USA

»Es war außerordentlich frustrierend«

Moderator Chris Wallace (l.) hatte sichtlich Mühe, die Kontrahenten zu einer sachlichen Debatte zu bewegen. Foto: imago images/UPI

Nach einer chaotischen ersten Fernsehdebatte zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden sollen die nächsten beiden Rededuelle unter anderen Regeln stattfinden. Es werde neue Mittel geben, um für Ordnung zu sorgen, teilte die Kommission für Präsidentschaftsdebatten nun mit. Das parteiunabhängige Gremium organisiert seit 1988 die Fernsehduelle vor Präsidentschaftswahlen.

In einer Stellungnahme hieß es, das erste Duell habe verdeutlicht, dass es zusätzliche Strukturen brauche, um eine geordnetere Diskussion zu ermöglichen. Welche dies sein sollen, werde man in Kürze verkünden. Es soll unter anderem im Gespräch sein, dass der Moderator die Möglichkeit bekommen soll, die Mikrofone abzuschalten.

Laut einer Analyse der Zeitung »The Washington Post« unterbrachen die Kandidaten sich oder den Moderator 90 Mal.

LAUTSTARK Trump war Biden bei der Debatte am Dienstagabend immer wieder lautstark ins Wort gefallen. Dieser ging daraufhin zu Konterangriffen über. Beide überzogen sich zudem mit Beleidigungen. Moderator Chris Wallace, der im Juli dieses Jahres für sein TV-Interview mit US-Präsident Trump sehr gelobt wurde, gelang es nicht, für Ordnung zu sorgen. Laut einer Analyse der Zeitung »The Washington Post« unterbrachen die Kandidaten sich oder den Moderator 90 Mal innerhalb der anderthalbstündigen Debatte. Für 71 Unterbrechungen war demnach Trump verantwortlich.

Der »New York Times« sagte Wallace – Kind jüdischer Eltern, geboren 1947 in Chicago, Illinois – nun, er habe nicht schnell genug erfasst, dass Trump weiterhin unterbrechen werde. »Ich schätze, ich habe nicht erkannt, (...) dass das die Strategie des Präsidenten sein würde, nicht nur für den Beginn der Debatte, sondern für die gesamte Debatte.«

Biden nannte das Duell hinterher eine »nationale Schande«.

Die ABC-Journalistin Martha Raddatz, die eine der drei TV-Debatten zwischen Trump und Hillary Clinton im Jahr 2016 moderiert hatte, sagte, es sei für Wallace nahezu unmöglich gewesen, anders zu reagieren. Sie hätte die Debatte in der Situation möglicherweise unterbrochen.

KONTROLLE MSNBC-Journalist Joe Scarborough hatte sich am Abend der Debatte auf Twitter zunächst erbost darüber gezeigt, dass Wallace die Kontrolle verloren hatte. Am Donnerstagmorgen sagte er in der Sendung »Morning Joe«: »Obwohl es außerordentlich frustrierend war, denke ich, dass wir alle einmal in seiner Haut stecken müssen, bevor wir am Morgen danach sagen: «Er hätte dies tun können, er hätte das tun können».«

Biden nannte das Duell hinterher eine »nationale Schande«. Die Teams beider Kandidaten sagten jedoch zu, auch an den kommenden beiden Debatten teilnehmen zu wollen. Trumps Wahlkampfsprecher Tim Murtaugh sagte, die Kommission wolle nur Änderungen, weil ihr Wunschkandidat von Trump vorgeführt worden sei. »Präsident Trump war die dominierende Kraft und jetzt versucht Joe Biden, die Schiedsrichter zu bearbeiten.«

Die nächsten beiden TV-Duelle finden am 15. und 22. Oktober statt. Die Debatte am 15. Oktober in Miami wird von Steve Scully vom Sender C-SPAN moderiert - sie soll im Townhall-Format ablaufen, in dem das Publikum Fragen stellen kann. Das würde es ohnehin erschweren, dass sich die Politiker gegenseitig ins Wort fallen. Die dritte und letzte Debatte leitet Kristen Welker von NBC News. dpa

Meinung

Reformprogramm der Bundesregierung: Auf schmalem Grat

Ein Sozialstaat, der Sicherheit verspricht und Misstrauen praktiziert, ist ein Signal für jene Kräfte, die von Angst und Spaltung leben

von Günter Jek  12.07.2026

Erfurt

Voigt: Gespräch über Simson-Sonderstatus mit der EU

Die auf eine jüdische Familie zurückgehenden Simson-Mopeds sind mehr als DDR-Nostalgie: Sie können mit Tempo 60 fahren und verheißen jungen Leuten Mobilität. Doch Reimporte müssen langsamer fahren. Worin das Problem liegt

 12.07.2026

München

Anne Applebaum: Darum sollten CDU und AfD nicht kooperieren

Die jüdische US-Historikerin befasst sich mit den Gefahren für demokratische Gesellschaften. Im Interview mit der »Süddeutschen Zeitung« legt sie ihre Position zu Deutschland und Europa dar

 12.07.2026

Teheran

Gespräche über Straße von Hormus enden ohne Durchbruch

Der Streit um die Straße von Hormus war diese Woche mehrfach militärisch eskaliert. Gespräche im Oman darüber enden zunächst ohne große Fortschritte

 12.07.2026

Washington

US-Militär: Angriffswelle im Iran beendet

In der Nacht haben die US-Streitkräfte laut eigenen Angaben rund 140 militärische Ziele im Iran angegriffen. Dabei habe es sich um einen Vergeltungsschlag gehandelt

 12.07.2026

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Lionel Messis Herkunft und Sympathien rumoren, erzählt der Sohn eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  12.07.2026

Bundesrat

Länder: Aufrufe zur Vernichtung Israels sollen strafbar werden

Der Bundesrat hat am Freitag einen Vorschlag Hessens gebilligt, wonach die öffentliche Leugnung des Existenzrechts Israels bestraft werden soll. Ob ihn die Bundesregierung aufgreift, ist noch unklar

von Michael Thaidigsmann  10.07.2026

Warschau

Vor 85 Jahren wurden die Juden von Jedwabne ermordet

Ein Massaker 1941 belastet das Verhältnis von Juden und Polen: Anstifter waren Deutsche, doch die Täter waren Polen. Ein Ex-Präsident hat zu dem Gedenktag eine klare Botschaft

 10.07.2026

Ramallah

Abbas kündigt Wahlen an

Der Chef der Palästinensischen Autonomiebehörde legt den 28. November als Termin für die Neuwahl des Parlaments fest, 2027 soll auch über die Präsidentschaft neu abgestimmt werden.

 10.07.2026