Meinung

Der große Raubzug

Das Dritte Reich war – das wollen bis heute viele weder hören noch wahrhaben – eine Mitmach-Diktatur. Okay, es gab Ausnahmen. Menschen, die sich verweigerten, Verfolgten halfen oder das Regime, wenn auch selten offen, infrage stellten. Doch ein Volk von Widerstandskämpfern waren die Deutschen beileibe nicht. Und wenn es ums Geld ging, ließen sie fast alle Hemmungen fallen. Vor allem, als es das staatlich sanktionierte Angebot gab, sich auf Kosten der Juden zu bereichern. Die »Arisierung« machte aus Menschen rücksichtslose Profiteure. Erzwungene Wohnungsauflösung? Her mit dem Mobiliar! Erpresste Geschäftsaufgabe? Übernahme zum Schnäppchenpreis! Ein großer Raubzug, der einen organisatorischen Überbau hatte. Denn das Reichsfinanzministerium spielte bei der Ausplünderung der Juden eine zentrale Rolle. Mehr noch. Die Verwaltung betrieb die fiskalische Vernichtung der »Nichtarier«. Zu diesem Zwischenergebnis kommt jetzt eine Historikerkommission, die 2009 vom damaligen Finanzminister Peer Steinbrück eingesetzt wurde. Die feinen Herren des Auswärtigen Amtes sind also keinesfalls die Einzigen gewesen, die das Funktionieren des NS-Regimes gewährleisteten. Viele andere Behörden waren mit von der Partie. Höchste Zeit, dass sie sich ihrer Mitmach-Vergangenheit stellen.

Wolfgang Benz, Stefanie Schüler-Springorum und das deutsche Zentrum für Antisemitismusleugnung

Ein Kommentar von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  25.09.2026

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