Martin Krauss

Frank, Cohn und weitere sechs Millionen

Martin Krauss Foto: Stephan Pramme

Martin Krauss

Frank, Cohn und weitere sechs Millionen

Die in der Schoa ermordeten Menschen dürfen nicht vergessen werden

 27.06.2019 08:39 Uhr

Man muss nicht eigens betonen, wie wichtig es ist, Anne Frank in Erinnerung zu behalten. Das Schicksal des Frankfurter Mädchens, das im Februar 1945 im KZ Bergen-Belsen ums Leben kam, erzählt viel über den Antisemitismus der Nazis, über ihre Mordlust und über das, was man zum Thema Schoa wissen sollte.

Zu Recht gilt das Tagebuch der Anne Frank daher vielerorts als Pflichtlektüre, und zum Glück erlebt es bis zum heutigen Tag Millionenauflagen.

Schoa Doch wer gedenkt Karolina Cohns? Wie Anne Frank wurde sie 1929 in Frankfurt geboren, wie Anne Frank in der Schoa ermordet. Aber von ihr gibt es weder Tagebücher noch andere Aufzeichnungen. Von Karolina Cohn wurde – immerhin, möchte man beinahe formulieren – in Sobibor ein Amulett gefunden, und zwar eines, wie es auch Anne Frank besaß.

Es ist also das Gedenken an Anne Frank, das hilft, auch Karolina Cohn vor dem Vergessen zu bewahren. Das lehrt uns zum einen, wie wertvoll die Erinnerung an Anne Frank ist; zum anderen offenbart es aber auch die erinnerungspolitische Schwäche, sich fast ausschließlich auf sie zu fokussieren.

Beim sympathischen Versuch, mit dem jungen Mädchen Schoa-Opfern ein Gesicht zu geben, schwingt die Gefahr mit, die sechs Millionen Gesichter der anderen Ermordeten nicht mehr zu erkennen.

Claims Conference Auch das Gesicht von Karolina Cohn ist nicht bekannt. An sie erinnert ein Stolperstein, der auf Initiative der Claims Conference in Frankfurt verlegt wird. Es mussten aufwändige Recherchen betrieben werden, um einige biografische Details über ihr Leben herauszufinden. Ein Foto gehörte leider nicht dazu.

Die Lehre, die uns Karolina Cohn hinterlässt, ist also nicht weniger wichtig als die, die wir Anne Frank verdanken: Frank gab durch ihr Tagebuch selbst Zeugnis über ihr Leben und über die Verfolgung, der sie und ihre Familie ausgesetzt waren.

Cohn gibt uns die Aufgabe mit, nie bloß stellvertretend der Millionen Mordopfer zu gedenken, sondern nicht eher Ruhe zu geben, bis alles über das Leben, das Denken und Fühlen der Ermordeten erfasst wurde. Es ist also unsere Aufgabe, nie Ruhe zu geben.

krauss@juedische-allgemeine.de

Nahost

US-Militär will ab sofort Straße von Hormus blockieren

Donald Trump möchte verhindern, dass der Iran Gebühren von Schiffen durch die Meerenge verlangt. Jetzt will das US-Militär die Kontrolle der Straße von Hormus übernehmen

 13.04.2026

Gedenken

Brandenburg erinnert an KZ-Befreiung

Weit über 300.000 Menschen waren unter dem NS-Regime in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Ravensbrück inhaftiert. Zehntausende von ihnen kamen dort zu Tode. Zum Gedenken an die Befreiung werden diesmal noch fünf Überlebende erwartet

 13.04.2026

Nahost

Hinrichtungen im Iran auf 35-Jahres-Rekordhoch

Im Iran wurden 2025 laut Iran Human Rights mindestens 1.639 Menschen hingerichtet – ein Höchststand seit 35 Jahren. Menschenrechtsorganisationen fordern Konsequenzen

 13.04.2026

Urteil

Mustafa A. soll Lahav Shapira nicht aus Antisemitismus fast tot geschlagen haben

Der 25-Jährige wurde ursprünglich zu drei Jahren Haft verurteilt. Jetzt hat ein Berufungsgericht die Strafe abgemildert. Das Opfer der Tat nennt die Entscheidung »traurig«

 13.04.2026 Aktualisiert

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Fünf Gründe, den jüdischen Staat zu lieben – mit all seinen Stärken und Schwächen

von Daniel Neumann  13.04.2026

Ungarn

So reagiert die europäische Presse auf Orbans Abwahl

Nach 16 Jahren endet die Orban-Herrschaft in Ungarn. Internationale Medien werten den Ausgang der Wahl als Dämpfer für Putin und Trump – und als Warnsignal für die politische Rechte

 13.04.2026

Gedenken

Zwischenrufe bei Weimer-Rede in Buchenwald

Schon im Vorfeld hatte es Kritik am Auftritt des Kulturstaatsministers beim Buchenwald-Gedenken gegeben. Auch vor Ort gab es Gegenwind. Das sagt Weimer selbst dazu

 13.04.2026

Thüringen

»Kufiyas in Buchenwald« wollen schon am Samstag demonstriert haben

Die Gruppe »Kufiyas in Buchenwald« durfte am Sonntag laut Gerichtsbeschluss nicht an der KZ-Gedenkstätte demonstrieren. Nach eigenen Angaben haben sie einen anderen Weg gefunden

 13.04.2026

Terror

Israel: Wir wollen ein echtes Friedensabkommen mit dem Libanon

Israel und der Libanon wollen erstmals seit Jahrzehnten direkte Gespräche auf politischer Ebene führen. Premier Netanjahu fordert als Ziel ein Friedensabkommen, das über Generationen halten soll

 13.04.2026