Einspruch

Es geht um ein Stück Freiheit

Yehuda Bauer Foto: Uwe Steinert

Wenn von dem neuen Gesetz, das bald in Polen verabschiedet werden soll, die Rede ist, heißt es meist: Künftig steht die Rede von »polnischen Todeslagern« unter Strafe. Dass eine solche Formulierung falsch ist, bestreitet ja kein Mensch.

Selbstverständlich haben die Polen recht, wenn sie die Behauptung, deutsche KZs seien von Polen betrieben worden, zurückweisen. Doch dieser Punkt wird von der Regierung in Warschau deswegen so sehr in den Vordergrund geschoben, damit sie andere Maßnahmen, die sie auch juristisch verfolgen will, dahinter verstecken kann.

judenverfolgung Auch die These, dass Polen Mittäter bei der Judenverfolgung waren, soll verboten werden. Dabei ist es eine historische Tatsache, dass eine große Anzahl Polen an der Verfolgung und Ermordung von Juden mitwirkten. Wenn das nicht mehr gesagt werden darf, wenn dazu nicht mehr geforscht werden darf, ist das ein Skandal.

Die nationalkonservative Regierung in Warschau bedient mit diesem Gesetz ihre Klientel. Deren Nationalismus geht einher mit einem ausgeprägten Antisemitismus. Vor allem ist dieses neue Gesetz der Versuch, liberale Polen zu attackieren. Gerade in der geschichtswissenschaftlichen Forschung arbeiten viele Historiker zu den Fragen, die jetzt kriminalisiert werden sollen.

forschungsgelder Das sind renommierte Kollegen wie Jan Tomasz Gross und Jan Grabowski, die im Ausland forschen. Aber das sind auch viele liberale Historiker im Lande, wie etwa Barbara Engelking, die in Warschau das »Zentrum zur Erforschung der Judenvernichtung« leitet. Bei ihnen geht es um Forschungsgelder, Stipendien, Gehälter.

Solidarität mit diesen Historikern ist etwas anderes als die aktuellen Gespräche zwischen Polen und Israel. Wenn die Regierungschefs nach zunächst scharfen Worten doch zueinander finden, dann sprechen da Politiker, Menschen also, die von historischen Tatsachen und geschichtswissenschaftlichen Problemen nichts verstehen. Denen dürfen wir die Freiheit der Wissenschaft nicht überlassen.

Der Autor ist Historiker und einer der weltweit renommiertesten Schoa-Forscher.

Berlin

Amnesty International ruft Hamas zum Ende der Gewalt auf

Gewalt und außergerichtliche Hinrichtungen durch die Terrororganisation auch gegen Palästinenser kommen laut UN regelmäßig vor. Menschenrechtler fordern ein sofortiges Ende dieser Verbrechen

von Anna Mertens  21.08.2026

Erfurt

Deutsch-israelischer Jugendaustausch kommt nicht voran

Thüringens Antisemitismusbeauftragter Michael Panse sieht strukturelle und politische Gründe. Auch ein Austauschprogramm stockt

von Matthias Thüsing  21.08.2026

Wahlkampf der AfD mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund

Magdeburg

Wie sich die AfD auf eine mögliche Regierung vorbereitet

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt könnte der rechtsextremistischen AfD erstmals den Weg in eine Landesregierung öffnen. Mit Schulungen, einem Personalpool und Hilfe aus Österreich bereitet sie sich seit langem darauf vor

von Jörg Ratzsch  21.08.2026

Berlin

Bezirk prüft Entzug der Zulassung von antisemitischem Influencer als Berufsbetreuer

Auf Instagram verbreitet er Judenhass und Verschwörungsmythen, im Job soll er Berufstätige mit Herausforderungen betreuen. Passt das zusammen?

 21.08.2026

Iran-Konflikt

Nach Berichten über Missstände: US-Flugzeugträger »USS George Washington« löst Pannenschiff ab

Die »USS Abraham Lincoln« ist seit Monaten im Mittleren Osten eingesetzt und hat zuletzt wegen erheblicher Probleme an Bord Schlagzeilen gemacht. Nun ist ein neuer Flugzeugträger in der Region angekommen

 21.08.2026

Benjamin Graumann Jüdische Gemeinde Frankfurt

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  21.08.2026

Berlin/Brüssel/Jerusalem

Sieben Staaten und EU verlangen Stopp von Siedlungsprojekt im Westjordanland

Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und weitere Länder fordern Israel auf, die geplante Bebauung zu stoppen. Die EU bereitet offenbar ein Sanktionspaket vor

 21.08.2026

Khan Younis

Israel wirft Hamas Folter in Klinik vor

Die Terrororganisation soll ein Krankenhaus im Süden des Gazastreifens als Folterzentrale nutzen, um ihre Macht über die Bevölkerung auszubauen

 20.08.2026

Berlin

Diskriminierung wegen falscher Hummus-Aussprache?

Im Ortsteil Prenzlauer Berg soll ein arabisches Restaurant einen israelischen Gast wegen der vermeintlich falschen Aussprache des Kichererbsengerichts nicht bedient haben. Das Lokal widerspricht dem Vorwurf

 20.08.2026