Meinung

Der große Raubzug

Das Dritte Reich war – das wollen bis heute viele weder hören noch wahrhaben – eine Mitmach-Diktatur. Okay, es gab Ausnahmen. Menschen, die sich verweigerten, Verfolgten halfen oder das Regime, wenn auch selten offen, infrage stellten. Doch ein Volk von Widerstandskämpfern waren die Deutschen beileibe nicht. Und wenn es ums Geld ging, ließen sie fast alle Hemmungen fallen. Vor allem, als es das staatlich sanktionierte Angebot gab, sich auf Kosten der Juden zu bereichern. Die »Arisierung« machte aus Menschen rücksichtslose Profiteure. Erzwungene Wohnungsauflösung? Her mit dem Mobiliar! Erpresste Geschäftsaufgabe? Übernahme zum Schnäppchenpreis! Ein großer Raubzug, der einen organisatorischen Überbau hatte. Denn das Reichsfinanzministerium spielte bei der Ausplünderung der Juden eine zentrale Rolle. Mehr noch. Die Verwaltung betrieb die fiskalische Vernichtung der »Nichtarier«. Zu diesem Zwischenergebnis kommt jetzt eine Historikerkommission, die 2009 vom damaligen Finanzminister Peer Steinbrück eingesetzt wurde. Die feinen Herren des Auswärtigen Amtes sind also keinesfalls die Einzigen gewesen, die das Funktionieren des NS-Regimes gewährleisteten. Viele andere Behörden waren mit von der Partie. Höchste Zeit, dass sie sich ihrer Mitmach-Vergangenheit stellen.

Schweiz

Ein Importverbot von koscherem Fleisch gefährdet jüdisches Leben

Ein Kommentar von Jonathan Kreutner, Generalsekretär des jüdischen Dachverbands SIG

von Jonathan Kreutner  02.10.2026

Madrid

Kritik an Zara wegen Halloween-Kostüm mit Ähnlichkeit zu KZ-Kleidung

Die Hintergründe

 02.10.2026

Sacramento

Kalifornien führt »jüdisch« als ethnische Kategorie ein

Gouverneur Gavin Newsom unterschrieb mehrere Gesetze, die für Juden in dem Bundesstaat relevant sind

 02.10.2026

Essay

Die Demokratie gegen ihre Abschaffung verteidigen

Warum die AfD als Partei verboten werden müsste – und weshalb das eben nicht undemokratisch ist

von Stephan Lehnstaedt  02.10.2026

Delft/Niederlande

Publikum beschimpft Angehörige eines Hamas-Opfers bei »NAZA«-Vorführung

Sabine Tassa, deren Ehemann und Sohn am 7. Oktober 2023 ermordet wurden, kritisiert die Doku. Das Publikum will nichts davon hören

 02.10.2026

Jerusalem

Herzog über mögliche Linken-Regierung in Berlin: »Das ist äußerst verstörend«

Im ausführlichen Interview mit der WELT spricht der israelische Präsident auch über den »Fly Dubai«-Angriff, den Iran und das britische Embargo gegen sein Land

 02.10.2026

Genf

Sharabi fordert UN-Menschenrechtsrat zur Anerkennung von Geiselmisshandlungen als Folter auf

»Mein Name ist Eli Sharabi. Ich bin ein Überlebender von Folter«, so der ehemalige Verschleppte vor dem Gremium

 02.10.2026

Besuch

Berlins scheidender Regierungschef reist nach Israel

Israels Botschafter in Deutschland äußerte kürzlich Sorge um die Sicherheit der jüdischen Community in der deutschen Hauptstadt. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner reist nun nach Tel Aviv

 02.10.2026

Kommentar

Fair Play – es sei denn, es geht um Israel

Irlands Nationalspieler verweigern Israelis den Handschlag, diskutieren darüber, ob sie überhaupt gegen sie antreten wollen – und die UEFA schweigt. So funktioniert die schleichende Etablierung von Antisemitismus als Akt des vermeintlichen humanitären Widerstandes

von Dorothea Schupelius  02.10.2026