Meinung

Der Fall einer Ministerin

Die Wissenschaftsministerin der Bundesregierung, Annette Schavan, ist zurückgetreten. Bekanntlich musste sie auf ihr Amt verzichten, nachdem die Universität Düsseldorf ihr die Promotion aberkannt hat. Es kann davon ausgegangen werden, dass die zuständigen Gremien diesen Schritt erst nach reiflicher Prüfung unternommen haben. Es ist ein massiver Eingriff in eine Biografie und in die berufliche Identität, wenn eine Universität einen Titel aberkennt.

Schavans Rücktritt ist in vielfacher Hinsicht zu bedauern: Aus jüdischer Sicht muss man konstatieren, dass sie Bildungsinitiativen im jüdischen Spektrum stets unterstützt und begleitet hat. Und aus Sicht eines Hochschullehrers ist zu sagen, dass sie notwendige Reformprozesse angeschoben, dass sie im sogenannten Bologna-Prozess die Integration der deutschen Wissenschaftslandschaft in die internationale Scientific Community forciert hat und dass ihre Arbeit den von ihr selbst gesetzten Ansprüchen genügt hat. Aber die Bildungsinstitutionen sind angehalten, wissenschaftliche Exponate, die sie erhalten, gründlich zu prüfen.

wissenschaftlichkeit In der Regel findet das auch statt, und wenn, wie im vorliegenden Fall, Zweifel an der Wissenschaftlichkeit auch erst nach Jahrzehnten bekannt werden, müssen sie eben dann geprüft werden. Genau solche Prüfverfahren sind es, die für Vertrauen in die bundesdeutsche Bildungslandschaft sorgen. Trotz mancher Plagiatsaffären ist die deutsche Bildungslandschaft international hoch angesehen, und die zu Tage geförderten Ergebnisse sind für die gesellschaftliche Weiterentwicklung von großer Relevanz.

Insofern taugt der Fall Schavan nicht dazu, das Vertrauen in die Tradition und in die wissenschaftliche Kompetenz von Dozenten und Professoren infrage zu stellen. Unabhängig vom Prüfungsergebnis der universitären Kommission ist eine Abwertung der umfassenden beruflichen Leistung von Annette Schavan völlig deplatziert.

Der Autor ist Professor für Interkulturelle Pädagogik an der Fachhochschule Erfurt und Wissenschaftlicher Direktor der Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Khan Younis

Israel wirft Hamas Folter in Klinik vor

Die Terrororganisation soll ein Krankenhaus im Süden des Gazastreifens als Folterzentrale nutzen, um ihre Macht über die Bevölkerung auszubauen

 20.08.2026

Berlin

Diskriminierung wegen falscher Hummus-Aussprache?

Im Ortsteil Prenzlauer Berg soll ein arabisches Restaurant einen israelischen Gast wegen der vermeintlich falschen Aussprache des Kichererbsengerichts nicht bedient haben. Das Lokal widerspricht dem Vorwurf

 20.08.2026

USA

Amerikas nächster Präsident?

Rahm Emanuel gilt als Hoffnungsträger der Demokraten und steht für einen Kurs der Mitte – sowohl in innenpolitischen Fragen als auch im Verhältnis zu Israel. Eine Annäherung

von Joshua Schultheis  20.08.2026

München

Knobloch in Zeiten von Judenhass: »Ich habe mich getäuscht«

Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden spricht offen über ihre Enttäuschung: Warum die Reaktion auf das Hamas-Massaker ihr nicht genügt und der Judenhass sie tief erschüttert

 20.08.2026

Florida

Nach antisemitischen Angriffen: »Hebräischer Hammer« gewinnt Vorwahl

Der jüdische Abgeordnete Randy Fine, ein republikanischer Israel-Unterstützer, setzt sich gegen den Antisemiten Dan Bilzerian durch

 20.08.2026

Berlin

Medienbericht: Andreas Franck will nicht Antisemitismusbeauftragter werden

Das Bundesinnenministerium wollte die Absage Francks auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren

 20.08.2026

Mar del Plata

Argentinien entlässt Bundesrichter wegen antisemitischer Äußerungen

Der Justizrat sieht einen schweren Verstoß gegen die für Richter geltenden Anforderungen an Anstand und Unparteilichkeit

 20.08.2026

München

Brandanschlag auf jüdisches Gemeindezentrum: Hinweise auf deutschen Täter verdichten sich

56 Jahre nach dem tödlichen Anschlag in der Reichenbachstraße 27 legen die Ermittler einen neuen Erkenntnisstand vor

 20.08.2026

Berlin

Umfrage: Mehrheit lehnt AfD-geführte Regierung im Osten ab

Die zumindest in Teilen rechtsextremistische Partei kann bei den Landtagswahlen im Osten mit hohen Stimmanteilen rechnen. Die Möglichkeit, dass sie im Anschluss einen Ministerpräsidenten stellen könnte, stößt überwiegend auf Ablehnung

 20.08.2026