Interview

»Eine tiefe Verbundenheit«

»Wer einmal am Strand die Hawdala-Zeremonie erlebt hat, der lernt Zusammengehörigkeitsgefühl kennen«: Dieter Graumann Foto: Rafael Herlich

Herr Graumann, Sie haben die Schirmherrschaft über die Israel-Tage übernommen, die im Rahmen der Jom-Haazmaut-Feiern stattfinden (vgl. S. 9). Warum?
Ich empfinde eine ganz besondere und starke persönliche Nähe zu Israel und zu den Menschen dort, emotional und religiös, aber auch in Hinblick auf unsere gemeinsamen Werte. Oft wird der jüdische Staat hierzulande nur mit dem Nahostkonflikt in Verbindung gebracht. Die bundesweiten Israel-Tage sind daher ein wunderbarer Anlass, das Land in all seiner Vielfalt, seinem kulturellen Reichtum und lebendigen Temperament zu präsentieren.

Können solche Feiern das Interesse an Israel wecken?
Ich hoffe, dass sie nicht nur Interesse wecken, sondern dass die Besucher gleich ihr nächstes Urlaubsziel dabei entdecken. Israel hat nämlich so viel zu bieten. Ob man religiöse Stätten besuchen will, sich für Fortschritte in Sachen Hightech interessiert oder einfach nur lebensfrohe Partys feiern möchte.

Was bedeutet Israel Juden in Deutschland?
Für uns, aber auch für Juden weltweit, ist dieses kleine Land eine starke emotionale Stütze, für viele auch mit spiritueller Dimension. Israel ist in unseren Köpfen und liegt uns am Herzen. Besonders nach dem Grauen der Schoa war der neu gegründete jüdische Staat ein Symbol des Überlebens und Garant für eine sichere Heimstätte.

Muss das Interesse an Israel möglicherweise noch gestärkt werden?
Ich halte es für elementar wichtig, dass gerade unsere Kinder und Jugendlichen viel über den Staat erfahren und ihn vor Ort »erleben« – auch, um sich dann besser äußern zu können, falls man nach Israel gefragt wird. Die Bindung an dieses besondere Land wird und muss auf jeden Fall kraftvoll bleiben.

Kann das junge Menschen in ihrer jüdischen Identität stärken?
In der Tat vermag gerade eine Reise nach Israel die jüdische Identität zu stärken. Dort wird nämlich oft noch deutlicher, dass man nicht unbedingt religiös sein muss, um eine derartige innere Verbundenheit zu spüren. Außerdem: Wenn eine Gruppe von Teenagern gemeinsam zur Klagemauer geht oder am Strand die Hawdala-Zeremonie begeht, so gibt das ein überwältigendes Zusammengehörigkeitsgefühl. Das hält dann oft auch in Deutschland weiter an und stärkt so die jüdische Gemeinschaft.

Unterscheidet sich das Verhältnis der älteren Migrantengeneration zu Israel von dem der sogenannten Alteingesessenen?
Ich glaube, dass wir alle gleichermaßen uns Israel gegenüber tief verbunden fühlen. Gerade, wenn es um politische Unterstützung geht, stehen oft die älteren Zuwanderer an vorderster Stelle. So vielfältig die jüdische Gemeinschaft in Deutschland heute auch ist, so sehr wir uns zuweilen unterscheiden, zweifele ich nicht daran, dass jeder von uns sich von Herzen wünscht, der jüdische Staat möge in Sicherheit und Frieden leben.

Entscheidung

Bundesverfassungsgericht stoppt Reiche-Video über Kritik an Linken

Die Linke hat mit einer Klage gegen die Bundeswirtschaftsministerin zumindest vorläufig Erfolg gehabt: Katherina Reiche muss bis zu einer endgültigen Entscheidung einen Instagram-Post löschen, in dem sie der Partei Antisemitismus vorwirft

 15.10.2026

Untersuchung

ADL: Manipulierte Wikipedia-Einträge über Israel immer noch nicht korrigiert

Die Anti-Defamation League wirft den Betreibern der Online-Enzyklopädie vor, zu wenig gegen die Manipulation von Einträgen zu unternehmen, die sich mit Themen wie dem Nahostkonflikt und dem 7. Oktober befassen

 15.10.2026

Statistik

Zahl antisemitischer Vorfälle in Österreich bleibt auf hohem Niveau

Der Ausnahmezustand sei zum Alltag geworden, beklagt eine Antisemitismus-Meldestelle in Österreich. Im ersten Halbjahr 2026 wurden erneut Hunderte einschlägige Fälle gezählt

 15.10.2026

Berlin

Trotz vieler Hürden: Berliner Parteien sondieren weiter

»Kommunikationsdesaster« oder heilsamer Weckruf? Nach dem Streit um das Vorgehen gegen Antisemitismus sprechen Linke, Grüne und SPD weiter über eine Regierung. Aber es bleibt schwierig

von Andreas Heimann, Torsten Holtz  15.10.2026

Mitglieder der JSUD vor dem Eingang zum Synagogenhof der Jüdischen Gemeinde Halle

Nach Eklat von Halle

Polizei ermittelt gegen jüdische Studenten

Aktivisten der Jüdischen Studierenden Union hatten sich dem rechtsextremen AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider in den Weg gestellt, als dieser an einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des rechtsextremen Anschlags teilnehmen wollte. Das hat ein juristisches Nachspiel

 15.10.2026

Rechtsterrorismus

Zwickau gedenkt NSU-Opfern

Der »Nationalsozialistische Untergrund« ermordete zehn Menschen aus rassistischen und rechtsextremistischen Motiven. Zuletzt lebte die Terrorzelle in Zwickau. Die Stadt gedenkt der Terroropfer

 15.10.2026

Hamburg

Attentate auf Josef Schuster und Volker Beck geplant: Iranische Spione müssen ins Gefängnis

Zwei Männer haben im Auftrag Teherans jüdische und proisraelische Ziele in Deutschland für Anschläge ausgespäht. Das Oberlandesgericht hat sie deshalb nun zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt

von Nils Kottmann  15.10.2026 Aktualisiert

Golf von Oman

US-Militär: Schiff mit Iran-Verbindungen zerstört

Immer wieder greifen der Iran und die USA gegenseitig Handelsschiffe und Tanker an. Was ist nun passiert?

 15.10.2026

Berlin

Linke, Grüne und SPD verhandeln wieder

Das von den Sondierern beschlossene Antisemitismus-Papier soll auch in den Koalitionsvertrag aufgenommen werden

 15.10.2026