Interview

»Eine Bekenntnisgemeinschaft«

Andreas Nachama, Rabbiner und Direktor der Stiftung Topographie des Terrors in Berlin Foto: Marko Priske

Herr Rabbiner, Sie haben in einem Beitrag für die Jüdische Allgemeine über das israelische Konversionsgesetz geschrieben, dass im Sinne einer modernisierten Halacha auch die Religionszugehörigkeit des Sohnes eines jüdischen Vaters anerkannt werden sollte. Dies sei zum Beispiel »per Gentest« zu belegen. Was haben Sie damit gemeint?
Das bezog sich selbstverständlich allein auf die Möglichkeit eines Vaterschaftsnachweises. Heutzutage passiert das mithilfe der sicheren Methode eines Gentests. Mir ging es keinesfalls um das jetzt heftig diskutierte »jüdische Genom«.

»Alle Juden teilen ein gemeinsames Gen«, hat Thilo Sarrazin in einem Interview mit der »Welt am Sonntag« gesagt. Unsinn?
Ja, das ist in dieser Form Unsinn. Die Herkunft von Abraham als dem Vater aller Gläubigen ist eine intellektuelle, die sich durch die Bibel definiert. Jeder, der ins Judentum aufgenommen wird, ist damit ein Sohn oder eine Tochter Abrahams - im inhaltlichen Sinn, nicht in einem biologischen. Das gilt somit auch für das jüdische Volk insgesamt. Es gibt dunkel- oder hellhäutige, schwarzhaarige und blonde Juden. Daran kann man sehr deutlich erkennen, dass es sich nicht um eine geschlossene biologische oder ethnische Gruppe handelt.

Wie beurteilen Sie als Historiker die Sarrazin-Debatte?
Ich würde dessen Thesen nicht auf die Rassentheorie der Nationalsozialisten beziehen. Jede Form der naturwissenschaftlichen Herkunftsforschung ist nur sehr begrenzt aussagefähig, wenn überhaupt. Die zahlreichen muslimischen Völker sind genauso unterschiedlich wie die europäischen. Und der Islam ist wie das Judentum eine Bekenntnisgemeinschaft, keine erbbiologische.

Gilt das auch für das sogenannte Priester-Gen, in dem einige Wissenschaftler die direkte Erbfolge der Söhne Aarons bis zu den heutigen Kohanim festgestellt haben wollen?
Ich halte das für absoluten Quatsch. Das ist lediglich eine Behauptung, die immer mal wieder durch die Presse geistert.

In Israel soll sogar der amtierende Innenminister Eli Yishai schon einmal vom »jüdischen Gen« gesprochen haben.
Das ist sicherlich nicht mehr als Wunschdenken. Man hat das jüdische Volk im 19. Jahrhundert als »Rasse« erfunden, und manch einer würde das gerne als ethnische Identität grundieren. Aber die kann man nicht einfach so herbeireden. Eine Unwahrheit wird auch dann nicht zur Wahrheit, wenn man sie nur oft genug wiederholt.

Das Gespräch führte Detlef David Kauschke.

Women’s Asian Cup

Trump fordert von Australien Asyl für iranische Fußballerinnen

Die Spielerinnen hatten sich vor dem Anstoß im Robina Stadium geweigert, die iranische Nationalhymne zu singen

 09.03.2026

Hildburghausen

Zahlreiche Rechtsrock-Konzerte im thüringischen Brattendorf

Ein Gasthaus im südthüringischen Brattendorf ist zu einem Treffpunkt der Neonazi-Szene geworden

 09.03.2026

Moskau

Putin sichert Mojtaba Chamenei Russlands Unterstützung zu

Russland sieht sich traditionell als enger Partner des Iran. Der Kremlchef wünscht dem neuen Obersten Führer Mut, Gesundheit und Kraft

 09.03.2026

Beirut

Israel setzt Angriffe im Libanon fort

Immer wieder erschüttern Explosionen die Vororte der libanesischen Hauptstadt. Ein Ende der durch neue Angriffe der Hisbollah verursachten Eskalation ist nicht in Sicht

 09.03.2026

Gaziantep

Türkei: NATO fängt Geschoss im türkischen Luftraum ab

Trümmer des Geschosses fallen auf türkischen Boden. Es ist nicht das erste Mal

 09.03.2026

Berlin

Zweifel an Angriff auf Neuköllner Schulleiter – Ermittlungen richten sich nun gegen ihn selbst

Ein Überwachungsvideo vom U-Bahnhof Rathaus Neukölln wirft Fragen auf. Angaben von Hudhaifa Al-Mashhadani hatte angegeben, angegriffen worden zu sein

 09.03.2026

Magdeburg

Auftakt für jüdische Kultur in Sachsen-Anhalt

Ministerpräsident Sven Schulze betonte als Schirmherr die Bedeutung der Kulturtage als klares Signal der Solidarität mit Jüdinnen und Juden in Sachsen-Anhalt

 09.03.2026

Nahost

Teheran erneut von Explosionen erschüttert

Bewohner berichten von einer neuen Angriffswelle: Kampfjets nähern sich, laute Detonationen sind zu hören

 09.03.2026

Kommentar

Der Iran-Krieg könnte das Ende der amerikanisch-israelischen Allianz bedeuten

Noch folgt im Kampf gegen das Mullah-Regime eine gute Nachricht auf die andere. Doch sobald der Krieg in die schwierige Phase übergeht, werden auch die Beziehungen zwischen Jerusalem und Washington auf die Probe gestellt werden

von Hannes Stein  09.03.2026