Rom

Entschädigungsstreit: Italien stärkt ausländische NS-Opfer

SS-Mitglieder am Tag des Massakers, dem 10. Juni 1944, in Distomo Foto: picture-alliance/ dpa

Im Streit um Entschädigungen für NS-Verbrechen hat Italiens höchstes Gericht eine Entscheidung zugunsten von Auslandsopfern getroffen. Demnach dürfen ausländische Opfer des Nationalsozialismus weiter versuchen, auf bestimmte Vermögenswerte der Bundesrepublik in Italien zuzugreifen – etwa bei staatseigenen Unternehmen wie der Deutschen Bahn.

Ausgangspunkt ist eine Klage griechischer Opfer des NS-Massakers von Distomo vom 10. Juni 1944, bei dem die Waffen-SS 218 Bewohner des Dorfes massakrierte. Ein griechisches Gericht sprach den Hinterbliebenen bereits 1997 eine Entschädigung zu. Da das Urteil dort nicht vollstreckt wurde, versuchen die Kläger, ihre Ansprüche in Italien durchzusetzen.

Ihre Vollstreckungsklage richtete sich auch gegen die Deutsche Bahn AG. Die Kläger argumentierten, dass sich über Vermögenswerte staatlicher Unternehmen wie der Bahn Geld eintreiben lasse. Diese wehrte sich dagegen und bestritt, für solche Forderungen haftbar gemacht werden zu können. 

Kinder im Mausoleum für die Opfer des SS-Massakers von DistomoFoto: picture alliance / AP Photo
Zugang zu Entschädigungsfonds

Italien hatte 2022 ein Gesetz erlassen, das Vollstreckungen gegen deutsches Vermögen eigentlich stoppen sollte – auch um den Konflikt mit Deutschland zu entschärfen. Stattdessen wurde ein staatlicher Entschädigungsfonds eingerichtet, der jedoch nur für Opfer in Italien oder italienische Staatsbürger gilt. Ausländische Opfer von Verbrechen im Ausland sind davon ausgeschlossen.

Lesen Sie auch

Das Kassationsgericht in Rom entschied deswegen bereits Anfang April: Der Vollstreckungsstopp gilt nur für diejenigen, die Zugang zu dem Entschädigungsfonds haben. Nichtitaliener, wie die griechischen Kläger, können weiterhin versuchen, ihre Ansprüche in Italien zu vollstrecken – aber nur gegen das in Italien befindliche Vermögenswerte der Bundesrepublik.

Weitere Runde in dem Streit?

In Griechenland wurde die Entscheidung begrüßt. Der Bürgermeister von Distomo, Giannis Stathas, bezeichnete in Regionalmedien die Entwicklung als »entscheidend für den Kampf der Familien«. Zugleich forderte er, dass diese ohne Hindernisse umgesetzt werde.

Griechische Juristen sagen jedoch, dass der Streit damit nicht beendet sei. Der Vollstreckungsprozess könnte erneut gestoppt werden – entweder durch eine Klage Deutschlands vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag oder durch ein erneutes gesetzgeberisches Eingreifen der italienischen Regierung. dpa

Nahost

Wie der Konflikt im Libanon den US-Deal mit Iran gefährdet

Der Gesprächsbeginn zwischen Washington und Teheran in der Schweiz lässt auf sich warten. Derweil spitzt sich die Lage zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon zu. Es gibt Tote auf beiden Seiten

von Hans Dahne, Christoph Meyer, Mathis Richtmann  19.06.2026

Meinung

Wie Holger Friedrich und seine »Berliner Zeitung« Juden instrumentalisieren

Ob in der Debatte über den Umgang mit KI oder Kreml-Diktator Wladimir Putin: Der Verleger interessiert sich nur dann für Juden, wenn es seinen Interessen dient

von Matthias Meisner  19.06.2026

Berlin

Nouripour zu Iran-Rahmenabkommen: »Weg in Normalität für Regime«

Ist das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran ein Weg in den Frieden? Bundestagsvizepräsident Nouripour bezweifelt das. Die Übereinkunft gebe dem Iran vielmehr »eine andere Legitimität«

 19.06.2026

Bayreuth

Bayreuther Gedenkveranstaltung mit Michel Friedman soll nun doch stattfinden

Eine Gedenkveranstaltung zum Bayreuther Festspieljubiläum wird geplant, dann abgesagt. Michel Friedman und Charlotte Knobloch zeigen sich entsetzt – jetzt rudert das weltbekannte Opernfestival zurück

 19.06.2026

Washington D.C.

Republikaner kritisieren Trumps Iran-Abkommen ungewöhnlich scharf

»Die Geschichte zeigt, dass es eine außergewöhnlich schlechte Idee ist, Milliarden Dollar an theokratische Verrückte zu geben, die uns ermorden wollen«, sagt Senator Ted Cruz

 19.06.2026

Wahlkampf in Israel

Trump signalisiert Unterstützung für Netanjahu

»Ich werde mir ansehen müssen, wer kandidiert, aber ich mag Bibi sehr«, sagt der amerikanische Präsident

 19.06.2026

Genf

Absage aus Bern: Heute keine USA-Iran-Gespräche

Abkommen unterzeichnet, Treffen abgesagt: Die geplante Gesprächsrunde in der Schweiz findet heute doch nicht statt

 19.06.2026

Bayreuth

Scharfe Kritik nach abgesagter Gedenkveranstaltung

Eine Gedenkveranstaltung zum Festspieljubiläum wird geplant, dann abgesagt. Charlotte Knobloch ist entsetzt über die Bayreuther Festspiele

 19.06.2026

Essay

Zwischen Progressivität und Zerfaserung

Quo vadis, liberales Judentum? Ein Debattenbeitrag von Avitall Gerstetter

von Avitall Gerstetter  19.06.2026