Wuligers Woche

Da helfen keine Pillen

Auf zum nächsten Scheitern: An ZNFS erkrankte US-Präsidenten fühlen sich persönlich berufen, den Nahostkonflikt endgültig zu lösen. Foto: Thinkstock

Das »Zwanghafte Nahost-Friedensstifter-Syndrom« (ZNFS) zählt zu den in der Psychiatrie bislang wenig erforschten Persönlichkeitsstörungen. Es geht nach bisherigen Beobachtungen einher mit der Übernahme des Präsidentenamts der USA. Die Betroffenen, in der Regel Männer mittleren bis fortgeschrittenen Alters, zeigen dabei trotz äußerst unterschiedlicher politischer Positionierungen und biografischer Entwicklungen ein frappierend ähnliches Störungsbild.

ZNFS-Patienten glauben, persönlich berufen zu sein, den Konflikt zwischen Juden und Arabern endgültig zu lösen und beiden Völkern Frieden zu bringen. Die Annahme liegt nahe, dass es sich um eine spezifische Manifestation narzisstischer Allmachtsfantasien handelt. Charakteristisch für das »Zwanghafte Nahost-Friedensstifter-Syndrom« ist, dass die Betroffenen ihr Ziel ungeachtet aller bisherigen Misserfolge obsessiv verfolgen.

erfolglos Gescheitert sind der Rogers-Plan 1969 unter Richard Nixon, Jimmy Carters Camp-David-Abkommen 1978, der Reagan-Plan 1982, der Baker-Plan 1989 während der Amtszeit von George Bush dem Älteren, die Clinton-Parameter 2000 und die Roadmap von George W. Bush 2003. Ebenfalls erfolglos waren die Friedensgespräche 2013/2014 unter der Ägide von Obamas Außenminister John Kerry.

Trotzdem will auch Donald Trump, der auf fast allen anderen Feldern den Bruch mit der Politik seiner Vorgänger zum Programm erhoben hat, sich an einer endgültigen Nahost-Friedenslösung versuchen. Das entspricht der Symptomatik: Die Tatsache, dass seit der Peel-Kommission von 1937 sämtliche Versuche missglückt sind, den Konflikt zwischen Juden und Arabern in der Region friedlich beizulegen, verstehen ZNFS-Patienten nicht als Grund zur Vorsicht, sondern, im Gegenteil, als besonderen Ansporn.

Der österreichisch-amerikanische Psychologe Paul Watzlawick hat diese Art Denken und Handeln als »More of the same«-Fehlschluss beschrieben: Wenn das, was man tut, nicht zum gewünschten Ergebnis führt, ändert man nicht sein Vorgehen oder lässt es bleiben. Stattdessen fährt man auf die gleiche Weise fort, nur jetzt mit noch mehr Energie und Einsatz.

Obsession Wirksame medikamentöse oder psychotherapeutische Behandlungsmethoden für das »Zwanghafte Nahost-Friedensstifter-Syndrom« sind bislang noch nicht entwickelt worden. Im Umgang mit den Betroffenen empfiehlt sich daher Zurückhaltung. Versuche, sie von der Unsinnigkeit ihrer Obsession zu überzeugen, können sogar kontraproduktiv wirken.

Frustrierte Friedensstifter neigen dazu, das eigene Scheitern den renitenten Objekten ihrer Fürsorge anzulasten. Ihr Harmoniebedürfnis kann dann rasch in Aggression umschlagen (»Morbus Carter«). Als sinnvoll hat sich stattdessen die niederschwellige Intervention nach Netanjahu und Abbas bewährt: Man lässt den ZNFS-Patienten seine Obsessionen verbalisieren, ohne praktisch darauf einzugehen, bis der Betroffene früher oder später ermüdet – oder seine Amtszeit endet.

Nahost

Deutschland warnt Bürger in Israel

Angesichts eines möglichen US-Angriffs auf den Iran mit Folgen auch für Israel hat das Auswärtige Amt Deutsche vor Ort zu Sicherheitsmaßnahmen aufgerufen

 24.02.2026

Verstrickungen

Geschäfte mit einem Mörderregime

Wie ein iranischer Banker ein europäisches Immobilienimperium aufbaute – inklusive Hilton-Hotels in Deutschland

von Philip Plickert  24.02.2026

Canberra

Australien startet nationale Untersuchung zu Anschlag von Bondi Beach

Die Royal Commission soll auch Empfehlungen vorlegen, wie der gesellschaftliche Zusammenhalt in einem multikulturellen Land gestärkt werden kann

 24.02.2026

Medienberichte

Trump plant Zwei-Phasen-Krieg gegen Iran

Sollte Teheran nach einem ersten Militärschlag der USA nicht bereit sein, sein Atomprogramm aufzugeben, könnte eine deutlich größere Militäraktion erfolgen

 24.02.2026

Berlin

Zahl der judenfeindlichen Straftaten steigt erneut 

Bei einem großen Teil der Vorfälle gibt es einen Bezug zu Israel und den 7. Oktober 2023

 24.02.2026

Los Angeles

Rob Reiners Sohn will seine Eltern nicht ermordet haben

Dem 32-Jährigen wird vorgeworfen, seinen Vater Rob Reiner und seine Mutter Michele Singer Reiner im Dezember vergangenen Jahres getötet zu haben

 24.02.2026

Nahost

US-Flugzeugträger soll in Haifa anlegen, Militärflugzeuge sind bereits in Israel

Neben der die USS Gerald R. Ford sind Tank-, Versorgungs- und Transportflugzeuge des US-Militärs vor Ort

 24.02.2026

Washington

Warnung vor Risiken eines Iran-Angriffs? Trump dementiert

Die Gefahr einer militärischen Eskalation zwischen den USA und dem Iran ist nicht gebannt. Auf US-Medienberichte über Warnungen des Generalstabschefs reagiert der Präsident persönlich

 24.02.2026

Berlin

Innenminister Dobrindt: Asylbewerber sollen schneller arbeiten dürfen

Einen Antrag auf Asyl in Deutschland stellen und nach wenigen Wochen eine Arbeit aufnehmen? Das könnte bald möglich werden

 24.02.2026