Einspruch

Come on! Es gibt uns!

Alina Treiger ist die erste Landesrabbinerin in Deutschland Foto: Andreas Burmann

Als Rabbinerin zweier Einheitsgemeinden mache ich immer wieder unterschiedliche Erfahrungen, was Rechte und Repräsentanz der Frauen im Judentum betrifft. Meine Akzeptanz in der Gemeinde rührt daher, dass die Beter sich mit der halachischen Stellung der Frau im Judentum auseinandersetzen.

Frauen sind genauso verpflichtet, die Tora zu lernen, wie Männer. Eine Frau darf aus der Tora lesen. Frauen sind zwar durch Rabbiner von Geboten befreit worden, die an Zeit gebunden sind – schließlich haben sie viele andere Verpflichtungen im Haushalt. Aber befreit ist nicht verboten!

»argumente« Schauen wir uns die »Argumente« ge­nauer an. Teils heißt es, dass Frauen zu verführerisch seien und daher im Gottesdienst ablenken würden. Come on! Ist das im­mer noch ernst gemeint? Begegnen wir uns nicht außerhalb der Synagoge, ohne dass unsere Triebe uns überwältigen?

Auch die Befürchtung, dass Frauen ihre müt­terlichen Pflichten vernachlässigen, ist nicht plausibel. Biologisch gesehen wer­den Frauen und Männer immer für einander exotisch bleiben und ihr Interesse an Familiengründung nicht verlieren. Keine Sorge.

Und das »beste« Argument lautet, dass eine Frau aus Respekt vor der männlichen Gesellschaft nicht alles machen sollte, was sie kann. Wenn die Frau, die vorne steht, ihr Wissen zur Schau stellt, könnte ein Mann, der eventuell weniger weiß, sich beschämt fühlen. Ich glaube aber nicht, dass ein Mann, der einer Frau zuhört, sich gleich beschämt fühlt.

pflichten Ich verstehe es nicht, wenn die Entscheidung von Frauen, aktiver Teil der jüdischen Religion zu sein, angefeindet wird. »Oh, eine Rabbinerin? Das ist keine koschere Gemeinde!« – solche Sätze beweisen doch nur, dass oft immer noch verschwiegen wird, welche Rechte und Pflichten die Frauen im Judentum haben.

Manchmal hat man den Eindruck, es wäre besser, wenn drei Männer in der Synagoge sitzen ohne Minjan – dafür aber wäre die Synagoge dann »koscher«.

Die Autorin ist Gemeinderabbinerin in Oldenburg und Delmenhorst.

Untersuchung

ADL: Manipulierte Wikipedia-Einträge über Israel immer noch nicht korrigiert

Die Anti-Defamation League wirft den Betreibern der Online-Enzyklopädie vor, zu wenig gegen die Manipulation von Einträgen zu unternehmen, die sich mit Themen wie dem Nahostkonflikt und dem 7. Oktober befassen

 15.10.2026

Statistik

Zahl antisemitischer Vorfälle in Österreich bleibt auf hohem Niveau

Der Ausnahmezustand sei zum Alltag geworden, beklagt eine Antisemitismus-Meldestelle in Österreich. Im ersten Halbjahr 2026 wurden erneut Hunderte einschlägige Fälle gezählt

 15.10.2026

Berlin

Trotz vieler Hürden: Berliner Parteien sondieren weiter

»Kommunikationsdesaster« oder heilsamer Weckruf? Nach dem Streit um das Vorgehen gegen Antisemitismus sprechen Linke, Grüne und SPD weiter über eine Regierung. Aber es bleibt schwierig

von Andreas Heimann, Torsten Holtz  15.10.2026

Mitglieder der JSUD vor dem Eingang zum Synagogenhof der Jüdischen Gemeinde Halle

Nach Eklat von Halle

Polizei ermittelt gegen jüdische Studenten

Aktivisten der Jüdischen Studierenden Union hatten sich dem rechtsextremen AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider in den Weg gestellt, als dieser an einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des rechtsextremen Anschlags teilnehmen wollte. Das hat ein juristisches Nachspiel

 15.10.2026

Rechtsterrorismus

Zwickau gedenkt NSU-Opfern

Der »Nationalsozialistische Untergrund« ermordete zehn Menschen aus rassistischen und rechtsextremistischen Motiven. Zuletzt lebte die Terrorzelle in Zwickau. Die Stadt gedenkt der Terroropfer

 15.10.2026

Hamburg

Attentate auf Josef Schuster und Volker Beck geplant: Iranische Spione müssen ins Gefängnis

Zwei Männer haben im Auftrag Teherans jüdische und proisraelische Ziele in Deutschland für Anschläge ausgespäht. Das Oberlandesgericht hat sie deshalb nun zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt

von Nils Kottmann  15.10.2026 Aktualisiert

Golf von Oman

US-Militär: Schiff mit Iran-Verbindungen zerstört

Immer wieder greifen der Iran und die USA gegenseitig Handelsschiffe und Tanker an. Was ist nun passiert?

 15.10.2026

Berlin

Linke, Grüne und SPD verhandeln wieder

Das von den Sondierern beschlossene Antisemitismus-Papier soll auch in den Koalitionsvertrag aufgenommen werden

 15.10.2026

Debatte um Erklärung

Hickhack bei Rot-Grün-Rot: Das steht in den Antisemitismus-Papieren

Die Berliner Regierungsbildung stockt, nachdem die Linke im Abgeordnetenhaus ein eigenes Papier zum Kampf gegen Antisemitismus gebilligt hat. Wo sich die zwei Erklärungen unterscheiden

 14.10.2026