Einspruch!

Eine Synagoge ist der Anfang

Doron Kiesel Foto: Marco Limberg

Die jüdische Gemeinde Rottweil bekommt eine neue Synagoge. Solche Meldungen sind nicht alltäglich in Deutschland. Das ist ein guter Grund, sich zu freuen. Es ist vor allem Ausdruck eines wachsenden Interesses am Judentum – nicht nur in Großstädten, in denen neben Gemeindezentren und Kindergärten auch koschere Restaurants und jüdische Kulturfestivals entstehen. Auch in der sogenannten Provinz leben Juden, und sie wollen ihr Judentum leben.

Allein ein synagogaler Raum, wie er jetzt in Rottweil eingeweiht wurde, kann das aber nicht sicherstellen. Es bedarf auch eines Gemeindezentrums, am besten noch Schule und Kindergarten, um jüdisches Leben noch intensiver zu gestalten.

Willen Hier haben die großen Städte oftmals Vorteile, denn jüdisches Leben bedarf einer Infrastruktur, um gedeihen zu können. Städte wie Düsseldorf und München bauen jüdische Gymnasien auf; davon ist Rottweil weit entfernt. Insofern sollte man die Einrichtung eines synagogalen Raumes nicht überbewerten – aber sie ist Ausdruck eines starken Willens der Gemeinde, eine Perspektive zu eröffnen und einen Ort der Identifikation zu schaffen.

In der Bildungsabteilung des Zentralrats versuchen wir immer, auf die besonderen Problemlagen der Gemeinden einzugehen. Im Mittelpunkt steht dabei stets, die Attraktivität einer Gemeinde zu erhöhen. Anzusprechen sind die älteren Gemeindemitglieder mit besonderen Angeboten. Aber auch die Jungen wollen gewonnen werden. Da muss sich eine Gemeinde die Frage stellen, was sie außer der Einweihung einer Synagoge noch leisten kann, um dauerhaft zu existieren. Oftmals fehlt es in den Gemeinden an den Möglichkeiten, einen Rabbiner oder einen Chasan zu bezahlen. Oder es mangelt an einer Verwaltung, die für solche Aufgaben die Finanzen organisieren könnte.

Was wir jetzt in Rottweil und hoffentlich bald in anderen Gemeinden erleben, ist die Errichtung eines synagogalen Leuchtturms. Dem sollten noch weitere Projekte folgen.

Der Autor ist wissenschaftlicher Direktor der Bildungsabteilung im Zentralrat.

Nahost

Wie der Konflikt im Libanon den US-Deal mit Iran gefährdet

Der Gesprächsbeginn zwischen Washington und Teheran in der Schweiz lässt auf sich warten. Derweil spitzt sich die Lage zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon zu. Es gibt Tote auf beiden Seiten

von Hans Dahne, Christoph Meyer, Mathis Richtmann  19.06.2026

Meinung

Wie Holger Friedrich und seine »Berliner Zeitung« Juden instrumentalisieren

Ob in der Debatte über den Umgang mit KI oder Kreml-Diktator Wladimir Putin: Der Verleger interessiert sich nur dann für Juden, wenn es seinen Interessen dient

von Matthias Meisner  19.06.2026

Berlin

Nouripour zu Iran-Rahmenabkommen: »Weg in Normalität für Regime«

Ist das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran ein Weg in den Frieden? Bundestagsvizepräsident Nouripour bezweifelt das. Die Übereinkunft gebe dem Iran vielmehr »eine andere Legitimität«

 19.06.2026

Bayreuth

Bayreuther Gedenkveranstaltung mit Michel Friedman soll nun doch stattfinden

Eine Gedenkveranstaltung zum Bayreuther Festspieljubiläum wird geplant, dann abgesagt. Michel Friedman und Charlotte Knobloch zeigen sich entsetzt – jetzt rudert das weltbekannte Opernfestival zurück

 19.06.2026

Washington D.C.

Republikaner kritisieren Trumps Iran-Abkommen ungewöhnlich scharf

»Die Geschichte zeigt, dass es eine außergewöhnlich schlechte Idee ist, Milliarden Dollar an theokratische Verrückte zu geben, die uns ermorden wollen«, sagt Senator Ted Cruz

 19.06.2026

Wahlkampf in Israel

Trump signalisiert Unterstützung für Netanjahu

»Ich werde mir ansehen müssen, wer kandidiert, aber ich mag Bibi sehr«, sagt der amerikanische Präsident

 19.06.2026

Genf

Absage aus Bern: Heute keine USA-Iran-Gespräche

Abkommen unterzeichnet, Treffen abgesagt: Die geplante Gesprächsrunde in der Schweiz findet heute doch nicht statt

 19.06.2026

Bayreuth

Scharfe Kritik nach abgesagter Gedenkveranstaltung

Eine Gedenkveranstaltung zum Festspieljubiläum wird geplant, dann abgesagt. Charlotte Knobloch ist entsetzt über die Bayreuther Festspiele

 19.06.2026

Essay

Zwischen Progressivität und Zerfaserung

Quo vadis, liberales Judentum? Ein Debattenbeitrag von Avitall Gerstetter

von Avitall Gerstetter  19.06.2026