Gedenken

»Der 8. Mai war auch ein Tag der Befreier«

Zentralratspräsident Josef Schuster Foto: Thomas Lohnes/Zentralrat der Juden

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat anlässlich des Endes des Zweiten Weltkriegs und der Befreiung vom Nationalsozialismus vor 75 Jahren daran erinnert, dass für die jüdische Gemeinschaft das Gedenken an die sechs Millionen ermordeten jüdischen Männer, Frauen und Kinder im Mittelpunkt steht.

Zugleich sagte Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, am Mittwoch: »Der 8. Mai 1945 war nicht nur ein Tag der Befreiung, sondern auch ein Tag der Befreier.«

DANKBARKEIT Mit tiefer Dankbarkeit erinnere die jüdische Gemeinschaft an die Soldaten in den alliierten Armeen, darunter auch viele jüdische Soldaten, die als Befreier nach Deutschland kamen. »Auch ihre Geschichte spielt in der jüdischen Gemeinschaft eine wichtige Rolle für die nachfolgenden Generationen, was sich in der deutschen Erinnerungskultur stärker widerspiegeln sollte«, regte der Zentralratspräsident an.

»Bis heute, in allen nachfolgenden Generationen, ist dieses unfassbare Verbrechen und der nie wieder gut zu machende Verlust in unseren Familien präsent und wird es immer sein. Die Schoa-Überlebenden müssen noch immer ihre unerträglichen Erinnerungen aushalten. Die Schoa gehört zur jüdischen Identität«, betonte Schuster.

ZÄSUR Die Zäsur des 8. Mai 1945 solle in ihrer ganzen Komplexität wahrgenommen werden. Es gelte, der Millionen von Opfern zu gedenken und sich die allumfassende Zerstörung in Erinnerung zu rufen. »Auf blutgetränktem Boden entstand aus verfeindeten Staaten ein vereintes Europa«, sagte Schuster. »Vor dem historischen Hintergrund wird uns erst richtig bewusst, wie kostbar diese Errungenschaft ist und dass sie unbedingt bewahrt werden muss.« Ebenso sei die gefestigte Demokratie in Deutschland keine Selbstverständlichkeit, sondern sollte als Errungenschaft empfunden werden.»

Mit Sorge beobachte die jüdische Gemeinschaft gerade angesichts der schwindenden Zahl der Zeitzeugen eine wachsende Geschichtsvergessenheit und einen Unwillen in Deutschland, sich mit dem Nationalsozialismus auseinanderzusetzen.

FAMILIENGESCHICHTE Auch die eigene Familiengeschichte werde unter nicht-jüdischen Deutschen immer weniger reflektiert. In die Verbrechen der Nationalsozialisten, einschließlich der Wehrmacht, waren jedoch Millionen von Menschen involviert.

«Wer bereit ist, sich diesen Fakten zu stellen, wird sich auch heute engagiert für den Schutz von Minderheiten und die demokratischen Rechte einsetzen», sagte Schuster abschließend: «Für den Erhalt unserer Demokratie halte ich die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit für unabdingbar.» ja

Ab Freitagmittag, dem 8. Mai 2020, zeigt der Zentralrat der Juden auf Facebook und Instagram in einem Video die Erinnerungen eines jungen Frankfurters an seinen Urgroßonkel Leonid Berenstein, der im Zweiten Weltkrieg jüdischer Partisan war.

Berlin

Israelis selbst schuld an Empathielosigkeit? SPD-Politiker in der Kritik

Der Sozialdemokrat Lars Castellucci machte am Samstag mit einem X-Post zum versuchten Anschlag auf ein Flugzeug mit israelischen Passagieren von sich reden. Viele sehen darin eine Täter-Opfer-Umkehrung

 05.10.2026

Berlin

Auswärtiges Amt kritisiert Menschenrechtsbeauftragten

In einer Reaktion auf einen X-Post von Bundesbildungsministerin Prien im Zusammenhang mit dem Flydubai-Flug nennt Lars Castellucci Israels Regierung rechtsradikal. Außenminister Wadephul reagiert

 05.10.2026

Der Verfassungsrechtler Steffen Augsberg, Hessens Justizminister Christian Heinz (CDU), der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker und Zentralratspräsident Josef Schuster (v.l.)

Gutachten

Hessischer Gesetzentwurf zur Leugnung des Existenzrechts Israels verfassungskonform

Hessens Justizminister Christian Heinz: »Wir brauchen dringend eine gesetzliche Regelung.« Zentralratspräsident Josef Schuster: Die Politik steht in der Pflicht, dem Antisemitismus in seinem neuen Gewand Einhalt zu gebieten

 05.10.2026

7. Oktober

Rotes Rathaus zeigt Ausstellung zum Hamas-Überfall auf Israel

Der Überfall der Terrororganisation Hamas hat überall in Israel Spuren hinterlassen. Eine neue Berliner Ausstellung beleuchtet die Erfahrungen von Sportlern und Fans rund um den 7. Oktober 2023

 05.10.2026

Recht

Gute Absicht, falsche Umsetzung

Daniel Botmann, Geschäftsführer des Zentralrats der Juden, kritisiert den hessischen Vorschlag für eine Strafbarmachung der Leugnung des Existenzrechts Israels. Er hat aber einen Alternativvorschlag

 05.10.2026

Der Verfassungsrechtler Steffen Augsberg, Hessens Justizminister Christian Heinz (CDU), der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker und Zentralratspräsident Josef Schuster (v.l.)

Initiative

Hessen dringt auf Strafen für Leugnung des Existenzrechts Israels

Die hessische Landesregierung dringt darauf, dass ihr Vorschlag zur Strafbarkeit israelfeindlicher Äußerungen umgesetzt wird. Die Bundesregierung bleibt aber skeptisch. Auch der Zentralrat der Juden ist nicht restlos überzeugt

 05.10.2026

Josef Schuster

Berlin

Zentralrat: Linke muss Mitglieder bei Antisemitismus ausschließen

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, äußert klare Erwartungen an die Linkspartei in Bezug auf den innerparteilichen Kampf gegen Judenhass

 05.10.2026

Magdeburg

BSW: Wählen den AfD-Kandidaten zum Landtagspräsidenten

Am Dienstag kommt der neu gewählte Landtag von Sachsen-Anhalt erstmals zusammen. Die AfD hat die Zusage des BSW für die nötigen Stimmen

 05.10.2026

Berlin

Parteien in der Hauptstadt bereiten sich auf drittes Vorgespräch vor

Nach der Abgeordnetenhauswahl setzen Linke, Grüne und SPD auf ein drittes Vorgespräch. Details bleiben geheim – und keiner weiß, wo das Ganze hinführt

 05.10.2026