Einspruch

Christen auf die Schutzliste

Die meisten palästinensischen Christen, deren Familien oft viele Jahrhunderte lang in Bethlehem gelebt hatten, haben die Geburtsstadt Jesu längst verlassen. Der offizielle Grund, den die Palästinensische Autonomiebehörde dafür nennt: Die christlichen Palästinenser seien vor der israelischen Besatzung geflohen. Das ist natürlich Quatsch. De facto und de jure wird Bethlehem längst nicht mehr von den Israelis kontrolliert. Die Christen laufen vor ihren muslimischen Nachbarn davon.

Bethlehems Christen sind nur ein kleiner Teil jener Tragödie, die sich dieser Tage vor unseren Augen im Nahen Osten abspielt: Von Kairo bis Bagdad werden die arabischen Christen weggeekelt, verjagt, oft genug auch totgeschlagen. Vor diesem Hintergrund muss man die Entscheidung der Kulturorganisation der Vereinten Nationen, der UNESCO, betrachten, die Geburtskirche in Bethlehem offiziell als Teil des Weltkulturerbes anzuerkennen – und zwar für einen Noch-Nicht-Staat namens Palästina.

Pogrome Die Amerikaner und die Israelis sind darüber erbost, allerdings aus diplomatischen Gründen. Aber sehen wir doch einmal das Positive: Jetzt müssen die christlichen Araber nur noch erreichen, dass die UNESCO auch sie zum Weltkulturerbe erklärt, und schon finden die Pogrome ein Ende. Schließlich steht nirgendwo geschrieben, dass nur ehrwürdige Gemäuer geschützt werden dürfen.

Einen Haken hat die Sache allerdings. Niemand weiß, wer den künftigen Staat Palästina regieren wird – die demokratisch überhaupt nicht legitimierte Truppe um Mahmud Abbas, die Herren von der Hamas oder die Jungs vom Islamischen Dschihad?

Und denken wir daran, was gerade eben im fernen Timbuktu passiert, wo islamische Milizen Amok laufen und schöne alte Gräber von (übrigens: muslimischen) Heiligen verwüsten. Die UNESCO kann nur danebenstehen und schwach mit dem Zeigefinger drohen. Man muss befürchten: Im Fall eines Falles wird es weder der Geburtskirche in Bethlehem noch den dort betenden arabischen Christen nützen, dass die Autonomiebehörde sie einst für kulturell wertvoll hielt.

Straße von Hormus

US-Marine soll jeden Minenleger versenken

Der amerikanische Präsident Donald Trump verschärft seinen Kurs gegen den Iran

 23.04.2026

Berlin

Bundesregierung sieht Chance bei Verhandlungen zwischen USA und Iran

Kehren die Washington und Teheran zurück an den Verhandlungstisch? Die Bundesregierung sieht in Verhandlungen eine Chance für den Frieden

 23.04.2026

Parteien

Streit um Israel: Linke auf der Sandbank?

Die Linke ringt weiter über ihre Haltung zu Israel und zum Nahostkonflikt. Der Parteivorstand will mit einem Leitantrag für den Parteitag in Postdam im Juni den Streit befrieden. Doch auch eine Personalie sorgt für Diskussionen

von Michael Thaidigsmann  23.04.2026

Zukünftige Führung

Schah-Sohn Reza Pahlavi wirbt in Berlin für härteren Kurs gegen Mullahs

Reza Pahlavi sieht keine Reformer in der iranischen Führung und wirbt für einen politischen Wandel. Vor seinem Auftritt wurde er mit Tomaten beworfen

 23.04.2026 Aktualisiert

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« kooperiert mit katholischer »Tagespost«

Ein Zeichen gegen Antisemitismus: »Die Tagespost« legt ihren Abonnenten die »Jüdische Allgemeine« kostenlos bei. Hinter der Aktion steckt unter anderem ein rundes Jubiläum

von Hannah Krewer  23.04.2026

Arlington (Virginia)

Pentagon warnt: Räumung von Minen in Straße von Hormus könnte ein halbes Jahr dauern

Der Streitkräfteausschusses im Repräsentantenhaus wird darüber informiert, dass Teheran mindestens 20 Minen in und um der wichtigen Meerenge platziert haben soll

 23.04.2026

China

Viraler Judenhass in China

Im Zuge des Iran-Kriegs nimmt der Antisemitismus im Diskurs der asiatischen Großmacht dramatisch zu. Eine Analyse

von Sven Benentreu  23.04.2026

Magdeburg

Landtag setzt mit Staatsvertrag Zeichen gegen Antisemitismus

Am 12. Dezember 2025 hatten das Land und die jüdischen Gemeinden Sachsen-Anhalt den geänderten Staatsvertrag unterzeichnet. Am Mittwochabend hat der Landtag den Vertrag beschlossen

 23.04.2026

Houston

Jüdisches Gemeindezentrum nach Drohungen geschlossen

Betroffen ist auch die Shlenker School, eine zur Gemeinde gehörende Gesamtschule. Das FBI und die Polizei ermitteln

 23.04.2026