NRW

Einladung von Terrorunterstützerin: Jüdische Gemeinde fordert Konsequenzen

Die Düsseldorfer Kunstakademie Foto: picture alliance/dpa

Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf und das Jüdische Forum der CDU in Nordrhein-Westfalen fordern nach der Einladung der Künstlerin Basma al-Sharif durch die Kunstakademie Düsseldorf politische Konsequenzen. In einer gemeinsamen Stellungnahme sprechen sie von einem gravierenden Vorgang, der nicht folgenlos bleiben dürfe.

Die Einladung markiere eine klare Grenze, »nach deren Überschreitung politische Konsequenzen unumgänglich sind«, heißt es in der Erklärung. Trotz zahlreicher Warnungen und Gesprächsangebote habe die Akademieleitung unter Berufung auf die Kunstfreiheit an der Veranstaltung festgehalten. Dadurch sei ein »gefährlicher Präzedenzfall« geschaffen worden, bei dem unter dem Deckmantel akademischer Freiheit Personen eingeladen würden, »die antisemitische Gewalt glorifizieren und sich offen mit terroristischen Organisationen solidarisieren«.

Nach Auffassung der Unterzeichner ignoriert dieses Vorgehen die reale Bedrohungslage für jüdische Studierende und widerspricht den demokratischen Grundwerten, zu deren Schutz öffentliche Hochschulen verpflichtet seien. Wer diese Verantwortung missachte, sei für eine Leitungsfunktion nicht tragbar, erklären die Autoren der Stellungnahme.

Ignoranz und Missachtung

Besonders scharf kritisiert wird die Haltung der Akademieleitung gegenüber staatlichen und sicherheitsrelevanten Institutionen. In der Stellungnahme ist von einer »massiven Ignoranz« die Rede – unter anderem gegenüber dem nordrhein-westfälischen Ministerium für Kultur und Wissenschaft und Ministerin Ina Brandes, die ausdrücklich zu einer Neubewertung der Einladung aufgefordert habe. Ebenso werde der Beschluss des Landtags NRW aus dem Jahr 2019 missachtet, der sich klar gegen die antisemitische BDS-Bewegung positioniert habe.

Lesen Sie auch

Darüber hinaus verweisen die Organisationen auf europäische Sicherheitsbehörden und den deutschen Verfassungsschutz, die die PFLP als Terrororganisation einstufen, mit der sich Basma al-Sharif öffentlich solidarisiert habe. Auch gegenüber den Opfern des Massakers vom 7. Oktober 2023 sei das Verhalten respektlos, da deren Täter durch von al-Sharif verwendete Symbolik glorifiziert worden seien. Insgesamt werde damit die jüdische Gemeinschaft konfrontiert mit der Erfahrung, dass antisemitische Narrative im öffentlichen Raum geduldet würden.

Irritierend sei zudem die Unterstützung der Entscheidung durch die Partei Die Linke Düsseldorf. Solidarität mit Veranstaltern und Künstlerin ersetze nicht die notwendige Solidarität mit jüdischen Studenten, die sich durch solche Entscheidungen ausgegrenzt und bedroht fühlten, heißt es weiter.

Abberufung der Rektorin

Vor diesem Hintergrund fordern die Jüdische Gemeinde Düsseldorf und das Jüdische Forum der CDU NRW die Landesregierung auf, alle verfügbaren Mittel einzusetzen, um politische Verantwortung durchzusetzen. Dazu zählten sowohl personelle Konsequenzen – insbesondere die Abberufung der Rektorin Donatella Fioretti – als auch finanzielle Sanktionen gegenüber der Kunstakademie. Untätigkeit würde den gefährlichen Präzedenzfall weiter verfestigen.

Der entstandene Schaden reiche über den konkreten Einzelfall hinaus. Mit der Entscheidung sei der Weg für eine Normalisierung des Antisemitismus im Hochschulkontext geebnet worden. Öffentliche Räume dürften nicht zu Orten werden, an denen antisemitische Gewalt relativiert oder legitimiert werde.

Politische Entscheidungsträger stünden nun in der Pflicht, klar zu handeln und unmissverständlich deutlich zu machen: »Erstens dürfen Personen, die antisemitischen Terror glorifizieren, weder aus Steuermitteln finanziert noch in öffentlichen Institutionen legitimiert werden.« Und: »Zweitens endet jede Freiheit dort, wo sie ihren moralischen Kompass verliert und zur Rechtfertigung von Menschenverachtung missbraucht wird.«

Berlin

Verfassungsschutz will über Antisemitismus aufklären

Wassermelone, Krake und Demo-Parolen: Der Verfassungsschutz erklärt, welche Symbole und Slogans seiner Einschätzung nach auf Extremismus und Antisemitismus hindeuten können.

 12.05.2026

Brüssel

Pride Parade nimmt Auflagen für jüdische Teilnehmer zurück

Eine Gruppe war mitgeteilt worden, ihre Mitglieder dürften weder Davidsterne noch das Wort »jüdisch« auf Bannern oder Symbolen zeigen

 12.05.2026

New York

Festnahmen bei Zusammenstößen vor Synagoge in Brooklyn

Israelfeindliche Demonstranten skandieren »Palästina gehört nur uns« und »Fuck Israel«. Es kommt zu Rangeleien mit Gegendemonstranten

 12.05.2026

Meinung

Wer definiert das Judentum?

Die Theologische Fakultät der Universität Freiburg im Üechtland verleiht dem messianischen Rabbiner Mark S. Kinzer die Ehrendoktorwürde. Das belastet das jüdische Verhältnis zu einem katholischen Partner

von Zsolt Balkanyi-Guery  12.05.2026

Nahost

Bericht: Vereinigte Arabische Emirate griffen den Iran heimlich an

Eine der Attacken soll Anfang April ein großes Feuer auf einer Raffinerie auf der iranischen Insel Lavan verursacht haben

 12.05.2026

Washington D.C.

Trump erwägt neue Militärschläge gegen Iran

Der US-Präsident bezeichnete die Antwort Teherans auf seinen jüngsten Vorschlag für eine dauerhafte Waffenruhe als »Müll«

 12.05.2026

Essay

Warum ich Zionist bin

Heute ist Zionismus für viele ein Schimpfwort und gleichbedeutend mit Rassismus. Da muss eine Verwechslung vorliegen. Antizionismus ist Rassismus. Der Zionismus ist die selbstverständlichste Antwort auf zweitausend Jahre Verfolgung, Vertreibung und Völkermord

von Mathias Döpfner  12.05.2026

Berlin

Mehr Straftaten gegen Gedenkstätten im vergangenen Jahr

Sachbeschädigung, Volksverhetzung, Diebstahl, Hausfriedensbruch: Die Zahl der Straftaten in und gegen Gedenkstätten ist im vergangenen Jahr gestiegen

 11.05.2026

Brüssel

EU beschließt Sanktionen gegen Israel

Die Europäische Union hat eine politische Einigung für Strafmaßnahmen gegen israelische Siedler erzielt

von Michael Thaidigsmann  11.05.2026 Aktualisiert