüdischen Gemeinschaft haben wir ganz wesentlich der Zuwanderung zu verdanken. Im Bewusstsein der historischen Verantwortung Deutschlands machte Helmut Kohl damals den Weg frei für die Einwanderung von Juden. Die Zahl der jüdischen Gemeindemitglieder hat sich seitdem auf rund 100.000 verdreifacht. Auch dies ist ein bleibendes Verdienst Helmut Kohls.«

Benjamin Netanjahu, Premierminister Israels
»Als einer der besten Freunde Israels war er der Sicherheit des jüdischen Staates voll verpflichtet. Kohl war ein Staatsmann, der Deutschland mit fester und entschlossener Hand vereinigte. Seine Bewunderung für Israel und den Zionismus brachte er in unseren vielen gemeinsamen Begegnungen und in seiner resoluten Haltung für Israel, die er fortwährend in Europa und in internationalen Foren vertrat, zum Ausdruck.«

Maram Stern, Jüdischer Weltkongress

»Helmut Kohl war nicht nur der Kanzler der deutschen Einheit, er war auch einer der großen europäischen Staatsmänner des 20. Jahrhunderts. Dank ihm gibt es heute eine starke Europäische Union, die den Frieden in Europa sichert und die auch Minderheitenrechte schützt. In der jüdischen Welt war Helmut Kohl nicht immer unumstritten; sein Wort von der ›Gnade der späten Geburt‹ war problematisch und sein Besuch mit Ronald Reagan in Bitburg 1985 eindeutig ein Fehler. Dennoch war er es, der die Einwanderung vieler Juden aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland ermöglichte und so mithalf, dem jüdischen Leben in Deutschland zu neuer Blüte zu verhelfen. Er war auch ein enger Partner Israels. Dafür gilt ihm unsere Hochachtung und große Wertschätzung.«

Küf Kaufmann, Jüdische Gemeinde Leipzig und Zentralrat der Juden
»Ich kam in die DDR im September 1990 kurz vor der Wiedervereinigung. Ich war von Helmut Kohl als Politiker fasziniert, wie er mit positiver Wirkung seine Politik mit der damaligen Sowjetunion geführt hat. Heute kann ich meine Begeisterung für Helmut Kohl mit der Begeisterung der Deutschen von damals über Michail Gorbatschow vergleichen. Als ich erfahren habe, was Helmut Kohl für jüdische Einwanderer aus der UdSSR (also für mich) getan hat, war ich einfach nur dankbar.«

Yakov Hadas-Handelsman, Botschafter Israels in Deutschland
»Ich selbst hatte das Glück und die Ehre, Helmut Kohl und seine Frau Maike Kohl-Richter noch 2014 in ihrem Haus in Ludwigshafen zu besuchen. Wie sehr ich Helmut Kohl als Politiker und Menschen geschätzt habe, konnte ich ihm an diesem sonnigen Tag im Garten ihres Hauses noch einmal sagen.«

Sicherheit

Der NATO-Gipfel darf nicht zum Kniefall vor dem nationalislamistischen Autokraten Erdoğan werden

Ein Kommentar von Ali Ertan Toprak

von Ali Ertan Toprak  08.07.2026

Nahost

US-Militär meldet Angriffe auf Ziele im Iran

USA reagieren auf Beschuss von Schiffen in der Straße von Hormus

 08.07.2026 Aktualisiert

Interview

»Ich würde gerne mit Benjamin Netanjahu sprechen«

Der umstrittene Podcaster Ben Berndt schreibt Mediengeschichte. Sein YouTube-Format »Ungeskriptet« erreicht Millionen. Ein Gespräch

von Sven Gösmann, Stella Venohr  07.07.2026 Aktualisiert

Jerusalem

Deutschland verfünffacht Beitrag für Yad Vashem

Die Gedenkstätte Yad Vashem in Israel erinnert an die von den Nationalsozialisten ermordeten Juden. Die Bundesrepublik will sich künftig verstärkt an der Finanzierung beteiligen

 07.07.2026

Nahost

Schon wieder Tanker in der Straße von Hormus beschossen

Viele Details gibt es zunächst nicht. Klar ist: Normal befahrbar ist die Straße von Hormus noch immer nicht

 07.07.2026

Berlin

Antisemitischer Pöbler soll radikaler Palästina-Aktivist sein

Am Samstag beschimpfte ein Mann ein Pärchen mit Kind mit den Worten »Fuck Jews«. Jetzt stellt sich heraus: Der Täter hat eine politisch bewegte Vergangenheit

 07.07.2026

Frankreich

Präsidentschaftskandidatin mit Fußfessel?

Ein Gericht hat die Gründerin des Rassemblement National wegen massiver Veruntreuung von EU-Geldern verurteilt. Sich für die Nachfolge von Emmanuel Macron bewerben darf Marine Le Pen dennoch - mit einer wichtigen Einschränkung

 07.07.2026

Schweiz

Ein Jahr Gefängnis für jugendlichen Täter

Der Schweizer mit tunesischen Wurzeln hatte am 2. März 2024 auf der Straße einen orthodoxen Juden niedergestochen. Am Dienstag wurde der 17-Jährige verurteilt

von Nicole Dreyfus  07.07.2026

Straßburg

Parteienfamilie der AfD auf EU-Ebene kommt auf den Prüfstand

Die rechte Parteienfamilie Europa der souveränen Nationen (ESN) steht im Visier der Aufsichtsbehörde. Es geht um mögliche Verstöße gegen Kernwerte der EU. Auf dem Spiel stehen Fördermittel

von Valeria Nickel  07.07.2026