Interview

»Es gibt ein Unbehagen«

Shimon Stein Foto: Gregor Zielke

Interview

»Es gibt ein Unbehagen«

Shimon Stein über den Zustand der deutsch-israelischen Beziehungen

von Ingo Way  21.02.2012 09:39 Uhr

Herr Stein, wie ist das aktuelle Verhältnis zwischen Deutschland und Israel?
Ich stelle eine gewisse Verschlechterung der Beziehungen auf der politischen Ebene fest. Es besteht ein Unbehagen der politischen Klasse gegenüber dem Verhalten der israelischen Regierung. Dieses Unbehagen kommt auch zum Ausdruck, was vorher nicht der Fall war. Seit dem Israel-Besuch von Angela Merkel Anfang 2011 geht man mit Differenzen nicht diskret um, sondern spricht sie öffentlich an.

Was sind die Gründe für das Unbehagen?
Anlass war der Siedlungsbau in Ostjerusalem. Ein Unbehagen entstand auch über die israelische Haltung zum »Arabischen Frühling«. Die Europäer sehen darin Chancen, und das erwartet man auch von Israel.

Wendet sich die Bundesregierung von Israel ab?
Mit Meinungsunterschieden kann man leben. Deutschland stellt sich immer noch an die Seite Israels, etwa als in der UN über einen palästinensischen Staat abgestimmt werden sollte. Da hat sich die Kanzlerin klar positioniert, als sie erklärte, dass man gegen einseitige Maßnahmen auf beiden Seiten ist. Wie gesagt, Nuancen sind durchaus zu sehen.

Was hat sich geändert?
Hat man vorher die Differenzen nicht öffentlich ausgetragen, meint man jetzt, dass die Zivilgesellschaft informiert werden soll. Da in einem demokratischen Land die Zivilgesellschaft eine Rolle spielt, begrüße ich, dass die Kanzlerin die israelische Öffentlichkeit über die Meinungsunterschiede informiert hat.

Ist die Freundschaft mit Israel schwächer geworden?
Man sollte mit dem Begriff Freundschaft ohnehin vorsichtig umgehen. Manche werten das, was zwischen beiden Ländern vor dem Hintergrund des Zivilisationsbruchs der Schoa entstand, als Freundschaft. Für andere ist »Verbundenheit mit Israel« ein Teil der Sonntagsreden. Aber ich glaube, an Merkels Positionierung zu Israel kann kein Zweifel entstehen. Kein Politiker vor ihr hat den jüdischen Charakter Israels so offen angesprochen.

Reicht es, das nur anzusprechen?
Die Frage ist, wo Deutschland sich positionieren wird, wenn es etwa um die Auseinandersetzung mit dem Iran geht. Was bedeutet es dann, sich für »Existenz und Sicherheit« Israels einzusetzen? Auf diese Frage bekommt man von Politikern sehr zurückhaltende Antworten.

Was erwarten Israelis von Deutschland in Zeiten der Krise?
Man erwartet von Deutschland nicht, uns zu schützen, das brauchen wir auch gar nicht. Aber man erwartet zum Beispiel, dass Deutschland in internationalen Foren wie der UNO oder der EU zu Israel steht.

Sehen Israelis Deutschland heute positiver, als Deutsche Israel sehen?
Eindeutig. Umfragen zufolge steht die deutsche Öffentlichkeit Israel negativ oder indifferent gegenüber, während Israelis Deutschland ambivalent oder sogar positiv sehen.

Mit dem früheren israelischen Botschafter in Deutschland sprach Ingo Way.

Nahost

Weiterer Tanker in der Straße von Hormus angegriffen

Der Iran blockiert den Schiffsverkehr durch die für den globalen Ölhandel wichtige Meerenge immer noch weitestgehend. Erneut wird ein Tanker zum Ziel eines Angriffs

 27.08.2026

Das 9/11 Memorial, das an die rund 3000 Opfer der Terroranschläge am 11. 09. 2001 auf das World Trade Center erinnert

Terrorismus

Prozess gegen 9/11-Drahtzieher für 2028 geplant

Der Prozess gegen Khalid Scheich Mohammed, den mutmaßlichen Chefplaner der Anschläge vom 11. September, soll 2028 in Guantánamo beginnen – fast 27 Jahre nach der Tat

 27.08.2026

Magdeburg

AfD legt weiter zu

In einer neuen Wahlumfrage von Infratest dimap steht die Rechtsaußenpartei in Sachsen-Anhalt bei 42 Prozent

 27.08.2026

Einspruch

Das Problem mit dem Zivildienst

Rebecca Seidler sieht bei einer möglichen Rückkehr der »Zivis« viele Vorteile – und eine große Herausforderung

von Rebecca Seidler  26.08.2026

Meinung

Mehr Schutz durchs Grundgesetz

Was für die LGBTIQ-Gemeinschaft zutrifft, sollte auch für den Schutz jüdischer Identität gelten

von Susanne Krause-Hinrichs  26.08.2026

Schweiz

Gewalt-Demo gegen Israel in Basel verboten

Die Polizei hält die geplante Anti-Israel-Demo, bei der die Organisatoren »Tod dem Zionismus« wünschen, für nicht bewilligungsfähig

von Nicole Dreyfus  26.08.2026

RIAS-Jahresbericht

Mehr antisemitische Vorfälle in Thüringen

Gewaltandrohungen und Angriffe gab es vor allem im öffentlichen Raum

 26.08.2026

Kiel

Schleswig-Holstein setzt Zeichen gegen Antisemitismus

Jüdinnen und Juden im nördlichsten Bundesland sind verunsichert. Die Landesregierung beschließt nun einen Aktionsplan gegen Judenhass

 26.08.2026

Interview

»Der politische Islam will die Gesetze im Sinne der Scharia verändern«

Der Investigativjournalist Sascha Adamek über die stetige islamistische Unterwanderung der Gesellschaft

von Ninve Ermagan  26.08.2026