Meinung

Friede, Terror und Islam

Nach Attentaten islamistischer Extremisten reagieren etliche Muslime reflexartig. »Das hat nichts mit dem Islam zu tun«, heißt es dann immer wieder. Aber mit dieser Distanzierung machen wir es uns zu einfach, denke ich.

Wir Muslime vermeiden das Problem, wenn wir nach solchen scheußlichen Taten uns selbst und anderen versichern, Gewalt und Islam gehörten nicht zusammen – und dies womöglich mit einem Koranvers, der in aller Kürze so geht: Wer einen Menschen tötet, der tötet die ganze Menschheit.

debatte Ja, Islam und Gewalt passen nicht zusammen – nach dem Verständnis der großen Mehrheit von Muslimen. Es hilft aber nicht weiter, wenn wir wie Vogel Strauß vorgehen. Islamwissenschaftler und islamische Theologen weisen immer wieder darauf hin, dass es einer Debatte über die »kritischen« Koranpassagen und historischen Quellen bedarf. Diese Diskussionen müssen geführt werden, nicht nur in den heiligen Hallen der Wissenschaft. Wir tragen nicht zur Lösung des Problems bei, wenn wir die Augen davor verschließen, dass es durchaus Koraninterpretationen gibt, die Radikalisierung begünstigen und produzieren – etwa das wahabitisch-salafistische Islamverständnis.

Auch hier bei uns werden Kinder und Jugendliche so erzogen, dass sie den Islam für die bessere Religion halten. Deswegen werden sie nicht alle Extremisten, aber auch nicht unbedingt zu Verteidigern der offenen Gesellschaft. Es wäre eine Lüge, wenn ich sagte: Ich kenne keinen einzigen Muslim, der libertäre Lebensstile verachtet.

Die Frage, die mich beschäftigt: Warum ist das so? Woher kommt die Verachtung für das, was sie als unislamisch ansehen? Ich habe mehr Fragen als Antworten. Fragen, die mit der Formel »Islam ist Frieden« nicht beantwortet sind. Wenn Menschen sich an religiösen Instanzen orientieren, die zum durchaus gewalttätigen Kampf gegen »Ungläubige« aufrufen, wenn diese Menschen im Namen des Islam bomben, köpfen, metzeln und andere Grausamkeiten begehen, dann gelingt es mir nicht, zu sagen, dass dies mit dem Islam nichts zu tun hat.

Muslime, die die Vorzüge der Demokratie tagtäglich erleben und Meinungsfreiheit und Gleichberechtigung wertschätzen, verteidigen diese Werte am besten, wenn sie die Gewalt und deren Verherrlichung im Namen des Islam als ein Problem des Islam und seiner Interpretation benennen.

Die Autorin ist freie Journalistin in Frankfurt am Main.

Die Linke

Neuer Kopf, neue Linie

Luigi Pantisano wird voraussichtlich der nächste Vorsitzende der Linkspartei. Wofür steht der 46-Jährige?

von Ralf Fischer  11.06.2026

Krieg

Trump droht Mullahs mit »vollständiger Kontrolle« der iranischen Öl-Industrie

Darüber hinaus kündigte der US-Präsident auch weitere Angriffe an

 11.06.2026

Berlin

Streit an der TU um Beschlüsse der studentischen Vollversammlung

Besonders umstritten ist die Forderung, bestehende institutionelle Beziehungen zu israelischen Unis auszusetzen und überprüfen zu lassen. Eine jüdische Studentengruppe widerspricht

 11.06.2026

Berlin

Jüdischer Juristenverband als herausragende soziale Initiative ausgezeichnet

Die Organisation jüdischer Juristen ist eines von 25 Projekten, die vom Verein »startsocial« für ihr Engagement gewürdigt wurden. Gastgeber der Ehrenveranstaltung war Bundeskanzler Friedrich Merz

 11.06.2026

Debatte

Soll die Bevölkerung in der Schweiz auf 10 Millionen begrenzt werden?

Ein Pro & Contra

von Jessie Katz, Zsolt Balkanyi-Guery  11.06.2026

Washington D.C.

Bill Gates: Epstein hat mich erpresst

Der Sexualstraftäter habe sein Wissen um seine Untreue ausnutzen wollen, sagt der Microsoft-Mitgründer. Er räumt aber auch Fehler ein

 11.06.2026

Dresden

Elnet: Initiative soll Neugier auf jüdisches Leben wecken

Die Kampagne ist Teil des Themenjahres »Tacheles. Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026« und wird zunächst sechs Wochen sichtbar sein

 11.06.2026

Hass auf der Bühne

»Hofnarr der Hamas«: Kritik an Auftritt von Bassem Youssef in Berlin

Der amerikanisch-ägyptische Comedian relativiert die Hamas-Verbrechen vom 7. Oktober und verbreitet Verschwörungsmythen über Israel. Nun werden Forderungen nach einer Absage seiner Vorstellung im Tempodrom laut

von Imanuel Marcus  11.06.2026 Aktualisiert

Ramallah

Externe Prüfung geht von Ende der palästinensischen Terror-Renten aus

Vorläufige Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Sozialleistungen der PA nicht mehr an die Dauer von Haftstrafen sogenannter »Märtyrer« gekoppelt sind

 11.06.2026