EILMELDUNG! Likud-Bündnis mit 54 Sitzen vorn. Eisenkots Bündnis kommt auf 49 Sitze

Antisemitismus/Brandenburg

Deutlich mehr antisemitische Vorfälle in Brandenburg

Joachim Seinfeld, Leiter der Fachstelle Brandenburg Foto: Gregor Zielke

Antisemitismus/Brandenburg

Deutlich mehr antisemitische Vorfälle in Brandenburg

Der Antisemitismus tritt in Brandenburg in jeder erdenklichen Erscheinungsform auf

 18.07.2024 10:04 Uhr

Die Zahl dokumentierter antisemitischer Vorfälle in
Brandenburg ist mit insgesamt 377 Fällen im vergangenen Jahr stark
gestiegen. Damit sei 2023 durchschnittlich mehr als eine
judenfeindliche Tat pro Tag verübt worden, hieß es bei der
Vorstellung des neuen Monitoringberichts der Fachstelle
Antisemitismus Brandenburg am Mittwoch in Potsdam. 2022 seien es 204
Fälle gewesen. Die im vergangenen Jahr erfassten Fälle reichen von
Beleidigungen über Mord- und Vergasungsdrohungen bis zum Angriff mit
einem Baseballschläger.

Dervis Hizarci, Vorstandsvorsitzender der Kreuzberger Initiative
gegen Antisemitismus, sagte, Antisemitismus sei in Brandenburg im
vergangenen Jahr »in jeder erdenklichen Form in Erscheinung
getreten«. Die Zunahme der erfassten Vorfälle sei erschreckend und
bedrohlich. Positiv sei, dass auf vielfältige Weise gegengesteuert
werde. So habe die Landesregierung »sehr klug durchdacht« dazu
beigetragen, Strukturen zur Bekämpfung des Antisemitismus aufzubauen.
Die Kreuzberger Initiative ist Trägerin der Fachstelle.

Hizarci betonte, durch die besseren Strukturen verändere sich auch
das Meldeverhalten. So könnten mehr Fälle erfasst werden. Seit dem
schrecklichen Hamas-Überfall auf Israel und dessen Folgen sei
festzustellen, dass antisemitische Ansichten stärker und
selbstverständlicher nach außen getragen würden. »Im Internet wird
Antisemitismus unverhohlen ausgedrückt«, sagte er. Es gebe keine
Bremse mehr, Judenfeindlichkeit werde immer mehr unter Klarnamen nach außen kommuniziert.

»Das Internet ist der Ort Nummer eins«

Joachim Seinfeld, Leiter der Fachstelle Brandenburg, sagte, es sei
eine enorme Zunahme beim israelbezogenen Antisemitismus verzeichnet
worden. Dem Report zufolge wurden 2022 keine entsprechenden Fälle
erfasst, 2023 waren es elf Prozent aller Vorfälle. Schwerpunkt war
dem Report zufolge mit gut 39 Prozent der Fälle Antisemitismus mit
Schoa- und NS-Bezug. 35,5 Prozent der Fälle hätten einen
rechtsextremen, 4,5 Prozent einen islamischen Hintergrund. Mehr als
56 Prozent seien nicht eindeutig zuzuordnen. Die restlichen Fälle
hätten einen linken oder verschwörungsideologischen Bezug.

Seinfeld betonte, die meisten Vorfälle, 35,3 Prozent, seien im
Onlinebereich erfasst worden. »Das Internet ist der Ort Nummer eins«,
sagte er. Die Zunahme sei auch Ausdruck davon, dass die Hemmschwellen
für judenfeindliche Äußerungen geringer würden. Antisemitismus komme
zudem »selten alleine«. Er sei meist mit anderen Formen der
Diskriminierung verbunden und gehe oft mit massiver
Frauenfeindlichkeit einher. Fast 50 gemeldete Fälle seien bei der
Auswertung nicht berücksichtigt worden, weil die Angaben dazu nicht
präzise genug gewesen seien.

In die Statistik wurden den Angaben zufolge Zahlen der Polizei,
der Fachstelle und von weiteren Akteuren wie der Stiftung
Brandenburgische Gedenkstätten, den jüdischen Gemeinden sowie von
Schulen aufgenommen. Damit seien mehr Quellen ausgewertet worden als
für den vorhergehenden Bericht, hieß es.

Die Polizei hat in Brandenburg im vergangenen Jahr 284
antisemitische Straftaten erfasst, 45,6 Prozent mehr als im Vorjahr.
Der überwiegende Teil davon, 89,4 Prozent, hatte einen rechtsextremen
Hintergrund. epd

Nürnberg

Interaktives NS-Dokumentationszentrum öffnet

Nach fünf Monaten Probebetrieb wird das neu gestaltete Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg am kommenden Mittwoch feierlich eröffnet. Im Zentrum des Ausstellungskonzepts stehen Barrierearmut und ein multimediales Angebot

von Julia Riese  28.10.2026

Reaktion

Laschet: Chancen auf politische Versöhnung in Israel gestiegen

Der Ausgang der Wahl in Israel ist unklar - die Auszählung dauert an. Doch CDU-Außenpolitiker Armin Laschet äußert sich in einer ersten Einschätzung zuversichtlich

 28.10.2026

Washington D.C.

Trump will Ben-Gvir offenbar aus Netanjahus nächster Regierung heraushalten

Angesichts der unklaren Mehrheitsverhältnisse nach der Parlamentswahl könnte der US-Präsident zudem auf eine nationale Einheitsregierung drängen

 28.10.2026

Meinung

Wieder ein »kleiner Geländegewinn«

Die Linken-Abgeordnete Vanessa Emde hat es erneut geschafft, die Regierungsunfähigkeit ihrer Partei zu demonstrieren

von André Anchuelo  28.10.2026

Magdeburg

CDU-Abgeordnete sollten eidesstattliche Erklärung unterschreiben

Seit der Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten steht der Verdacht im Raum, Stimmen könnten aus der CDU gekommen sein. Wie die Fraktion damit umgeht

 28.10.2026

Berlin

Verfassungsschutz warnt vor linksextremen Einflüssen

Für Samstag hat die Initiative Gen Z regelt deutschlandweit zu Protesten für Bildung und soziale Gerechtigkeit aufgerufen. Aus Sorge vor Ausschreitungen beobachten die Behörden die Lage genau

 28.10.2026

Berlin

Antisemitismusbeauftragte: »Jude« darf kein Schimpfwort sein

Katharina von Schnurbein tritt heute die Nachfolge von Felix Klein in der Bundesregierung an. Ihr erklärtes Ziel klingt einfach

 28.10.2026

Belgrad

Serbien: Anschlag auf Polizisten vor israelischer Botschaft

Erneut wird ein Wachbeamter vor der israelischen Botschaft angegriffen. Der Vorfall weckt Erinnerungen - welche Sicherheitsmaßnahmen die Behörden jetzt ergreifen

 28.10.2026

Washington D.C.

Trump reklamiert Anteil an Netanjahus überraschend starkem Wahlergebnis

»Als meine Unterstützung bekannt wurde, hat ihm das sehr geholfen«, sagt der amerikanische Präsident

 28.10.2026