Hisbollah

»Dialog auf Teufel komm raus«

Bijan Djir-Sarai, Außenpolitischer Sprecher der FDP‐Fraktion im Bundestag Foto: Bernhardt Link -Farbtonwerk

Herr Djir-Sarai, Großbritannien hat in der vergangenen Woche die Hisbollah als Terrororganisation eingestuft. Sollte sich Deutschland anschließen und damit auch dem Beispiel der USA, Kanadas, der Niederlande und der Arabischen Liga folgen?
Ja, wir müssen jetzt schauen, was die Entscheidung in London für die deutsche Debatte und auch für eine mögliche gemeinsame Positionierung der EU bedeutet.

Die FDP hatte zu diesem Thema im Sommer 2018 eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung gestellt. Wie wollen Sie weiter vorgehen?
Wir wollen in den kommenden Monaten eine Parlamentsdebatte herbeiführen und am Ende hoffentlich auch die Bundesregierung dazu bringen, ihre Position zu ändern.

Glauben Sie, dass Sie damit Erfolg haben?
Ich weiß, dass man in unterschiedlichen Ministerien unterschiedliche Meinungen vertritt. Im Justizministerium sieht man die Frage anders als im Innenministerium oder im Auswärtigen Amt.

Warum halten Sie auch den politischen Arm der Hisbollah für gefährlich?
Es gibt keinen politischen Arm. In der Realität gibt es nur eine einzige Organisation: die Hisbollah. Im Libanon bestimmt sie die Innenpolitik und auch die Außenpolitik, sie spielt inzwischen auch in Syrien eine sehr große Rolle. Sie verfolgt nach wie vor das Ziel, den Staat Israel zu zerstören, und sie vertritt vorrangig die Interessen der Islamischen Republik Iran in der Region. In Syrien werden die iranischen Milizen, die an der Seite von Baschar al-Assad gekämpft haben, versuchen, die Nachkriegsordnung zu bestimmen. Die Hisbollah tritt derzeit sehr selbstbewusst auf, weil sie aus dem Konflikt gestärkt hervorgeht. In Europa und Deutschland beteiligt sich die Hisbollah an antisemitischer Propaganda, sie unterstützt den »Al Quds«-Tag und ist auch im kriminellen Milieu, etwa in Drogengeschäften, tätig. Wenn wir die Hisbollah verbieten, können wir ihre Finanzströme blockieren oder zumindest erschweren. Das ist aber nicht leicht, denn die Netzwerke sind groß und verzweigt.

Wenn es keinen politischen Arm gibt, warum wurde 2013 in der EU nur der militärische Flügel als terroristisch eingestuft?
Das ist typisch europäische Politik: auf Teufel komm raus mit jedem einen Dialog zu führen. Man fühlt sich offenbar besser, wenn man sich einredet, dass es da einen politischen Ansprechpartner gibt. Nach dem Motto: Die schießen nicht, die tragen Anzüge, und die Bärte sind nicht so lang.

Solche Gespräche bringen aber nichts?
Nein, das ist peinlich und ein Desaster, weil man in Teheran über diese Politik nur lacht. Aber das ist leider die offizielle Position unserer Bundesregierung: mit einem wichtigen Akteur im Gespräch zu bleiben.

Mit dem außenpolitischen Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag sprach Ayala Goldmann.

Bern

Verantwortung lässt sich nicht neutralisieren

Die Schweiz debattiert anlässlich einer Volksabstimmung über ihre Neutralität. Ein Kommentar von JA-Schweiz-Korrespondentin Nicole Dreyfus

von Nicole Dreyfus  16.08.2026

Kairo

Jared Kushner führt Gespräche über Gaza in Ägypten

Der Schwiegersohn von US-Präsident Trump will in Ägypten Fortschritte im seit langem festgefahrenen Friedensplan für den Gazastreifen erzielen

 16.08.2026

Sanaa

Regierungstruppen im Jemen melden 181 Angriffe in 24 Stunden

Mit Drohnen und Raketen attackieren Regierungskräfte Militärstützpunkte und Waffendepots der Huthi-Terrormiliz. Wie weit eskaliert die Lage noch?

 16.08.2026

Teheran

Iran richtet Mann wegen angeblicher Israel-Spionage hin

Die iranische Justiz hat ein weiteres Todesurteil vollstreckt. Menschenrechtler werfen den Behörden vor, die Todesstrafe zur Unterdrückung von Kritik einzusetzen

 16.08.2026

Berlin

Prien: Differenzierte Haltung zu Israel kann ein Wagnis sein

Der Terroranschlag der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hat Gräben in der Gesellschaft verdeutlicht - und teils auch vertieft. Wer dagegen differenziert argumentiere, habe es oft nicht leicht, sagt Ministerin Prien

 16.08.2026

Magdeburg

Will AfD-Spitzenkandidat Siegmund den Verfassungsschutz abschaffen?

AfD-Spitzenkandidat Siegmund will nach der Landtagswahl die Zukunft des Verfassungsschutzes in Sachsen-Anhalt prüfen lassen. Diese Optionen fasst er ins Auge

 16.08.2026

Washington/Teheran

Frist verstreicht: Iran-Krieg vor ungewisser Zukunft

Während US-Präsident Trump mit einer Übernahme der Straße von Hormus kokettiert, gehen die Angriffe auf zivile Schiffe weiter. Dabei sollte in diesen Tagen ein finales Abkommen stehen

 16.08.2026

Essay

Politische und moralische Bankrotterklärung

Die Literaturkritikerin Maha El Hissy hat kein Problem damit, die populärste antisemitische Ritualmordlegende unserer Gegenwart zu verbreiten. Trotzdem wurde sie in die Jury des renommierten Deutschen Buchpreises berufen

von Daniel Neumann  15.08.2026

Dresden/Königstein

Mutmaßliche Kämpfer des Islamischen Staates festgenommen

Zwei Männer sollen als Kämpfer für den IS aktiv gewesen sein und dafür Geld erhalten haben. Nun sitzen die beiden Iraker in Sachsen in Untersuchungshaft

 14.08.2026