Einspruch

Canapés mit Rechtsextremen?

Nils Kottmann Foto: Marco Limberg

»Es ist ein großes Dilemma«, sagt die Berlinale-Chefin Mariette Rissenbeek. Einerseits wollen die Veranstalter von Deutschlands wichtigstem Filmfestival gegen Rechtsextremismus sein, andererseits müssen sie AfD-Politiker auf den roten Teppich einladen, wenn die in die Parlamente gewählt wurden. Das verlange der Respekt vor dem Amt, erst recht von einer staatlich finanzierten Veranstaltung.

Doch dann in einer Erklärung zu behaupten, dass die Berlinale gegen jede Form von Diskriminierung sei, ist doppelt irrsinnig. Man kann nicht Protestnoten gegen Rechtsextreme verfassen und ihnen dann bei nächster Gelegenheit Canapés und Champagner servieren – auch nicht, wenn man dabei indigniert das Gesicht verzieht.

Denn wer die offene Gesellschaft verteidigen will, braucht eine gute Tür, und wie jeder Klub-Türsteher muss die Berlinale gucken, wer zur Party passt. Doch auf der Gästeliste standen laut Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) die Mitglieder des Kulturausschusses im Bundestag.

Die Sicherheitskonferenz in München hat begriffen, dass es gegenüber den Feinden der Freiheit Intoleranz braucht.

Dazu gehört auch der AfD-Politiker Martin Erwin Renner, der in einer Rede behauptet hatte, dass die »Verächtlichmachung des Eigenen« und die »maßlose Überbetonung einer kulturellen Vielfalt« wie »Krematoriumsasche« (!) über dem deutschen Kulturbetrieb liege. Jemand wie Renner sollte sich lieber zu Hause schämen, statt auf dem roten Teppich in das Blitzlichtgewitter der Kameras strahlen zu dürfen.

Die Sicherheitskonferenz in München hingegen hat begriffen, dass es gegenüber den Feinden der Freiheit Intoleranz braucht, und im vergangenen Jahr keine Vertreter der AfD eingeladen. »Ich habe damals gesagt, einer rechtsextremistischen Partei will ich nicht den roten Teppich ausrollen«, sagte Konferenz-Chef Christoph Heusgen. Dieses Jahr müssen auch Mitglieder der WerteUnion und des Bündnisses Sahra Wagenknecht draußen bleiben. Dass die Sicherheitskonferenz wie die Berlinale Steuergelder bekommt, spielt keine Rolle. Schade, dass ausgerechnet Berliner gute Türpolitik von Münchnern lernen müssen.

kottmann@juedische-allgemeine.de

Jerusalem

Geheimdienst: Netanjahus Sohn wegen Bedrohung aus USA zurück

Netanjahu hatte von iranischen Mordplänen gegen einen seiner Söhne gesprochen. Der Inlandsgeheimdienst bestätigt nun, Jair sei wegen einer akuten Bedrohung aus den USA nach Israel zurückgekehrt

 31.08.2026

Ehrung

Rabbiner Andreas Nachama erhält Berliner Moses-Mendelssohn-Preis         

Er gilt als eine zentrale Figur des jüdischen Lebens in Deutschland: der Rabbiner und Publizist Andreas Nachama. Nun erhält er eine besondere Auszeichnung

von Daniel Zander  31.08.2026

Berlin-Wahl

Neue Umfrage: Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen drei Parteien

Am 20. September ist Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus. Welche Parteien verlieren? Welche haben die besten Chancen auf das Rote Rathaus?

 31.08.2026

Magdeburg

Wie gefährlich wird die Wahl für die Bundesregierung?

Die Wahl in Sachsen-Anhalt hat das Potenzial, auch die Regierungsparteien in Berlin in Turbulenzen zu bringen. Für deren Vorsitzende könnte es ungemütlich werden

von Michael Fischer, Theresa Münch  31.08.2026

Religion

Islam-Forscher Khorchide: Muslime müssen jüdisches Leben schützen

Der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide fordert Muslime auf, jüdisches Leben aktiv zu schützen. Eine projüdische Haltung gehöre fundamental zum islamischen Glauben, weil die Wurzeln des Islam im Judentum lägen

 31.08.2026

Debatte

Börsenverein des Deutschen Buchhandels hält an Israel-Hasserin El Hissy fest

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels weist Vorwürfe gegen die Jurorin Maha El Hissy zurück. Hintergrund ist eine Essayserie der Autorin, wegen der ihr die Verbreitung israelfeindlicher Stereotype vorgeworfen wurde

 31.08.2026

Vakanz

Felix Klein: Nachbesetzung von Antisemitismusbeauftragtem eilt

Der langjährige Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, wechselt zum September nach Paris. Bislang ist seine Nachfolge immer noch nicht geklärt. Jetzt ruft er die Regierung zur Eile auf

von Anna Mertens  31.08.2026

USA

Verlängerung von Iran-Einsatz untragbar? Pentagon dementiert

Laut einem Medienbericht haben sich hochrangige Militärs besorgt über eine mögliche Verlängerung von Angriffen gegen den Iran geäußert

 31.08.2026

Berlin

»Death to the IDF«: Linke Spitzenkandidatin zeigt sich »entsetzt«, nicht alle nehmen ihr dies ab

Offener Judenhass und Terroraufruf bei Wahlkampfveranstaltung: Bei der Partei »Die Linke« führt der jüngste Skandal zu einer Diskussion über Judenhass und Reaktionen darauf

 31.08.2026