Potsdam

»Ein Ort, der nicht mehr da ist, würde das kritische Erinnern nicht leichter machen«

Proteste von Kritikern des Wiederaufbaus des Potsdamer Garnisonkirchturms kurz vor der Eröffnung Foto: picture alliance / epd-bild

Nach langer Bauzeit und viel Kritik ist der Turm der Potsdamer Garnisonkirche am Donnerstag eröffnet worden. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte beim Festakt: »Der Weg bis zum Wiederaufbau war lang - er war kompliziert und bleibt umstritten. Es ist kein Wunder, dass wir uns damit schwergetan haben und es noch tun. Denn dieser Ort fordert uns heraus. Er konfrontiert uns mit seiner, mit unserer Geschichte.« Zugleich betonte er: »Die neue Garnisonkirche ist kein Ort der Verehrung von Militarismus, Nationalismus und Obrigkeitsstaat.«

Kritiker sehen in der historischen Garnisonkirche ein Symbol des Militarismus und befürchten mit Blick auf die Rekonstruktion des Turms eine Art Wallfahrtsort für Rechtsextreme. Die ehemalige Preußische Militärkirche von 1735 ist vor allem mit dem »Tag von Potsdam« im März 1933 verbunden, als Reichspräsident Paul von Hindenburg dort dem neuen Reichskanzler Adolf Hitler die Hand reichte.

Lesen Sie auch

Kritisches Geschichtsbewusstsein

»Gerade hier werden wir schnell auf schmerzhafte, unheilvolle Teile unserer Vergangenheit gestoßen - ja, auf Wegmarken, an denen wir Deutsche den falschen Weg gewählt haben«, so Steinmeier. Der Ort »wurde zum Symbol einer Allianz von konservativer Tradition und Nationalsozialismus; einer Allianz, die nicht zuletzt das Ende der ersten deutschen Demokratie besiegelte.« Der wiederaufgebaute Turm rufe nun dazu auf, zu erinnern, zu differenzieren, aber keinesfalls zu vergessen. Der Bundespräsident würdigte die Debatte um den Wiederaufbau als »Ausweis eines kritischen Geschichtsbewusstseins«, machte aber auch deutlich: »Ein Ort, der nicht mehr da ist, würde das kritische Erinnern nicht leichter machen.«

Der neue Potsdamer GarnisonkirchturmFoto: picture alliance / epd-bild

Zeitgleich mit dem Turm wird die Ausstellung »Glaube, Macht und Militär« eröffnet, die sich kritisch mit der Geschichte des Ortes auseinandersetzt. Ab Freitag ist der Turm für die Öffentlichkeit geöffnet. In 57 Metern Höhe befindet sich eine Aussichtsplattform als neue Touristenattraktion. Die Kosten für den Wiederaufbau beliefen sich laut der Stiftung Garnisonkirche auf rund 42 Millionen Euro.

Die Garnisonkirche wurde 1945 von Bomben zerstört, die Ruine 1968 auf Veranlassung der DDR-Behörden gesprengt. 2017 begann der Wiederaufbau des Turms nach barockem Vorbild. kna

Einspruch

Das Problem mit dem Zivildienst

Rebecca Seidler sieht bei einer möglichen Rückkehr der »Zivis« viele Vorteile – und eine große Herausforderung

von Rebecca Seidler  26.08.2026

Meinung

Mehr Schutz durchs Grundgesetz

Was für die LGBTIQ-Gemeinschaft zutrifft, sollte auch für den Schutz jüdischer Identität gelten

von Susanne Krause-Hinrichs  26.08.2026

Schweiz

Gewalt-Demo gegen Israel in Basel verboten

Die Polizei hält die geplante Anti-Israel-Demo, bei der die Organisatoren »Tod dem Zionismus« wünschen, für nicht bewilligungsfähig

von Nicole Dreyfus  26.08.2026

RIAS-Jahresbericht

Mehr antisemitische Vorfälle in Thüringen

Gewaltandrohungen und Angriffe gab es vor allem im öffentlichen Raum

 26.08.2026

Kiel

Schleswig-Holstein setzt Zeichen gegen Antisemitismus

Jüdinnen und Juden im nördlichsten Bundesland sind verunsichert. Die Landesregierung beschließt nun einen Aktionsplan gegen Judenhass

 26.08.2026

Interview

»Der politische Islam will die Gesetze im Sinne der Scharia verändern«

Der Investigativjournalist Sascha Adamek über die stetige islamistische Unterwanderung der Gesellschaft

von Ninve Ermagan  26.08.2026

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  26.08.2026

Exklusiv-Interview

»Anders als Hitler ist die AfD nicht kriegslüstern«

Der Historiker und Bestsellerautor Götz Aly über die Radikalisierung des NS-Regimes, Vergleiche zwischen dem Ende der Weimarer Republik mit der heutigen Zeit und die Sinnhaftigkeit eines AfD-Verbots

von Michael Thaidigsmann  25.08.2026

Parteien

Umfrage: So denken die Deutschen über die AfD

Brandmauer? Parteiverbot? Das Insa-Institut hat nachgefragt

 25.08.2026